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Zwischen Lidschatten, Mascara und Lipstick

Der 24-jährige Luca de Michele kann schon auf eine beeindruckende Laufbahn zurückblicken. Wer hätte während seiner Friseurausbildung dem scheuen Jungen aus Differdingen zugetraut, dass er als Make-Up Artist seine eigene Produkt-Linie entwickeln würde?

Fotos: Philippe Reuter

„Es ist alles schief gelaufen“, erinnert sich Luca amüsiert. „Mein Model hat mir in letzter Sekunde abgesagt, ich habe mit einer Perücke gearbeitet, die krumm war, und dann wurde auch noch die Zeit verdammt knapp.“ Als der junge Make-Up Artist sich letztes Jahr für einen international renommierten Visagisten-Wettbewerb in London bewarb, war er vor allem stolz darauf, als einziger Luxemburger am prestigereichen Contest überhaupt teilnehmen zu dürfen. „In meinen Gedanken war ich schon im Flugzeug, auf dem Weg zurück nach Luxemburg. Deshalb war ich auch ein bisschen verwirrt, als mir plötzlich jemand mitgeteilt hat, ich hätte den ersten Preis gewonnen. Ich habe auf Anhieb auch nicht sofort alles verstanden, weil es auf Englisch war.“ Wieder lacht er. Als sei alles nur ein Scherz gewesen. Und trotzdem hat der junge Luxemburger als Gewinner die einmalige Gelegenheit bekommen, seine eigene Make-Up-Kollektion auf den Markt zu bringen. Und das für ein ganzes Jahr.

„Die Basis in Sachen Make-Up hatte ich bereits während meiner Lehre zum Friseur gelernt.“
Luca de Michele, Make-Up Artist

Ironischerweise hat seine Karriere als Make-Up Artist vor zwei Jahren auch mit einem Wettkampf angefangen. „Ich bin richtig süchtig nach Wettbewerben“, gibt er begeistert zu. „Es ist eine spannende Herausforderung. Dazu kommt dann auch noch die entsprechende Aufregung, und irgendwie geht immer etwas schief.“ In den sozialen Netzwerken fahndete RTL nach Kandidaten für einen Make-Up-Wettbewerb im Rahmen der Sendung „Punkt 12“. „Ich habe mich sofort angesprochen gefühlt.“ In der TV-Show muss Luca gegen vier Kandidaten antreten und sein Talent unter Beweis stellen. „Es wurde alles gefilmt. Es war sehr spannend und aufregend für mich, auch mal einen Blick hinter die Kamera werfen zu können. Diese Welt war mir damals total unbekannt.“ Luca schafft es leider nicht auf den ersten Platz. Trotzdem reicht sein zweiter Platz auf dem Siegertreppchen für eine fünfmonatige Ausbildung in der „Famous Face Academy“ in Frankfurt. Hier bekommt der Luxemburger die Chance, seinen kreativen Handwerksberuf zu verfeinern. „Die Basis in Sachen Make-Up hatte ich bereits während meiner Lehre zum Friseur gelernt“, verrät Luca de Michele. Es entsteht eine richtige Faszination für den Beruf, zumal das Einsatzgebiet unendlich scheint: von Hochzeiten und Modenschauen bis zum Dreh eines Films.

Niedergelassen hat sich der Make-Up Artist in seiner Heimat Differdingen. In einem Ort mit einer lebendigen Kultur- und Kreativwirtschaft, dem Kreativzentrum 1535. „Hier kann ich meinen Traum verwirklichen“, erklärt de Michele. Erschaffen, erfinden, austauschen und kommunizieren. Diese interaktive Plattform, die sich in ehemaligen Industriegebäuden der „Arbed“ befindet, bietet allen kreativen Berufen die Möglichkeit, über einen Raum zu verfügen, wo sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen können. „Kollaborationen mit anderen Künstlern sind mir sehr wichtig“, betont der Make-Up Artist. „Mit der Fotografin Christine Eckardt, deren Studio sich neben meinem befindet, arbeite ich öfters zusammen. Das Logo meiner Make-Up-Kollektion wurde ebenfalls von Künstlern hier aus dem Zentrum entworfen.“

„Kollaborationen mit anderen Künstlern sind mir sehr wichtig.“
Luca de Michele, Make-Up Artist

Eine Linie, die komplett in London hergestellt wird. Alle Produkte, und das ist dem Make-Up Artist sehr wichtig, werden nicht an Tieren getestet und sind vegan. „Die Borsten meiner Make-Up Pinsel sind zum Beispiel hundertprozentig synthetisch“, erklärt Luca. Fast jeden Monat bringt er, noch bis Ende des Jahres, neue Kreationen auf den Markt. Von der Liedschatten-Palette bis zum Lippenstift gibt es die Artikel aber leider immer nur in einer limitierten und einmaligen Auflage. „Und die sind dann in ein paar Stunden meistens ausverkauft.“ Mit viel Sorgfalt entscheidet er sich für die passende Zusammenstellung, die richtige Duftnote und die perfekte Textur. Alles muss einwandfrei übereinstimmen. Für Ende Juni ist eine neue Mascara geplant, und auch für Männer soll es bald eine Überraschung geben.

In seinem Studio bietet Luca de Michele auch sehr unterhaltsame Workshops an, in denen er Schminktipps gibt. „Es kommt immer eine sehr gute Stimmung auf, wenn eine Gruppe Mädels zum Schminkkurs kommt.“ Männer sind aber auch willkommen, denn auch wenn es noch keinen Riesentrend ist, verzichten manche Kerle nur ungern auf einen makellosen Teint. „Für eine Hochzeit wird der Bräutigam nicht selten gepudert, denn auch männliche Haut hat die Tendenz zum Glänzen. Das ist nicht optimal, falls Fotos geplant sind.“

Jérôme Beck

Journalist

Ressorts: Wissen, Lifestyle

Martine Decker

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