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Der Vermittler

Seit Juni 2021 sorgt Tom Schmit als erster Ranger Luxemburgs dafür, dass die Benimmregeln am Obersauerstausee wahrgenommen werden. Zeit für eine Bilanz.

Herr Schmit, im vergangenen Sommer sind mit Sicherheit weitaus weniger Badegäste an den Oberstausee gekommen als in den Jahren zuvor. Haben Sie sich trotzdem nicht gelangweilt?
Keinen einzigen Tag. Es stimmt zwar, dass die Liegewiesen an nur sechs Tagen ausgebucht gewesen sind und lediglich rund 60.000 Tickets verkauft wurden (bei optimalen Wetterbedingungen kommen gewöhnlich 7.000 bis 8.000 Besucher pro Tag, Anm. d. R.), aber meine Arbeit als Ranger beschränkt sich ja nicht nur darauf, mich bei Sonnenschein unter die Ausflügler zu mischen und darauf zu achten, dass die vorgeschriebenen Verhaltensregeln eingehalten werden.

Sondern?
Ich bin auch eine Art Vermittler zwischen den Besuchern und dem Stauseemanagement des Naturparks. Ich sammle die Erfahrungen, die ich auf meinen Rundgängen mache, um sie anschließend weiterzuleiten und gegebenenfalls Ver- oder Nachbesserungen einzuleiten. Zudem nehme ich aktiv an Sensibilisierungskampagnen teil. Deren Themenbereiche sind übrigens sehr vielfältig: Wasser- und Naturschutz, Tourismus- und Kulturentwicklung, Ökologie… Wanderwege und die entsprechenden Beschilderungen müssen überprüft, Müll muss entsorgt werden. Obwohl meine Hauptaufgabe in den Sommermonaten darin besteht, das Geschehen an den Badestränden im Auge zu behalten, geht mein Job weit über das reine Beobachten und Kontrollieren vor Ort hinaus.

Vor der Covid-19-Pandemie kam es aufgrund des großen Besucherandrangs wiederholt zu problematischen Verkehrs- und Verhaltensverstößen. Ist damit jetzt Schluss?
Es gibt selbstverständlich nach wie vor Besucher, die sich nicht an die Benimmregeln halten. Zum Teil auch weil sie diese gar nicht kennen. Weshalb meine Rolle als „Informant“ derart wichtig ist. Dialog und Aufklärung sind für mich das A und O im Umgang mit den Gästen. Und obwohl ich in den vergangenen Monaten insgesamt 437 Mal mit Fehlverhalten konfrontiert gewesen bin, möchte ich an dieser Stelle betonen, dass die Reaktionen auf meine Präsenz und meine Arbeit durchaus positiv waren.

Dennoch musste mitunter die Polizei eingeschaltet werden?
Stimmt. Es gab und es wird wahrscheinlich weitere Situationen geben, in denen ich als Ranger überfordert bin. Wenn jemand seinen Hund zum Badestrand mitbringt, die Liegewiese kaum belegt und der Vierbeiner angeleint ist, kann ich mitunter ein Auge zudrücken. Wenn jedoch ein Besucher einen anderen tätlich angreift und die Lage außer Kontrolle zu geraten droht, muss die Polizei anrücken. Zumal es mir nicht
immer gelingt, Leute allein mit netten Worten zur Einsicht zu bringen. Um mit Konflikt- oder Bedrohungssituationen in Zukunft besser umgehen und gewaltfrei handeln zu können, habe ich vor kurzem ein Deeskalationstraining absolviert. Das hilft.

web_Conny-Koob-KopieWas sind eigentlich die häufigsten Fehlverhalten am Oberstausee?
Zu laute Musik, unerlaubte Feuerstellen, das Liegenlassen von Müll. Rauchen ist auf den Liegewiesen zwar erlaubt, die Zigarettenreste müssen jedoch entsorgt werden. Es darf nicht überall gebadet werden. Hunde sind verboten. Falsches Parken. Insgesamt stehen den Besuchern an sechs Strandabschnitten rund 2.500 Parkplätze zur Verfügung. Das müsste ausreichend sein, im Prinzip.

Im Prinzip dürften Sie in den kommenden Wintermonaten entspannen. Keine Badegäste, keine Grill-abende, keine Kontrollen.
Schön wär´s, aber zum Nichtstun werde ich voraussichtlich keine Zeit haben. Statt am Stau werde ich häufiger in den fünf Mitgliedsgemeinden des Naturparks Öewersauer (Baschleiden, Esch-Sauer, Stauseegemeinde, Winseler und Wiltz) unterwegs sein, um dort meiner Aufgabe als Ansprechpartner gerecht zu werden. Ich vermittle nicht nur zwischen Menschen, sondern auch zwischen Mensch und Natur. Landschafts-, Umwelt- und Wasserschutz finden schließlich nicht nur im Sommer statt. Darüber hinaus müssen Tätigkeitsberichte geschrieben werden. Die Aufklärungsarbeit geht weiter. Es wird bis zur nächsten Badesaison eine Menge zu erledigen sein. Minister Claude Turmes zitiert in diesem Zusammenhang gern Sepp Herberger, der die Fußballerweisheit „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!“ ins Trainerbewusstsein gebracht hat. Dasselbe gilt für mich und das Stauseemanagement.

Und Überstunden werden Sie wohl auch jede Menge abzufeiern haben?
(Lacht) Richtig.

Text: Gabrielle Seil // Fotos: Yannick Stirn, Conny Koob, Gabrielle Seil

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Benimmregeln

Folgende Regeln sind bei einem Besuch des Obersauernaturparks unbedingt einzuhalten:

Das Wegwerfen von Müll ist, wie im ganzen Land, auch am Stausee verboten. Ungeeignete Substanzen wie lösliche Schadstoffe oder auch Plastik führen zur Verunreinigung des Wassers. Wenn nach dem Picknick am See Abfall übrig bleibt, sollte dieser in den dafür vorgesehenen Müllcontainern entsorgt und wie an einigen Liegewiesen angeboten, richtig sortiert dem Recycling zugeführt werden. Sollte dies aufgrund von überfüllten Containern nicht möglich sein, muss der Abfall zuhause entsorgt oder recycelt werden.

Grillen ist nur an den dafür vorgesehenen Stellen erlaubt. Am Fuussefeld in Insenborn gibt es Gemeinschaftsgrills, die genutzt werden dürfen. Zudem gibt es in Insenborn und Lultzhausen mobile Imbissstände. Das „wilde“ Grillen und Feuer machen ist auf den Liegewiesen verboten. Hunde sind auf allen Liegewiesen rund um den Obersauerstausee verboten. Wildes Campen oder Zelten ist in ganz Luxemburg verboten. Das gilt auch für die Region des Obersauerstausees. Nächtelange Partys an den Liegewiesen führen nicht nur zur Unzufriedenheit bei den Anwohnern der umliegenden Dörfer, sondern auch zur Störung der nächtlichen Tierwelt.

www.naturpark-sure.lu

Author: Philippe Reuter

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