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Digitale Spione

Tracking ist fester Bestandteil des Internets, und alle Bewegungen – egal ob besuchte Webseiten, gekaufte Produkte oder genutzte
Apps – hinterlassen ihre Spuren, die gesammelt und ausgewertet werden. Ziel dieses Nutzungsverhaltens ist in der Regel: zielgruppenspezifische Werbung.

Stellen Sie sich vor, Sie tauchen in eine dunkle Welt ein, in der Sie auf Schritt und Tritt verfolgt werden und Spione alles zu ihrem Verhalten sammeln, archivieren und womöglich ihre Informationen weiterverkaufen. Eigentlich eine Art Horror-Szenario, doch im Internet, das die meisten von uns täglich nutzen, eine durchaus gängige Praxis. Verständlich, dass bei dieser Thematik Datenschützer mehr als nur hellhörig werden, weil das Sammeln von sensiblen und persönlichen Informationen kein Kinkerlitzchen ist. Auf der anderen Seite jubilieren Website-Besitzer und Marketeer, denn die Daten-Sätze sind vor allem in Bezug auf „Target advertising“ richtig wertvoll, weil sie es ermöglichen detaillierte Nutzerprofile zu erstellen. Das alles ist längst bekannt und auch, dass das nicht unproblematisch ist.
Web-Tracking ist breit gefächert, neben der IP-Adresse können auch andere Sachen über Tracking-Technologien erfasst werden, wie etwa die besuchten Internetseiten, die Verweildauer auf den Unterseiten, angeklickte Links und Buttons, der verwendete Browser, Maus- und Augenbewegungen sowie die Information, welche Webseite auf die aktuelle Seite verwiesen hat. Die Methoden, um diese Informationen zu erfassen, sind mannigfaltig. Cookies sind dabei eine der gängigsten und bekanntesten Tracking-Techniken. Diese winzigen Codeausschnitte, welche im eignen Browser abgespeichert werden, können in zwei Hauptkategorien unterteilt werden: Neben den sogenannten „Session Cookies“ (welche nach Schließen des Browsers automatisch wieder gelöscht werden) gibt es auch noch „Persistent Cookies“ (die über Monate hinweg oder noch länger abgespeichert bleiben). Ein Hauptproblem: Diese Cookies können unterschiedlicher Natur sein.

 

Chrome ist weltweit der beliebteste Browser mit einem Marktanteil von weit über 60 Prozent.

Die sogenannten „First Party Cookies“ (Erstanbieter-Cookies), welche im Wesentlichen eigentlich relativ harmlos sind, weil sie vor allem als Ziel haben, das Surfen komfortabler zu gestalten, indem unterschiedliche Informationen automatisch gespeichert werden. Etwa die bevorzugte Spracheinstellung oder individuelle Einstellungen für eine bestimmte Webseite. „Third Party Cookies” können den Internet-User über mehrere Webseiten, also domainübergreifend, hinweg verfolgen und dienen dazu, die Präferenzen und Interessen einer Person über einen längeren Zeitraum zu observieren. Dadurch sind sie die fast perfekte Technik, um zum Beispiel gezielte Werbung im Browser zu schalten. Ein ganz konkretes Beispiel für diese Art von Cookies dürfte schon jedem Nutzer untergekommen sein. Wenn Sie sich zum Beispiel jetzt in verschiedenen Online-Shops nach einer Übergangsjacke erkunden (weil ja, wir wissen es alle, im Mai ist es früh morgens und am Abend doch noch etwas kühl) und ihnen dann später auf einer anderen Seite Werbung für eben diese Jacken angezeigt wird, dann ist dies nicht der brandneue Zaubertrick von David Copperfield, sondern dem Einsatz von „Third Party Cookies” zu verdanken.
Es dürfte also keinen verwundern, dass die Beliebtheit dieser Art von Cookies bei Internetnutzern und Datenschützern gleichermaßen niedrig ist. Zahlreiche Browser (Firefox oder Apples Safari zum Beispiel) blockieren diese deshalb auch standardmäßig. Eigentlich wollte auch Google seinem Chrome noch in diesem Jahr eine ähnliche Blockade einpflegen, doch der Internetgigant ist schon wieder ein Stückchen zurückgerudert, schließlich rollt der Rubel mit Internetwerbung gerade richtig. Ab Ende 2023 sollen dann aber auch in Chrome Cookies von Drittanbietern unterbunden werden.

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Eine Entscheidung, die Marketingagenturen und Internetanbieter vor eine neue Herausforderung stellt, schließlich ist aktuell Chrome weltweit der beliebteste Browser mit einem Marktanteil von weit über 60 Prozent und deshalb in Sachen „Target advertising” das ganz große Ding. Datenschützer dürften aufatmen, denn in ihren Augen ist diese Art des Trackings schon lange nicht anonym genug. Auch deshalb wurde der Einsatz von „Third Party Cookies” bereits stark durch den Europäischen Gerichtshof reguliert. Laut der aktuell geltenden Rechtsprechung müssen Cookies einzeln aus- beziehungsweise abwählbar sein. Dem „Third Party Cookie”-Einsatz kann also bereits jetzt ausdrücklich widersprochen werden. Ein weiteres Problem bei Cookies: Sie können unter Umständen vertrauliche Daten enthalten und durch Programmierfehler – entweder im Browser selbst, vor allem aber bei sogenannten Add-ons für den Browser – können Dritte möglicherweise an diese Daten kommen.
Ein anderes Web-Tracking-Tool ist das sogenannte „Browser Fingerprinting”. Ziel dieses Verfahrens ist es, auf Basis von gesammelten Informationen über die Konfiguration von Endgeräten (beispielsweise die Version des Betriebssystems, der benutzte Browser, die Einstellung des Browsers) einen persönlichen, digitalen Fingerabdruck des Nutzers zu erstellen. Hierbei werden (im Gegensatz zu Cookies) sowohl auf Soft- als auch Hardware-Merkmale des verwendeten Geräts zurückgegriffen und in der Regel beim Surfen auf einer Seite automatisch an den Server der besuchten Seite übertragen. Hierbei werden deutlich mehr Daten abgefragt als bei Cookies. Dementsprechend schwierig ist es, die Erstellung zu blockieren. Vor allem weil es eine Art informatisches Wettrüsten zwischen Programmierern von Browser-Erweiterungen und denjenigen, die das Fingerprinting-Verfahren, vorantreibt.
Weitere Methoden des Trackings sind die IP-Adressen, das E-Mail-Tracking und das App-Tracking. Die IP-Adresse ermöglicht es dabei, Standortdaten (die Stadt in der man wohnt, nicht die exakte Adresse) eines Nutzers zu ermitteln. Beim E-Mail-Tracking kann ein Versender kontrollieren, welcher Empfänger eine Mail geöffnet hat und wo. Zum Beispiel nutzen Newsletter-Versender diese Methode, um ihre Empfängerlisten zu verschiedenen Themen zu optimieren. Das App-Tracking analysiert das Verhalten der Nutzer innerhalb einer App und zahlreiche Apps fragen bereits bei der Installation, ob sie auf Daten wie beispielsweise den Standort zurückgreifen dürfen. Oft fließen diese Informationen dann auf den Server des App-Programmierers.
Alles in allem haben alle Tracking-Methoden das Ziel, individuelle Nutzerprofile zu erstellen, egal ob um Webseiten zu optimieren, eine bessere Surf-Erfahrung zu generieren oder zum Schalten von gezielter Werbung. Das alleine ist kein riesiges Problem, allerdings spielt das Thema Datenschutz eine wichtige Rolle. Die Gesetzgebung regelt hier zwar stark. Dennoch kann jeder Internetnutzer unterschiedliche Maßnahmen (Einstellung im Browser oder Surfen im Privat-Modus) ergreifen, um das Tracking zu reduzieren. Es gilt wie immer: Vorsicht ist besser als Nachsicht.

 

Fotos: Creativeart (Freepik), Gerd Altmann (Pixabay)

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

Author: Dario Herold