Grilltraditionen aus dem Norden haben es bis nach Luxemburg geschafft. Welche Köstlichkeiten man auf offenem Feuer, im „Dutch Oven“ und der „Muurikka“ zubereiten kann, führt der luxemburgische Foodblogger Guy Weymeschkirch vor.
Fotos: Philippe Reuter
Es regnet in Strömen. Dennoch ist ein Mann nicht von seiner Terrasse (zum Glück mit Überdachung) wegzubekommen. Guy Weymeschkirch ist seit sieben Stunden auf den Beinen. Vom Wetter lässt er sich nicht unterkriegen, nicht heute. Um sechs Uhr früh hat der Foodblogger damit begonnen, die ersten Burger-Brötchen zu backen. Schön winterlich hat er die Buns mit kleinen Teig-Sternchen und Sesamkernen dekoriert, schließlich soll zum Fotoshooting alles perfekt sein.
Als wir ihn in seiner Gartenlaube antreffen, bekommen wir gleich eine Tasse Glühwein in die Hand gedrückt. „Beim Wintergrillen ist das Wetter die größte Herausforderung“, fasst der Grillmeister die Lage zusammen. Den Glühwein hat er, wie erwartet, nicht in einem langweiligen Topf auf dem Herd, sondern in einem „Dutch Oven“ zubereitet. Dabei handelt es sich um einen massiven, dickwandigen Topf aus Gusseisen. Die Bezeichnung ist seit 1710 ein Begriff und geht wohl auf den Engländer Abraham Darby zurück, der versuchte die englische Gusseisenproduktion zu optimierten und sich dafür ein Vorbild an den in diesem Bereich fortschrittlicheren Niederländern nahm. Weymeschkirch oder „Weymi“, wie er auf Facebook und Instagram heißt, hat sechs oder sieben davon. „In allen Größen“, lacht der 44-Jährige und fügt hinzu, „den ‚Dutch Oven‘ kann man überall einsetzen, wo es ein Feuer gibt.“ Zu seinem Repertoire gehören außerdem ein Gas-, Holzkohle- und Schalengrill, ein Wassersmoker, eine „Sizzle Zone“ und eine „Muurikka“. Zur Basisausstattung gehört an diesem Nachmittag eine simple Feuerschale, deren Funktion mit ein wenig Zubehör ausgedehnt wird.
“Den ‚Dutch Oven‘ kann man überall einsetzen, wo es ein Feuer gibt.” Guy Weymeschkirch
Den Anfang des deftigen 3-Gänge-Menüs macht der Flammlachs. Dabei wird ein rohes Lachsfilet einfach auf ein Brett über das offene Feuer des Schalengrills geklemmt und so geröstet. Die Zubereitungsart gilt als lappländische und finnische Tradition und erfreut sich seit einigen Jahren auch bei uns großer Beliebtheit, vor allem auf Weihnachtsmärkten. Mindestens 40 Minuten muss man einplanen, bis der „Loimulohi“ (dt. Feuerlachs) fertig ist. Abwarten lohnt sich, denn der Fisch wird auf diese Weise innen herrlich zart und außen knusprig.
Als Hauptgang steht ein Enten-Puten-Burger mit Käse und Preiselbeeren auf dem Programm. Den bereitet der Familienvater auf einer sogenannten „Muurikka“, einer finnischen Feuerpfanne, zu. In Skandinavien gilt diese als Inbegriff der Outdoorpfanne, da man mit ihr auf offener Flamme (wie etwa in der Feuerschale) kochen und braten kann. „Weymi“ zieht sich schwarze, hitzebeständige Handschuhe über und wirft sich seine Grillmeister-Schürze um. Jetzt geht’s ans Eingemachte. Konzentriert legt er Frikadellen und Brötchenhälften auf. Einmal wenden. Nach ein paar Minuten legt er die Camembert-Scheiben obendrauf und lässt sie schmelzen. Dann setzt er die einzelnen Komponenten auf einem Teller zusammen. Nach ausgiebigem Ablichten seiner Kreation ist die so gut wie kalt. Der Hobbykoch nimmt es gelassen, „als Foodblogger isst man immer kalt.“ Der Burger – ein Zusammenspiel aus süßen (durch die Preiselbeeren), scharfen (durch den Feigensenf) und salzigen Noten (durch den Käse) – schmeckt trotzdem.
“Als Foodblogger isst man immer kalt.” Guy Weymeschkirch
Als wir zum Dessert kommen, ist es draußen bereits dunkel geworden. Das Apfel-Spekulatius-Crumble bereitet Weymeschkirch ebenfalls im „Dutch Oven“ vor. Rund eine Halbestunde braucht es, um servierfertig zu sein. Zwischendurch nimmt er immer wieder den Deckel ab und überprüft den Backgrad der Streusel. Vor zwei Jahren habe er mit dem Bloggen angefangen, erzählt der hauptberufliche Börsenmann. Es mache ihm Spaß, es sei ein guter Ausgleich zur Arbeit. Mittlerweile habe er 3.500 Follower, viele Gleichgesinnte und einige Sponsoren kennengelernt. Er füllt das goldbraune Crumble in kleine Schüsseln und fügt jeweils eine Kugel Eis hinzu. Obwohl es längst nicht mehr regnet, entscheiden wir uns, den Nachtisch im Haus zu essen. Ein bisschen durchgefroren ist man nach drei Stunden bei Wind und Wetter dann doch.
Selbstverständlich hätte man die drei Gerichte auch anders zubereiten können; den Lachs und das Dessert im Ofen und den Burger auf auf dem Rost oder in der Pfanne. Trotzdem wäre es nicht das Gleiche gewesen. „Die Szene rund ums alternative Grillen ist hierzulande ebenfalls am Kommen“, ist der 44-Jährige überzeugt. Natürlich müsse man bei der Vorbereitung deutlich mehr Zeit einplanen, als beim Auflegen eines Würstchens oder Koteletts. Aber der Aufwand hat sich gelohnt, wie wir finden.





