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Auf Nummer sicher

Nikolaus naht, Videospiele sind wohl auf vielen Wunschzetteln von Kindern zu finden. Schutz vor unangemessenen Inhalten sollen Alterseinstufungssysteme wie PEGI oder USK bieten. Was es mit diesen Labels auf sich hat – und warum sie nicht als alleinige Kaufkriterien dienen sollten, erklärt Debora Plein von Bee Secure.

fear-black-DE KopieFrau Plein, in Luxemburg, Frankreich und Belgien sind Videospiele oft mit dem Label Pan European Game Information (PEGI) ausgewiesen, kauft man dieselben Spiele in Deutschland, sind diese mit Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) ausgezeichnet. Nach welchem Label soll man sich denn richten?
Beide Systeme bieten charakteristische Kennzeichnungen für ein empfohlenes Spielealter, wobei das PEGI-System zusätzlich unterschiedliche Bildsymbole zur Kennzeichnung von problematischen Inhalten nutzt, etwa Gewalt, rüde Sprache, Angst, Sex, Drogen, Diskriminierung, Glücksspiel, Online-Spiel. Beide Labels sind demnach für Eltern ein guter Startpunkt bei der Kauf-Orientierung. Je nach Spiel, individuellem Bedarf, Fragestellung bzw. Anliegen kann das Hinzuziehen weiterer Informationen über ein Spiel sehr sinnvoll sein. Ich empfehle Eltern, dass eine Label-Bewertung nicht als alleiniger Anhaltspunkt zum Kauf von Videospielen dienen sollte.

PEGI_Gewalt KopieWenn ein Spiel für Kinder laut PEGI ab sieben Jahren freigegeben ist, heißt das also nicht, dass es auch für Kinder in dem Alter konzipiert ist?
Es gilt immer, individuell zu prüfen und zu entscheiden, ob ein Spiel geeignet ist. Auch, wenn diese Systeme ein minimal empfohlenes Spielalter kennzeichnen, so bedeutet dies nicht, dass sie auch tatsächlich dem genannten Alter bzw. dem Entwicklungsstand angemessen sind. Eltern kennen ihre Kinder am besten, sie sollten, neben den Empfehlungen, entscheiden, ob das betroffene Spiel für das eigene Kind oder Enkelkind geeignet ist oder nicht.

bad-language-black-DE KopieWie sollte man dazu vorgehen?
Man sollte sich am besten die Zeit nehmen, die Spiele selbst kennenzulernen und sich damit auseinandersetzen. Es gibt für viele Spiele sogenannte „Lets play“-Videos, in denen man sich einen Eindruck zu einem Spiel verschaffen kann. Zudem könnte es hilfreich sein, sich die Spiele von den Kindern erklären zu lassen oder auf Spieleratgeber zurückzugreifen. Zudem sollte man versuchen zu verstehen, warum sich das Kind für genau dieses oder jenes Spiel interessiert.

discrimination-black-DE KopieDas PEGI-System bewertet ausschließlich Festplattenspiele. Wie sieht es aus mit Online-Verkaufsplattformen wie Steam?
Steam ist grundsätzlich erst ab 13 Jahren erlaubt. Auf solchen Verkaufsplattformen, aber auch in Appstores, gibt es diverse Parental Control Systeme bzw. Einstellungen, die man zum Schutz seiner Zöglinge nutzen kann. Solche Programme können zeitweise hilfreiche Werkzeuge sein, sind jedoch kein Ersatz für Gespräche und Vertrauen zwischen Eltern und Kindern. Wichtiger als eine mögliche Nutzung solcher Parental Control Systeme, ist ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen den Parteien – denn irgendwann kann der Moment kommen, in dem Kinder bzw. junge Menschen andere Wege, außerhalb der elterlichen Kontrolle, nehmen um an ihre Ziele zu kommen. Besteht aber ein gutes Vertrauensverhältnis, stehen die Chancen gut, dass sich das Kind – auch und vor allem in Problemsituationen – den Eltern anvertraut.

Interview: Cheryl Cadamuro // Fotos: Philippe Reuter, Freepik

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Gut zu wissen

Spiele, die in Luxemburg erscheinen, sind meist mit dem Pan European Game Information (PEGI) gekennzeichnet. Dabei handelt es sich um das erste europäische System zur Alterseinstufung, an diesem nehmen insgesamt 38 Länder teil.

Anders als das ebenfalls häufig auf Spielecovern anzutreffende Siegel der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) listet PEGI neben der Altersfreigabeempfehlung diverse Bildsymbole zur Kennzeichnung der problematischen Inhalte. Dennoch handelt es sich bei PEGI- Angaben, die Spielehersteller freiwillig beantragen können, um unverbindliche Empfehlungen. USK hingegen ist strenger reguliert, es orientiert sich am Jugendschutzgesetz in Deutschland, wird von unabhängigen Gutachtern durchgeführt und unterliegt gesetzlichen Bestimmungen.

Die Altersempfehlungen von PEGI sagen nichts über den Schwierigkeitsgrad von Spielen aus. Ein Spiel, das ab sieben Jahren freigegeben ist, ist vielleicht dennoch viel zu kompliziert für Siebenjährige. USK prüft derweil das komplette Spiel und nimmt sich das Recht vor, Spiele, die in Deutschland erscheinen, zu zensieren.

Weitere Informationen sind zu finden in der Bee Secure-Broschüre „Das PEGI- Label für Videospiele: Schutz für Kinder vor unangemessenen Inhalten“ sowie auf der Webseite www.bee-secure.lu.

Author: Philippe Reuter

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