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Die Wohlfühloase

Über den Dächern des Stadtviertels Bonneweg befindet sich ein kleines gemütliches Teehaus, wo westliche und japanische Kultur sich begegnen. Ein Konzept inspiriert vom japanischen Teeritual und seiner tausendjährigen Tradition.

Es herrscht Ruhe, eine überraschende Stille. Fast ist sie erschreckend. Der Umschwung vom Straßenlärm auf diese entspannte Atmosphäre ist heftig und total unerwartet. Über den Dächern von Bonneweg blühen, erstaunlicherweise, halbwüchsige Apfelbäume und andere grüne Pflanzen auf drei kleinen Terrassen, die mit Holz verkleidet sind und von kleinen Mauern aus roten Ziegeln umzingelt sind. Neben der Wendeltreppe, die in dieses sonnengebadete Reich führt, befindet sich ein Container. Wie der bloß hier gelandet ist, frage ich mich. Überraschend ist es eigentlich nicht. Diese Ruheoase befindet sich auf dem Dach des „Graace Hotel“. Eine architektonische Rarität, die das Resultat der grenzenlosen Fantasie und des Knowhow von Besitzer Steve Krack ist. Früher befand sich hier eine Schlosserei. Das kann der Besucher dieser Wohlfühloase sich heute wahrscheinlich gar nicht mehr richtig vorstellen, obwohl sie industrielle Merkmale behalten hat. So auch dieser Container auf dem Dach, in dem sich ein Teehaus befindet, wie ich bisher noch keines besucht habe. Ein Schritt über die Türschwelle und Sie vergessen, dass Sie einen Blechkasten betreten. Die Innenwände wurden mit Lehm verputzt, das verpasst dem kleinen Raum, dessen Bodenbelag mit Holz ausgelegt wurde, sofort ein warmes, bequemes Ambiente. Es herrscht Ruhe und Harmonie inmitten dieser Einfachheit. Die Einrichtung ist eher schlicht, mit einem großen Holztisch, ein paar Stühlen und an der Wand hängen diese typisch japanischen Regale.

PR1_1994-Kopie„Hier tauchst du regelrecht in eine andere Welt ein“, meint Pit Romersa, der Inhaber des Popup-Shop „Mizu“. „In Japan gibt es solche Orte sehr viel. Du kannst zu jedem Zeitpunkt aus dem Tumult der Stadt in kleine Teegärten flüchten, die sich zwischen den Häusern verstecken und wo absolute Ruhe herrscht.“

Auch hier liegt der Fokus auf diesem fast unnachahmlichen Mix aus Geborgenheit und japanischer Teetradition. Wie ein roter Faden, der den Gast dazu verführt den Augenblick einfach nur zu genießen. Mehr nicht! Die Seele baumeln lassen, dem Stress des Alltags für einen Augenblick den Rücken kehren. Die japanische Kultur hat Pit schon immer interessiert, auch wenn er zugibt, nie mit dem Gedanken gespielt zu haben, eine japanische Teestube zu öffnen.

Die Temperatur des Wassers hat einen sehr großen Einfluss auf den Geschmack. Pit Romersa

„Ich habe viel japanische Rockmusik gehört“, meint er amüsiert. Auch der Hollywoodklassiker „Lost in Translation“ von Sofia Coppola, mit Bill Muray und Scarlett Johansson, habe ihn sehr beeindruckt, verrät der begeisterte Unternehmer. „Vor etwa zwei Jahren habe ich mich ganz alleine als Backpacker auf den Weg durch das Land der aufgehenden Sonne gemacht. Japan zu entdecken, war schon immer ein Traum gewesen. Das war eine unvergessliche Entdeckungsreise.“

PR1_2051-KopieIn keinem Land wird so viel Tee getrunken wie in Japan und mittlerweile ist der japanische Grüntee in unseren Gegenden zum Trend geworden. Doch was hat es auf sich mit dem weltbekannten Matcha und anderen Varianten wie Sencha oder Kukicha, die im „Mizu“, unter anderem, angeboten werden? Die Auswahl des Tees ist das Resultat einer engen Zusammenarbeit zwischen Sohn und Vater. Marc Romersa wird uns mit Sicherheit aufklären können. Sein Lieblingstee ist dementsprechend auch der japanische Tee. Der Name des 65-Jährigen ist Ihnen vielleicht nicht unbekannt. Marc Romersa ist 1976 bei den Olympischen Spielen in Montreal als Hochspringer für Luxemburg an den Start gegangen. Heute bringt er seinen Kunden in seinem Laden „Tea and More“ in Düdelingen die Teekultur bei.

„Der japanische Tee ist bei weitem der gesündeste Tee, den es gibt“, behauptet Marc. „Die gesunden Wirkstoffe gehen bei der Zubereitung nicht verloren. Die Teeblätter werden nicht, wie bei der Produktion von chinesischem Tee, geräuchert um den Oxidationsprozess zu stoppen, sondern mit Wasserdampf erhitzt, damit der Tee schön frisch bleibt. Diesen Vorgang nennt man auf Japanisch Tencha.“

So entsteht auch der Matchatee, der seit einigen Jahren in aller Munde ist. Als Trendgetränk oder Powertee angepriesen, liest und hört man so viel über das angebliche Wunderpulver, dass es fast unmöglich wird, sich eine Meinung zu bilden.

Hier tauchst du regelrecht in eine andere Welt ein. Pit Romersa, der Inhaber des „Mizu Tea House and Coffee“

„Japanischer Matchatee gibt Energie und wirkt beruhigend zugleich“, verrät Marc. „Wenn du Matcha trinkst, trinkst du quasi das gesamte Teeblatt, dementsprechend also auch alle gesunden Inhaltsstoffe der Teepflanze. Der Rest ist pures Marketing!“

Marc Romersa und seinen Sohn Pit legen großen Wert auf Qualität. Um ihren Kunden hochqualitativen Bio-Grüntee anbieten zu können, arbeiten Sie mit Teebauern aus Kirishima zusammen. Die Gegend am Fuße des Kirishima-Gebirges ist bekannt für ihre Teefelder und bietet ideale Bedingungen um hochwertige Bio-Teepflanzen anzubauen. „Es handelt sich um Familienbetriebe, die über das nötige Knowhow verfügen, um hochwertigen Tee zu produzieren“, betont Marc. „Auch wenn die Tendenz nach oben steigt, ist Luxemburg kein Land des Tees“, weiß Marc. „Trotzdem sind die Konsumenten auf der Suche nach Qualität und dementsprechend wird der japanische Tee immer beliebter.“

Wie wird denn nun nach der Tencha-Ernte dieses grüne Matchapulver hergestellt, von dem alle schwärmen?

„Die Teeblätter werden getrocknet. Die Stängel und die kleinen Adern in den Blättern werden entfernt“, erklärt der Teekenner aus Düdelingen. „Was übrig bleibt, wird in einer Steinmühle gemahlen.“

PR2_5126-KopieHinter seinem Tresen bereitet Pit uns einen Matchatee vor, ganz auf die traditionelle Art und Weise, auch wenn es sich nicht um eine echte japanische Teezeremonie handelt, denn deren Ablauf würde zu viel Zeit in Anspruch nehmen. „Mit dem Chashaku, eine Art Bambuslöffel, gebe ich das Matchapulver in eine Teeschale, die von den Japanern als Chawan bezeichnet wird. Mit heißem Wasser aufgießen. Den Matcha nun mit dem Bambusbesen, genannt Chasen, schaumig schlagen. Beim japanischen Tee sollte man sich immer an die Vorbereitungsanweisungen halten. Die Temperatur des Wassers hat einen sehr großen Einfluss auf den Geschmack. Da sollte man schon vorsichtig sein, wenn man den Umami-Geschmack wahrnehmen möchte“, erklärt Pit Romersa. Den was? Umami? Was ist denn das? „Es handelt sich um den fünften Geschmackseindruck, den unsere Zunge wahrnehmen kann“, verrät Marc. Süß, sauer, salzig, bitter… und Umami. Doch wie schmeckt denn Umami? „Das ist schwer zu beschreiben“, meint Marc. „Es ist ein eher würziger und herzhafter Nachgeschmack. Der Beweis, dass der Tee ausgesprochen gut ist.“

Text: Jérôme Beck // Fotos: Philippe Reuter

Mehr Informationen:

Mizu
Tea House and Coffee

10, rue Sigismond
L-2537 Luxembourg
www.mizu.lu
Schon gewusst? Mizu bedeutet auf Japanisch Wasser.

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Author: Philippe Reuter

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