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Edito: Alle gleich

Die Diskussion, rund um die Umquartierung der Flüchtlinge aus der Halle 7 der LuxExpo aufgrund der Organisation einer Hundeshow an besagtem Ort am letzten Wochenende, hat bekanntlich für einiges an Diskussionen und für eine Portion Unverständnis gesorgt. Dabei hatte die LuxExpo schon bei der Einquartierung klargemacht, dass die Unterbringung dort nur eine befristete Lösung sein könne, weil besagte Halle fest ins Tagesgeschäft eingeplant gewesen war und ist. Ob man nicht für die „Dog Show“ eine andere Lösung hätte andenken können, steht auf einem anderen Zettel. Fakt ist: Luxemburg tut sich schwer, langfristige oder dauerhafte Unterkünfte für Flüchtlinge zu finden.

Noch erstaunlicher: Nach Ausbruch des Ukraine-Krieges brach eine große Solidaritätswelle in Europa und auch in Luxemburg aus. Unkomplizierte, rasche Hilfe schien auf einmal tatsächlich Realität zu sein. Viele Gemeinden und Privatpersonen haben nämlich schnell – und völlig untypisch für Luxemburg – auch noch fast unbürokratisch Unterkünfte und Wohnungen bereitgestellt. Im Zuge der Flüchtlingswelle 2016 schien dies kaum vorstellbar. Damals kam es vielerorts zu Unmutsäußerungen über geplante Flüchtlingsunterkünfte. Unter anderem in der Gemeinde Steinfort kam es zu heftigen Protesten und einer größeren Gegenwehr zu einem geplanten Containerdorf für 300 Asylbewerber.

Ein Flüchtling ist ein Flüchtling, egal vor welchem Konflikt er flieht.

Und hier ist der springende Punkt: Ein Flüchtling ist ein Flüchtling, egal vor welchem Konflikt er flieht oder aus welchem Grund er sein Heimatland (egal ob Jemen, Somalia, Afghanistan oder eben die Ukraine) verlassen muss. Auch Luxemburg muss aufpassen, dass sich nicht kurz- und mittelfristig eine Zweiklassengesellschaft bei Flüchtlingen fest etabliert. Die Gefahr ist nämlich durchaus gegeben, denn Geflüchtete aus der Ukraine haben aufgrund einer EU-Richtlinie mehr Rechte als Flüchtlinge aus anderen Kriegsgebieten. Die EU-Massenzustrom-Richtlinie ermöglicht Ukraine-Flüchtlingen direkt ein befristetes Aufenthaltsrecht, ohne dass sie ein langwieriges Asylverfahren durchlaufen müssen.

Ein großes Risiko besteht aktuell darin, dass die Lage und Situation von Geflüchteten aus anderen Ländern in Vergessenheit geraten könnte. Hier sind mehrheitlich die staatlichen Institutionen gefordert. Und die Hilfe muss längerfristig, besser und effektiver koordiniert werden. Vor allem, weil mittlerweile fast jedem klar werden müsste, dass die aktuelle Flüchtlingswelle mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht die letzte sein wird, mit der sich in Westeuropa auseinandergesetzt werden muss. Zum Beispiel wird damit gerechnet, dass aufgrund des Klimawandels bis 2050 über 140 Millionen Klimaflüchtlinge geben könnte, weil ihre Existenz in einem solchen Ausmaß bedroht ist, dass sie keinen anderen Ausweg oder andere Perspektive sehen, als ihr Heimatland zu verlassen. Und jedem dürfte hoffentlich einleuchten, dass es völlig egal ist, ob jemand vor russischen Bomben und Kriegsterror flüchtet oder weil er seiner Existenzgrundlage beraubt wurde. Es wäre also Zeit entsprechend
zu handeln.

Text: Hubert Morang // Foto: Vincent Lescaut

Author: Philippe Reuter

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