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Die Chronik der Woche Nr. 09: Que Sera, Sera

Der Sekt ist aus! Bei der Luxair, bei der ABLV – und in Schrassig sowieso. Auch die OGBL stößt nur zögerlich mit dem Sozialminister an. Das Orchester Tram und Wind stimmt sich hingegen sachte auf luxemburgische Zukunftsmusik ein.

Fotos: Jean-Claude Ernst, Didier Sylvestre (alle Editpress), Kurt F. Dominik, Rainer Sturm, Petra Bork, Bettina F., Uwe Wagschal (pixelio.de)

Windkraftanlagen – Job für Windgott Aiolos

Sudwand SA sieht den Bau von insgesamt neun Windkraftanlagen, verteilt auf die Gemeinden Sassenheim, Monnerich, Roeser, Dippach und Reckange/Mess, vor. Die Investitionen für eine solche Anlage belaufen sich auf rund 5,5 Millionen Euro. Die Produktionskapazität der geplanten Anlagen beträgt 3.000 Kilowatt, was ausreicht um ungefähr 1.400 Haushalte mit Energie zu versorgen. Ein Zukunftsprojekt: Nur, wenn alle Studien und Genehmigungsprozeduren laufen wie erhofft, beginnen 2020 die Arbeiten. Laurent Winkin, Direktionsrat bei SEO, spricht dabei allerdings von einer Wunschvorstellung. Es sei zu erwarten, dass die Inbetriebnahme länger auf sich warten lässt.

Pflegeversicherung – OGBL gibt Senf dazu

Zwar blieb die OGBL in puncto Pflegeversicherungsreform bisher ruhig, doch forderte sie nun klare Nachbesserungen seitens der Regierung. Sie hob dabei vor allem die individuellen Leistungen für Personen mit Behinderung oder Demenz hervor. Die „activités d’appui à l’indépendance“ wurden um zehn bis 15 Prozent gekürzt. Des Weiteren müsse man stärker gegen Schwarzarbeit vorgehen. Sozialminister Schneider und die Gewerkschaft sind sich zudem einig, dass in den kommenden drei Jahren eine Beschäftigungsgarantie für das Pflegepersonal gelten und bei den Betrieben finanzielle Transparenz geschafft werden muss. Die Verbesserungsvorschläge der OGBL nimmt Schneider jedoch nicht als solche an: Für ihn muss das Gesetz nicht geändert, sondern richtig interpretiert werden.

Zahl der Woche: 14

Milliarden Euro fehlen der EU nach dem Brexit jährlich bei ihrer Finanzplanung. Eine Summe, die spätestens 2021 ausbleibt, wenn Großbritannien seine Beiträge planmäßig einstellt.

CSWSF reagiert – Lettisches Waschprogramm

Die luxemburgische Finanzaufsichtsbehörde (CSSF) reagierte letzte Woche auf den Aufruf der EZB, der sich primär an die lettische Bankenaufsicht richtete: Sämtliche Zahlungen der in Verruf geratenen lettischen ABLV-Bank wurden untersagt. Die drittgrößte Bank Lettlands, die seit 2012 hierzulande eine Tochtergesellschaft führt, steht unter Verdacht Geldwäscherei zu ihrem Geschäftsmodell gemacht zu haben und dubiose Briefkastenfirmen, aber auch intransparente Jurisdiktionen, zu decken. Der ABLV-Chef Bernie weist die Vorwürfe zurück, während der Zentralbankchef Lettlands zufälligerweise festgenommen wird – wegen schweren Korruptionsvorwürfen. Am Samstag wurde überdies bekannt, dass die ABLV-Luxemburg insolvent ist. Für die Kunden tritt in dem Fall ein Fonds de garantie des dépôts ein, der die Auszahlung von maximal 100.000 Euro garantiert.

OMBUDSPERSON – Stimme für die Jüngsten

Während sich das aktuelle Ombuds-Komitee für Kinder- und Jugendrechte gegen die Inhaftierung von Jugendlichen in Schrassig stark macht, wird gleichzeitig über den Posten einer Ombudsperson diskutiert, die das bestehende Komitee ablösen soll. Ziel ist es, einen konkreten Fürsprecher zu ernennen, der bei jedem Gesetzesentwurf und großherzoglichem Reglement zu Rate gezogen wird und unabhängig von der Regierung agiert. Die Ombudsperson wäre der Kammer zugehörig. Der Entwurf sieht eine einmalige, achtjährige Mandatsdauer vor.

Erste Bilanz – TOP ODER FLOP?

Top: Die erste Bilanz zur Tram ist positiv. Die Verantwortlichen rechneten mit 8.400 Nutzern täglich – tatsächlich sind es 17.000. Hinzu kommen 6.000 Passagiere, die die Tram zwischen der Haltestelle Pafendall und Kierchbierg nutzen. Die guten Nachrichten beziehen sich aber nicht nur auf die rege Nutzung des neuen Transportmittels: Die Streckenarbeiten zwischen der Rout Bréck und der Stäreplaz sollen im Juni abgeschlossen werden. Vor den Sommerferien will man
die Arbeiten zwischen der Stäreplaz und der Place de Paris in Angriff nehmen. 2020 darf man auf Fahrten zwischen der Stäreplaz und dem Hauptbahnhof hoffen. Die Arbeiten werden „von Fassade zu Fassade“ durchgeführt, so Bürgermeisterin Lydie Polfer. Leitungen für Gas und Wasser werden ebenfalls erneuert. Sie selbst ist von den Fortschritten begeistert und kündigt eine Phase an, in der die Straßenbahn ihren Platz in der Innenstadt finden wird.

Zitat der Woche

„Et sinn och Leit, déi sech wéi an engerBull Watt fillen. Si gesinn hiert Liewe virun hinnen defiléieren, mä et concernéiert si net méi.“ – Patrizia Thiry (Association pour la santé au travail du secteur financier) über Burn-Out, am 20. Februar auf 100,7.

LYCEE VAUBAN – Aufgemotzt

Nach den Grundschülern im September, ziehen nun die Großen nach! Der neue Campus des Lycée Vauban in Gasperich ist bezugsfertig und mit digitalen Systemen, wie Tablets und 1.200 Computern, bereit für wissenshungrige Jugendliche. Hinzu kommen mehrere Sporthallen, ein Amphitheater sowie ein kleines Café und eine Mensa. Der Staat kam für einen Teil der Kosten auf. Noch sind nicht alle Arbeiten abgeschlossen, denn man möchte die Bedürfnisse der Schüler einbeziehen, die sich erst in der Praxis offenbaren.

Polizei verhindert Sprit-raub – Netter Versuch

Die Polizei erwischte am Freitagabend einen Autofahrer bei seinem dreisten Versuch Treibstoff zu stehlen. Ihr fielen abgeklebte Erkennungstafeln an einer Escher Tankstelle auf, woraufhin deren Besitzer seine böswilligen Absichten gleich gestand. Die Rechnung wurde per Kreditkarte beglichen. Das Klebeband musste er – oh Wunder – abnehmen. Recht milde Folgen eines versuchten Raubes.

Passagier vor Gericht – Ueber den Wolken

…ist die Freiheit nicht grenzenlos. Ein 81-Jähriger muss sich derzeit vor Gericht verantworten, weil er 2014 auf einem Luxair-Flug nach Rimmini randalierte. Zwei Flugbegleiterinnen wurden dabei verletzt. Eine sogar so schwer, dass sie an der Hand operiert werden musste und sechs Wochen arbeitsunfähig war. Grund für die Attacke waren ein fehlendes Glas Crémant zum Mittagessen und die Anweisung, sich bei der Landung anzuschnallen. Hierzu musste er mit einen Restraint-Kit gezwungen werden. Der Angreifer zeigte sich bereits beim Boarding nervös und war auf Krawall gebürstet. Ein Anwalt als Nebenkläger fordert nun rund 40.000 Euro Schadensersatz für die Mitarbeiterinnen und die Fluggesellschaft. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragt eine neunmonatige Haftstrafe und eine Geldbuße. Warum genau der Mann so heftig reagierte, ist nicht bekannt.

Author: alommel

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