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Edito: Alles neu?

Es ist noch ein ganzes Stückchen bis zu den Parlamentswahlen im kommenden Oktober und dennoch ist klar und deutlich zu merken: Das wahltechnische Säbelrasseln wird zusehends lauter. Besonders die größte Oppositionspartei – die CSV – scharrt jetzt schon mächtig mit den Hufen und wartet scheinbar, ganz ähnlich wie ein hyperaktives, adrenalingeladenes Rennpferd, nur noch darauf, dass der Startschuss auf der „Wahl-Galopprennbahn“ endlich fällt.

Um fit für den Urnengang zu sein und vor allem moderner und frischer zu wirken, hat man mittels einer Werbeklitsche das angestammte orange-farbene Logo über Bord geworfen und sich ein mehrfarbiges Logo angeeignet. Das alles, um zu versuchen, sich beim Wähler als „neue CSV“ anzubiedern. Das Hauptproblem dieses krampfhaft angestrebten Imagewechsels: So viel ist gar nicht neu bei den Rechtskonservativen. Und wie der französische Volksmund zu sagen pflegt: „L’habit ne fait pas le moine“. Ein neues Logo reicht bei weitem nicht aus. Es ist nämlich kaum anzunehmen, dass die Wähler im kommenden Oktober alleine wegen des neuen Scheines sich plötzlich massiv der Oppositionspartei
zuwenden werden.

Dieses Dilemma könnte sich als Fluch und Segen zugleich entpuppen.

Zwar hat man es nach der Ära Frank Engel und der anhängenden „Frëndeskrees“-Saga mittlerweile mit Jockey Wiseler an den Zügeln geschafft, den wild galoppierenden Gaul wieder zu zähmen, allerdings blieb die Mannschaft im CSV-Stall (vor allem mit dem Blick auf die Abgeordneten-Mandate) in den vergangenen Jahren fast unverändert. Die Fraktion wird von einer Riege an altgedienten Politikern und Politikerinnen angeführt, die sich gefühlt bereits seit zwei Ewigkeiten auf den unterschiedlichsten Posten als Mandatsträger der CSV tummeln. Von Viviane Reding bis Michel Wolter, von Octavie Modert bis Laurent Mosar… Alles Namen, bei denen einem nicht unbedingt als erstes das Adjektiv „neu“
in den Sinn kommt.

Dieses Dilemma könnte sich als Fluch und Segen zugleich entpuppen. Denn will man beim Wähler punkten, muss man wohl oder übel – und das zeigen Wahlgänge in Luxemburg mit der Beharrlichkeit einer perfekt tickenden Schweizer Uhr – auf bekannte Köpfe setzen, gleichzeitig wäre es marketingtechnisch sicherlich nicht der cleverste Schachzug, sich als „neu“ beim Wähler anzubiedern und dann mit den „usual suspects“ als Zugpferd in die
Wahlmanege zu ziehen.

Man darf demnach durchaus gespannt sein, wie die CSV dieses Problem angehen will und vor allem, mit welchem(n) Spitzenkandidat(en) im kommenden Jahr um die Gunst der Wählerschaft gebuhlt werden soll – und welche Gesichter auf den Wahllisten am Ende auftauchen werden, um das „Neu“ dann auch in der Realität Wahrheit
werden zu lassen.

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

Author: Dario Herold