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Jahrelang ist Schlagzeuger Sacha Hanlet mit Mutiny on the Bounty Probegast in der Escher Kulturfabrik gewesen. Jetzt darf er dort drei Jahre an seinem Soloprojekt „Them Lights“ feilen.

Er befinde sich an einem Wendepunkt seiner Musikerkarriere, so Sacha Hanlet. Mit Hauruckaktionen, die zwar viel Kraft erfordern und trotzdem oft kein wirklich zufriedenstellendes Resultat erzielen, soll Schluss sein. Einstweilen jedenfalls. Während der dreijährigen Künstlerresidenz in der Escher Kulturfabrik, die offiziell bereits im März begonnen hat, wird er endlich genug Zeit haben, um sich und seine Energie voll und ganz auf ein umfassendes Kunstprojekt zu konzentrieren. Und da er dabei vom Team der Kufa und deren Partnern unterstützt und betreut wird, kommt der Begriff Perfektion in greifbare Nähe.

„Them Lights“ nennt sich Sacha Hanlet, wenn er auf Solopfaden unterwegs ist. Was seit 2017 der Fall ist. Seitdem sind fünf Singles und drei Clips erschienen. Darunter das für mich grandiose Video „Mysterious Lights“, das einen Motorradfahrer durch eine apokalyptische Landschaft begleitet. Auf der Suche nach Licht oder genauer gesagt: der Wahrheit. Ähnlich wie die Musik der 2004 gegründeten Math-Rock-Band Mutiny on the Bounty (MOTB), deren Sänger und Schlagzeuger er ist, klingen „seine“ Kompositionen wie vom Computer geschrieben. Auch die Stimmung ist fast identisch: düster und gleichzeitig fesselnd. Neu ist indes dieses Streben, passende Bilder und die richtige Inszenierung für die Grooves zu finden. Und daher wundert es nicht, dass der mittlerweile 40-jährige Drummer Michael Jackson als den Künstler angibt, der ihn am meisten beeinflusst hat. Wegen seiner globalen Sicht der Musik. „Fir hien wéi och fir mech ass et wichteg, eng visuell Identitéit ze hunn.“

Komposition und Interpretation, Aufnahme und Produktion – in der Kufa wird Sacha Hanlet sich mit sämtlichen Etappen des Musikmachens befassen.

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Für Unternehmen ist eine Visual Identity ein wesentlicher Aspekt der gesamten Markenidentität, doch was bedeutet es für Musiker? Geht es Sacha Hanlet mit seinem Solo-Projekt ebenfalls vordergründig um Wiedererkennung? „Et geet virun allem dorëms, de Leit eppes Authentesches ze bidden. Si solle vun de Kläng, dem Liicht an de verschiddene Bühnenelementer gläichermoossen beandrockt sinn.“ Alles müsste miteinander verbunden sein. Sogar Farben und Bewegungen. Diesen aufeinander abgestimmten Klang-, Wort- und Bilderschatz will der Autodidakt in der Kufa von A bis Z perfektionieren und zu einem Gesamtkunstwerk entwickeln. Zudem möchte er beweisen, dass ein Luxemburger Künstler sich nicht unbedingt im Ausland niederlassen muss, um in der Musikbranche Karriere zu machen. Mit genügend Spielraum und ausreichender finanzieller Unterstützung sei dies nämlich hierzulande durchaus möglich. Klingt etwas verbissen, Sacha Hanlet ist es hingegen keineswegs.

In den letzten 16 Jahren hat er als Musiker auf und als Eventtechniker hinter der Bühne alles Mögliche und Unmögliche erlebt. Also weiß er ziemlich genau, wie der Hase läuft, und dass man arbeiten, mehr arbeiten und noch mehr arbeiten muss, um voran zu kommen. „Ech weess och, datt ech net alles kontrolléiere kann, mee ech wäert probéieren, aus menge Feeler eppes Interessantes ze schafen.“ Nach dem Künstlerduo Sandy Flinto und Pierrick Grobéty die Chance bekommen zu haben, in der Kufa an „Them Lights“ zu feilen, freut ihn ganz besonders, weil er den Ort für seine Atmosphäre und das Team für seine Offenheit und Flexibilität schätzt. Da er mit MOTB schon so oft dort geprobt hat, ist das neue kreative Zuhause dem in Rümelingen Lebenden wohl vertraut. Was aber lediglich heißt, dass der Workflow schon geschliffen und der Umgang lockerer ist. Einfacher wird die „Mission“ dadurch indes nicht. Und so handelt es sich eher um ein Nachhausekommen unter anderen Bedingungen.

web_Michael-Stibling-KopieAuf die erste EP, die in Vorbereitung ist, und die erste Live-Show bin ich jedenfalls gespannt, doch da ich minimalistisches Design liebe, werde ich mit Sicherheit nicht enttäuscht sein. „I keep on wandering. Wandering through the nights. Still searching for the truth – them lights. I keep on wondering. Why they took you away. Still feel you’re there, somewhere in this light. (…) I need to keep on moving“, singt Sacha Hanlet in „Mysterious Lights“. Irgendwie fasst dieser Songtext seine neue Herausforderung perfekt zusammen. Er wird so lange keine Ruhe geben, bis er gefunden hat, wonach er sucht: Vollkommenheit.

Vollkommenheit im Sinne von Vollständigkeit. Von einer harmonischen Ordnung. Einer Fülle möglicher Elemente, zu welcher kein weiteres Element mehr fehlt. Ob Sacha Hanlet in dem Moment nicht erneut nach mehr strebt, ist eine andere Frage.

Fotos: Michael Stibling, Lynn Theisen

Gabrielle Seil

Journalistin

Ressort: Kultur

Author: Dario Herold

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