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Der Mythos des 1. FCK

Luxemburg und Kaiserslautern – das passt. Seit wenigen Wochen tummelt sich mit Jeff Saibene ein neuer roter Löwe auf dem Betzenberg. Wir haben uns mit ihm unterhalten und den Mythos 1. FCK unter die Lupe genommen. 

In ein paar Tagen, am 31. Oktober, wäre Fritz Walter 100 Jahre alt geworden. Nur selten hat ein Mann eine Region so beeinflusst wie der Weltmeister von 1954 sein Kaiserslautern. Und das ist auch heute noch zu sehen: In der ganzen Stadt ziert das Gesicht und die legendäre Nummer 8 des noch legendäreren Fritz Walter Wände, Statuen, einfach alles mögliche. Manchen zollt man Respekt mit einer Straße, die hat Fritz Walter auch, aber die alleine wurde der Legende nicht gerecht. Denn auch das mystische Stadion auf dem Betzenberg wurde nach ihm benannt und ist weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannt: Das Fritz-Walter-Stadion auf dem Betze, es bebt.

Und allein der Mythos des Stadions verdient eigentlich deutlich mehr als die dritte Liga, in der der 1. FCK aktuell herumtaumelt. Doch es könnte auch noch schlimmer sein, nur wenige hundert Meter Luftlinie entfernt vom Betzenberg erhebt sich der Erbsenberg auf ein ähnlich hohes Tableau. Bewohner des Erbsenberges ist der VfR Kaiserslautern, seines Zeichens Oberligist. Direkter Nachbar vom VfR sind die K-Town Bears. Die erste Baseball-Mannschaft Kaiserslauterns, die ihre Spiele auf dem Untergrund eines urigen Hartplatzes absolvieren dürfen – ein geiles Amateur-Flair.

Aber wieder zurück zu den roten Teufeln. Ihren Spitznamen haben sie übrigens auch ihrer Legende zu verdanken. Dieser kickte während des Krieges bei einer Mannschaft namens „Rote Jäger“. Daraus entwickelten sich in den Folgejahren die „Roten FCK-Teufel“. Damit wäre übrigens auch geklärt, wer die „echten roten“ Teufel des Weltfußballs sind. Rekordmeister Manchester United aus England, genannt „red devils“ (englisch für die roten Teufel), hat seinen Spitznamen nämlich erst seit 1960 und somit erst ein gutes Jahrzehnt nach dem 1.FCK bekommen.

Aber auch rote Löwen mag man auf dem Betzenberg. So hat der mittlerweile ehemalige Hesper-Trainer Jeff Strasser auch heute immer noch einen richtig hohen Status am Betze inne. An einem solchen Status arbeitet aktuell der zweite Jeff aus Luxemburg. Der 52-jährige Jeff Saibene wurde nach zwei verlorenen Spielen zum Saison-Auftakt als neuer Trainer des 1. FCK eingestellt. Im zweiten Heimspiel von Saibene ging es direkt gegen die Ex aus Ingolstadt. „Besonders ist das nicht. Vielleicht gegen Bielefeld oder St. Gallen, aber nicht gegen Ingolstadt“ unterstreicht Saibene nochmal, dass er sich an die Zeit in Ingolstadt nicht unbedingt allzu oft erinnern muss.

In Kaiserslautern soll das anders werden. Und bei der Durchsage der Mannschaftsaufstellung vor dem Spiel erntete Saibene bereits einen ordentlichen Applaus vom rund 3.000 Zuschauer umfassenden Publikum. „Die Leute wollen Power sehen, viel Dynamik“, weiß Saibene. Den Schlüssel zu ihrem Herzen scheint er also zu kennen. Und während seine Mannschaft versucht diese Power auf den Platz zu bringen, wechseln sich bei Saibene ein nachdenkliches Schlendern mit dem Sitzen neben seinem Co-Trainer ab. Nur selten lässt er sich aus diesem Trott reißen. So auch in der 25. Spielminute, als der Schiedsrichter ein potenziell strafbares Handspiel der Gegner übersah: Saibene war entsetzt, am Ende bedurfte es sogar des Schiedsrichters, um ihn zu beruhigen – dem Kaiserslauterer Publikum gefiel das.

Nach umkämpften 90 Minuten trennen sich die aktuelle Flamme und die Ex von Saibene mit 1:1. Der vierte Punkt im vierten Spiel ist kein Traumstart, im Vergleich zu den ersten Spielen ohne Saibene allerdings zumindest eine Steigerung. Doch soll die Karriere des roten Löwen bei den roten Teufeln auch kein Sprint, sondern vielmehr ein Marathon werden.

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Der Löwe unter den Teufeln
Zwei Spiele – zwei Niederlagen. Das war der Saisonstart der roten Teufel aus Kaiserslautern. Jeff Saibene
spricht im revue-Interview über den Mythos Betzenberg und die besondere Beziehung zwischen dem Pfälzer Traditionsklub und Luxemburg.

Innerhalb der letzten fünf Jahre hatte der 1. FCK zehn Trainer. Sie sind Nummer 11. Wieso haben Sie sich auf den Trainerposten in Kaiserslautern eingelassen?

    Kaiserslautern ist ein großer Name, der Klub hat eine lange Tradition. Dazu kommt das Interesse von den Leuten und der Presse. Das ist einfach das Vierfache von dem, was ich in Ingolstadt erlebt habe. Dann noch der Betzenberg, der ist einfach mächtig cool. Dass Trainer entlassen werden, ist normal. Auch ich werde irgendwann wieder entlassen werden, egal ob in zwei Monaten oder in zwei Jahren, deswegen beschäftige ich mich mit solchen Zahlen nicht. Dass Kaiserslautern viele Trainer hatte, ist okay, aber das gehört nun mal dazu.

Kaiserslautern und Luxemburg haben eine besondere Verbindung – spürt man sowas als Trainer?

    Ich habe ein paar Kollegen, die sehr oft hier sind. Aber in den zwei Wochen, in denen ich hier bin, habe ich noch nichts Spezielles bemerkt. Im Klub selbst wurde mir aber auch bereits das ein oder andere Mal mitgeteilt, dass viel Kontakt zwischen Luxemburg und dem 1. FC Kaiserslautern besteht.

Trotz vieler Fans, auch in Luxemburg, sind
die Ränge im Moment leer. Wie erleben Sie das?

    Beim Derby gegen Mannheim hatten wir ja 6.000 Zuschauer. Das ist erstmal gar nicht so schlecht, wenn man über einen längeren Zeitraum überhaupt keine hatte. Da hat man direkt das Gefühl, es wären viel mehr als 6.000. Die haben dann natürlich auch eine Bombenstimmung gemacht. Auf der anderen Seite weiß man, dass gerade beim Derby gegen Mannheim eigentlich 40.000 da gewesen wären. Das hätte ich auch richtig gerne erlebt. Aber am Ende habe ich lieber 6.000 als gar keine.

Konnten Sie trotz der wenigen Zuschauer
den Mythos Betzenberg schon kennenlernen?

    Ja, das merkt man direkt. Der 1. FC Kaiserslautern ist, egal in welcher Liga der Klub gerade ist, der ganze Stolz der Stadt. Es ist einfach ein Traditionsklub, da merkt man, wie verwurzelt die Fans sind, im Gegensatz zu neueren Klubs.

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Ihnen eilt nicht erst seit ihrer Rettung von Bielefeld der Ruf als Retter-Trainer voraus. Sehen sie sich selbst auch in dieser Rolle hier beim 1. FCK?

    Hier wurden jetzt erst zwei Spiele gespielt, deswegen ist dieser Ruf als „Feuerwehrmann“ unangebracht. Ich finde ich es auch gar nicht gut, wenn man nur als solcher abgestempelt wird. Immerhin konnte ich ja sowohl bei St. Gallen als auch in Bielefeld und Ingolstadt zeigen, dass ich eine Mannschaft auch langfristig unter die besten Fünf bringen kann. Natürlich habe ich mir einen Ruf damit gemacht, Vereine vor dem Abstieg zu retten, aber ich habe eben auch schon langfristig etwas aufgebaut.

Ist ein solcher Ruf eine Spielerei für die Medien, oder spielt das auf dem Trainermarkt eine tatsächliche Rolle?

    Nein, ich würde schon sagen, dass das eine Rolle spielt. Wenn die Saison dem Ende entgegengeht und die Vereine anfangen in Panik zu geraten, dann sucht man sich eher einen Trainer, der schon Erfahrung in diesem Milieu hat. Nur selten werden dann junge Trainer eingestellt. Es gibt schon einzelne Trainer, die diesen Ruf als Feuerwehrmann haben und in diesen Situationen eher zum Einsatz kommen.

Der Abstiegskampf kennt keine Traditions-
mannschaften. Wie wollen Sie dafür
sorgen, dass am Ende der Spielzeit zumindest
der Platz in der dritten Liga gesichert ist?

    Das ist in meinen Augen noch viel zu früh. Ich lüge nicht, wenn ich Ihnen sage, dass ich momentan nicht weiß, wer Erster und wer Letzter ist. Ich weiß noch nicht mal, auf welchem Platz wir genau stehen. Das interessiert mich aktuell einfach nicht. Wir haben jetzt drei Punkte aus drei Spielen geholt. Das ist okay, mehr nicht. Jetzt zu schauen, wo wir stehen, macht deswegen auch keinen Sinn. Wenn wir in Ruhe weiterarbeiten, dann können wir am Ende auf einem ordentlichen Platz stehen, davon bin ich überzeugt. Wo genau das sein wird, ist aktuell nur schwer zu sagen. Es geht derzeit alles so schnell. Ich bin erst seit zwei Wochen hier und habe schon drei Spiele gemacht.

Sie sind zum Ende der Transferphase
gekommen. Sind Sie trotzdem zufrieden mit
Ihrem Kader?

    Der Kader ist gut. Ich musste jetzt erstmal alle Spieler kennenlernen. Wir haben 25, 26 Spieler, das sind mir eigentlich fast ein paar zu viel. Auf der anderen Seite wird es aufgrund der aktuellen Situation viele englische Wochen geben und da kommt einem ein großer Kader natürlich zugute. Zum Ende des Transferfensters haben wir ja nochmal zwei Offensiv-Leute mit Redondo und Hanslik geholt, das war wichtig, wenn man bedenkt, dass der 1. FCK zum Ende der letzten Saison 50 bis 60 Scorerpunkte mit drei Spielern abgegeben hat. Das kompensiert man nicht mal einfach so.

Maurice Deville war der letzte – Werden wir
auch in naher Zukunft mal wieder einen roten Löwen im Dress der roten Teufel sehen?

    Wenn ich mir die Nationalmannschaft anschaue, dann spielen die meisten ja im Ausland. Das ist auch das Zeugnis einer unglaublichen Entwicklung in den vergangenen Jahren. Die Spieler sind alles in allem viel interessanter geworden, sodass man natürlich immer ein Auge darauf hat. Aber die richtig guten sind halt schon im Ausland und deswegen schwer zu bekommen.

Und was ist mit Olivier Thill, der hat aktuell
keinen Vertrag?

    Das habe ich gar nicht mitbekommen. Oli ist mit Sicherheit auch ein interessanter Spieler. Aber man muss auch immer schauen, was man braucht. Man kann nicht nur des Kaufens wegen kaufen. Unsere Kaderplanung ist bis in den Winter erstmal abgeschlossen.

Text & Interview: Daniel Baltes, Fotos: Michael Schmitt

Author: Dario Herold

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