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Edito: Auf der letzten Geraden

In gut zwei Wochen wird in Amerika der 46. Präsident der Vereinigten Staaten gewählt. Ob am Ende des Urnengangs Donald Trump für weitere vier Jahre das Zepter schwingen kann oder ob sein demokratischer Widersacher Joe Biden am 20. Januar des nächsten Jahres vereidigt wird, bleibt abzuwarten. Die aktuellen Umfragen in den USA sehen Biden immer stärker in der Favoritenrolle. Was momentan für Biden spricht, ist die Tatsache, dass er in den wahlentscheidenden „Swing States“ in den Umfragen vor Trump liegt. Sogar in Texas, traditionelle Hochburg der Republikaner, könnte diesmal der Kandidat der „Donkeys“ das Rennen machen.

Natürlich sollte man – wie die letzte Wahl im Jahr 2016 und die Umfragewerte von Hillary Clinton bewiesen haben – Vorsicht walten lassen, wenn es um die Bewertung von Umfragen geht. Allerdings steht fest, sollte Biden am Ende tatsächlich in größeren „Swing States“ (wie etwa Florida) die Nase vorn haben, dürfte ihm rein rechnerisch der Sieg nicht mehr zu nehmen sein und der ehemalige Vizepräsident unter Barack Obama würde für vier Jahre die Geschicke der USA leiten. Vorausgesetzt, das 538 starke Wahlmännerkollegium, eine der Besonderheiten des amerikanischen Wahlsystems, hält sich an den Auftrag des Wählers.

Ganz altruistisch ist Trumps Kritik nicht.

Die Zeichen für Trump stehen momentan denkbar schlecht und seine martialische Selbstinszenierung als starker Mann nach überstandener Corona-Infektion entpuppte sich als marketingtechnische Seifenblase, die schnell geplatzt ist und mutierte quasi zum Wahlgeschenk an die Demokraten, denn nach der Post-Corona-Show legte Biden in den Umfragewerten noch einmal zu. Es bleibt abzuwarten, welche Register Donald Trump in der verbleibenden Zeit ziehen wird. Denn kampflos werden die Republikaner nicht zusehen, wie Biden ihnen in den Umfragewerten davon läuft.

Selbst nach der Wahl und im Fall wo Biden gewonnen hätte, könnte Trump sich noch versuchen, an seinen Posten zu klammern. Er wiederholt zum Beispiel seit Monaten Mantra-artig, dass er an der Rechtmäßigkeit der Briefwahl zweifele, weil diese Wahlbetrug im Großen ermögliche. Dafür gibt es zwar keine Beweise, aber Trump befeuert die Kritik trotzdem, vor allem weil laut Daten der Universität von Kalifornien in Los Angeles 48 Prozent der Wähler seines Rivalen Joe Biden per Post abstimmen wollen. Trumps Anhänger aber nur zu 23 Prozent. Ganz altruistisch ist Trumps Kritik also nicht.
So oder so, die Wahl und ihr Ausgang bergen auf jeden Fall jede Menge soziale Sprengkraft. Innerhalb Amerikas, aber auch auf weltpolitischer Bühne. Bleibt abzuwarten, wie Amerika wählen wird und wie lange es dauert, bis das endgültige Wahlergebnis feststeht. Wie die Wahl zwischen George W. Bush und Al Gore im Jahr 2000 gezeigt hat, kann das Nachzählen etwas längere Zeit in Anspruch nehmen.

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

Author: Philippe Reuter

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