Bestimmendes Wochenthema war sicherlich das Zugunglück zwischen Bettemburg und Zoufftgen. Dabei ging es nicht nur um die Fakten, sondern vor allem um die schnelle Präsentation eines vermeintlich Schuldigen.
Die Chronik der Woche 08: Von wegen Wahrheit

Zugunglück – Präfaktische Berichterstattung
Am Dienstagmorgen kollidiert ein luxemburgischer Personenzug der CFL mit einem entgegenkommenden französischen Güterzug auf der Strecke nach Zoufftgen (s.a. Bild der Woche). Nicht weit von der Stelle, an der vor zehn Jahren ein anderer Zugunfall geschehen war, mit damals sechs Toten und vielen Verletzten. Beim aktuellen Unfall stirbt der Lokführer des CFL-Zuges, der Lokführer des Güterzuges überlebt verletzt, ebenso wie eine Zugbegleiterin. Weitere Personen waren den Meldungen zufolge nicht an Bord. Kurz nach dem Unfall wird klar, dass der luxemburgische Personenzug ein Haltesignal überfahren hat. Die Spekulationen in den sozialen und sonstigen Medien lassen nicht lange auf sich warten. Zwar steht bislang nicht fest, ob das Signal absichtlich überfahren wurde oder nicht und warum ein Warnsystem im Zug nicht eingeschaltet war, doch der Schuldige ist schnell gefunden. Namen und Fotos des luxemburgischen Lokführers werden veröffentlicht. Und angeblich weisen auch die neuesten Facebookeinträge des CFL-Beamten auf eine depressive Phase hin. Parallelen zum Suizid des deutschen Germanwings-Piloten, der vor knapp zwei Jahren ein ganzes Flugzeug mitsamt 149 weiteren Insassen in den französischen Alpen gezielt abstürzen ließ, werden gezogen. Persönlichkeitsrechte gibt es wohl nicht mehr, wenn es um Klicks geht. Auch in seriösen Medien. Das ist tragisch. Postfaktisch? Von wegen. Präfaktisch scheint es doch besser zu treffen!
Foto: Jean-Claude Ernst (Editpress)
Louis und Tessy – Schon geschieden
Ein paar Wochen ist es erst her, dass bekannt wurde, dass Prinz Louis und Prinzessin Tessy ihre zehnjährige Ehe beenden. Und schon sind sie geschieden! Im Eilverfahren, wegen „unangebrachten Verhaltens“ von Prinz Louis. So hieß es zumindest in Tessys Scheidungsgesuch. Was genau damit gemeint ist, kann sich jeder selbst ausdenken. Der Phantasie sind ja bekanntlich keine Grenzen gesetzt.
Foto: Jean-Claude Ernst (Editpress)

Zahl der Woche: 4,5
Prozent hat das Bruttoinlandsprodukt Luxemburgs 2016 zugelegt, es ist der höchste Zuwachs in der EU.
School Leaks – Rechtsstaatlichkeit
Nach dem Freispruch der vier Angeklagten im School-Leaks-Prozess äußern sich sowohl Familienministerin Cahen als auch Bildungsminister Meisch auf ihren Facebook-Seiten kritisch über das Urteil. Und werden prompt von der Justizvereinigung gerügt. Schließlich seien in einer Demokratie Legislative, Exekutive und Judikative voneinander getrennt und dürften sich nicht gegenseitig einmischen. Dass Politiker auf die Gewaltentrennung hingewiesen werden müssen, ist schon ein echtes Armutszeugnis. Die Staatsanwaltschaft zeigt indes den richtigen Weg in einem Rechtsstaat: Sie geht in Berufung.
Foto: Jean-Claude Ernst (Editpress)
Brexit – Es bleibt wie es wird
1.600 Arbeitsplätze seien in Luxemburg durch den Austritt von Großbritannien aus der EU in Gefahr, teilt das Statistikamt Statec mit, 600 Stellen allein im Finanzsektor. Aufgrund der erwarteten Einbußen auf dem Finanzmarkt ergeben sich diese Zahlen. Doch vom Brexit könne Luxemburg auch durchaus profitieren, heißt es weiter. Dann nämlich, wenn bestimmte Banken, die ihre Europäischen Sitz von London verlegen müssten, sich für das Großherzogtum entschieden. Erstmal müssen die Briten aber den Austritt durchziehen, das kann noch eine Weile dauern. Und dann wird man weitersehen.
Foto: RK by Baumeister (pixelio.de)


Ungewöhnlich – Elfjähriger Autofahrer
Ganze 120 Kilomter ist ein elfjähriger Junge aus Luxemburg mit dem Auto seines Vaters gefahren, bevor er im deutschen Landstuhl von der Polizei angehalten wurde. Nicht, ohne sich vorher eine filmreife Verfolgungsjagd mit selbiger zu liefern. Wie gemeldet wurde, hatte sich der Junge zuvor mit seinem Vater gestritten und daraufhin an seinem luxemburgischen Wohnort ins Auto gestiegen. Wieso der Elfjährige so gut Auto fahren kann, wurde nicht überliefert. Verletzt wurde bei der Aktion niemand.
Foto: Editpress-Archiv
Zitat der Woche
„Wir haben keinen Platz mehr, die Foyers sind jetzt schon voll.“ Familien- und Integrationsministerin Corinne Cahen (DP) zur Situation der Flüchtlingsheime am 17. Februar im Luxemburger Wort
Kunstraub – Graffiti mitgenommen
Normalerweise werden Graffiti auf Hauswände oder Brücken gesprüht, wo sie vor Diebstählen recht sicher sind. Es sei denn, das Werk stammt vom britischen Künstler Banksy, für ihn lassen Kunsträuber auch schon mal eine ganze Wand verschwinden. Der luxemburgische Graffiti-Künstler Sumo scheint aber auch begehrt zu sein. Eine seiner Arbeiten ziert eine Holzplatte. Diese wurde für das Abdecken des Schaufensters einer ehemaligen Tierhandlung in der hauptstädtischen rue Genestre verwendet. Bis jemand sie mitnahm. Die Polizei sucht den Dieb.
Foto: Police Grand-Ducale
Grippevirus – Mehr Todesfälle
40 Todesfälle mehr als die durchschnittlichen 80 gab es im Januar jede Woche. Grund ist die erhöhte Anzahl an Grippe-Infizierten in dieser Saison. Allerdings ist die Grippe meist nichtdie direkte Todesursache. In der Regel bestehen Vorerkrankungen, die durch die Grippe-Infektionen verschlimmert werden.
Eingeweiht – Fahrrad-Waschanlage
Düdelingen ist um eine Attraktion reicher: die erste automatische Waschanlage für Mountainbikes. Schluss also mit dem nervigen Abspritzen des Zweirades auf der eigenen Auffahrt, das Mountainbike kann nach getanem Sport auf matschigem Untergrund sauber wieder im PKW verladen werden. Dafür tummeln sich fortan alle Mountainbikefreaks in der Gegend rund um Düdelingen. Aber wer weiß? Vielleicht folgen andere Gemeinden dem Beispiel. Kostenpunkt: 10.000 Euro.
Foto: Tania Feller (Editpress)




