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Der Paradiesvogel

Madame Yoko hat sich in Redingen ihr eigenes Paradies geschaffen, wo sie mit Livegesang, irren Kostümen und einer ordentlichen Portion Selbstironie ihrem Publikum ein schillerndes Spektakel bietet.

Ohne Scheu posiert sie für den Fotografen, auf dem Sessel im Louis XV-Stil, auf dem sie sich niedergelassen hat. Ein Hauch überspielt, aber immer mit einer gewissen Eleganz. Mit einem unnachahmlichen Schwung kreuzt sie die Beine und setzt ihre Hand unter ihr Kinn. Die blinzelnden Augen mit den sehr langen Wimperverlängerungen blicken gerade in die Kamera. Das Make-up sitzt, die Frisur auch. Die langen, schweren Diamantohrringe funkeln in der Lichtreflexion, während am Hals die unzähligen Perlenketten, die den fast kanariengelben Rock perfekt schmücken, ein leises Rascheln von sich geben. „Anderthalb Stunden habe ich gebraucht, um mich zurechtzumachen“, meint Madame Yoko, während sie in uns in ihren rosa Stöckelschuhen auf einen Rundgang durch ihr Reich einlädt. Das „Barnum“ ist ein beispielloses Lokal, das mit seiner singulären Deko über ein ganz eigenes Ambiente verfügt. Ein echtes Kuriositätenkabinett, in dem ein Auto und Koffer von der Decke hängen. Eindrucksvolle Lüster aus einer anderen Zeit beleuchten Kronen mit falschen Diamanten, Figuren von Betty Boop und andere Seltsamkeiten, wie eine alte Trockenhaube, die den Speisesaal schmückt. Doch der Ort, wo sich bis zu zweimal im Monat die Gäste auf eine Dinner-Show freuen, wo sich Livegesang und Parodie perfekt miteinander vermischen, befindet sich eine Etage höher, im Dachgeschoss. Eine Bühne, geschmückt mit aufgestöbertem Dekorationsmaterial, und eine lange, steile Showtreppe, die hinter die Kulissen führt.

PR1_8323-Kopie„Als ich das Gebäude und diese Treppe das erste Mal gesehen habe, war es wie ein Geistesblitz. Mir war sofort klar, aus diesem Ort kann ich etwas Wunderbares machen“, verrät Madame Yoko. Es herrscht ein Ambiente hier oben, das ein bisschen an die Cabaret Clubs Anfang der 30er Jahre erinnert. Hier auf dieser Bühne verwandelt sie sich in eine echte Showmasterin. „Ich habe sehr lange davon geträumt, auf einer Bühne vor einem Publikum zu singen.“ Angefangen hat alles vor sechs Jahren, in Brüssel. Erster Auftritt, erster Livegesang vor Zuhörerschaft. „Und so wurde Madame Yoko geboren“, meint sie lachend. „Nein, eigentlich hatte ich mich zuerst für Lady Sushi entschieden.“ Sie muss wiederum lachen. „Das ist natürlich totale Selbstironie. Ich nehme mich nicht so ernst. Madame Yoko klingt aber schlussendlich edler.“ Denn ja, Sie haben es längst verstanden, wenn Madame Yoko ihr Make-up, ihren Rock und ihre Perücke nach ihrem Auftritt ablegt, ist sie Ian, ein Mann. „Es ist Ian, der sich in diese exzentrische und humorvolle Diva-Sängerin verwandelt.“

Mir fällt das Singen viel leichter, wenn ich Perücke, Make-up und High Heels trage. Madame Yoko

Wenn die Scheinwerfer angehen und durch das Mikrofon die ersten Worte bekannter Hits von Weltstars wie Whitney Houston, Mariah Carey, Céline Dion, Lady Gaga, Helene Fische und sogar Mireille Mathieu ertönen, zeigt sich Madame Yoko in ihrer ganzen Maßlosigkeit. Hier ist kein Platz für Playback. „Ich bin eine Livesängerin“, betont sie. Nur Livegesang in hautengen Glitzerkleidern und anderen exzentrischen Modekreationen mit Gefieder, Pailletten und anderen bunten Auffälligkeiten, das Ganze mit frechem Humor gewürzt.

PR1_8300-KopieDer perfekte Mix. Madame Yoko lebt ihre Individualität in vollen Zügen aus und das Publikum ist begeistert. Langweilig wird bei diesem Auftritt garantiert keinem. Hier geht tatsächlich die Post ab, und es wird vor allem viel gelacht. Manchmal kommen auch internationale Stargäste aus der Branche, wie zum Beispiel Leona Winter, bekannt aus der französischen Variante von „The Voice“. „Mir fällt das Singen viel leichter, wenn ich Perücke, Make-up und High Heels trage, als wenn ich nur Ian bin“, verrät Madame Yoko. „Es fällt mir leichter, Emotionen auf der Bühne zu vermitteln, die natürlich meine sind, aber wie durch einen Filter gehen, weil das Singen ohne all diese Kunstgriffe für mich komplizierter ist.“

Es ist Ian, der sich in diese exzentrische und humorvolle Diva-Sängerin verwandelt. Madame Yoko

Ian sei immer sehr schüchtern gewesen und um dagegen anzukämpfen, habe er diese Figur erschaffen. Er habe immer davon geträumt zu singen, etwas auszudrücken. Das sei im leichter in der Rolle der Madame Yoko gefallen. Als Travestiekünstler oder Dragqueen sieht sich Madame Yoko nicht. Sie möchte sich nicht einer Kategorie zuordnen. Sie bezeichnet sich als Künstlerin. Nicht mehr und nicht weniger.

PR1_8194-KopieWenn der Vorhang fällt, steigt Madame Yoko ihre steile Showtreppe wieder bis hoch hinauf, hinter die Kulissen, dorthin, wo sie vor jedem Auftritt zum Leben erwacht und nach dem Livegesang den Platz wieder frei macht für Ian. Die selbst ausgestattete Loge steht voller Garderobenständer, auf denen fast kein Platz mehr für die unzähligen Kostüme ist. „Es sind so viele, dass ich nicht weiß, wie viele ich habe. 200 glaube ich. Ich kann jedenfalls nicht genug davon bekommen. Es gibt einige, die ich kaufe, und es gibt Kleider, die ich selbst mit meiner Nähmaschine herstelle. Ich habe mir viele Tutorials im Internet angesehen, die erklären, wie das funktioniert“, meint sie amüsiert. Eine ihrer beeindruckenden Kreationen ist ein Kostüm, inspiriert am Fleischkleid, das Lady Gaga bei einer Preisverleihung trug und deren Fotos damals um die ganze Welt gingen. Der runde goldene Schminkspiegel mit den Glühbirnen erinnert mich an die Hollywood-Komödie „Der Tod steht ihr gut“ in dem, zu Filmbeginn, Meryl Streep vor einem ähnlichen Spiegel singt, „Was könnte ich sein, was mehr als Glanz im Licht scheint? Ich träume vom Perfektsein.“ Perfektion hat auf jeden Fall seinen Preis, auch für eine Künstlerin wie Madame Yoko. „Kosmetikprodukte sind nicht geschenkt. Im Durchschnitt kosten die Make-up-Produkte mich 100 Euro im Monat. Nicht umsonst wird behauptet, dass ich ein Gesicht habe, das Gold wert ist“, meint sie lachend.

Text: Jérôme Beck // Fotos: Philippe Reuter

Mehr Informationen:
Barnum
61a Grand-Rue
8510 Redange
Tel. 26 62 13 33
www.barnum.lu

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Author: Philippe Reuter

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