(Foto: Isabella Finzi/editpress)
Mit 151 statt 90 km/h in Niederanven an einer Verkehrskontrolle vorbei oder eine Verfolgungsjagd mit 160 km/h durch Beles sind nur zwei rezente Beispielen aus dem Polizeibericht, die zeigen, wie zwei Hobby-Hamiltons es nicht allzu genau mit der Geschwindigkeitsbegrenzung nahmen und mit rechtem Bleifuß ungehemmt dem Markus-Neue-Deutsche-Welle-Motto „Ich will Spaß, ich geb Gas, ich geb Gas“ frönten. Neben der trivialen Tatsache, dass der Lappen in beiden Fällen für einen gewissen Zeitraum den Besitzern fehlen wird, gibt es den Spaß in diesen Fällen nicht für lau.
Ebenfalls zur Kasse gebeten wurden 168.345 Autofahrer, die zwischen dem 16. März und dem 16. September – sprich: in den ersten sechs Monaten seit Einführung der Radare – von den fixen und mobilen Radargeräten geblitzt wurden. Davon maßen alleine die fixen Radare 150.198 Geschwindigkeitsübertretungen. Diese Zahlen gehen aus einer Antwort von Transportminister François Bausch auf eine parlamentarische Anfrage der CSV-Abgeordneten Diane Adehm und Gilles Roth hervor.
Luxemburg als Volk der Raser und Möchtegern-Sennas? Die nackten Zahlen könnten dies vermuten lassen, doch richtig interessant wird es, wenn man versucht, genauer zu analysieren. Dies erweist sich zwar als recht schwierig, denn François Bausch hat sehr wohl eine Liste mit den fixen Radargeräten, welche am meisten auslösten, aufgestellt, schweigt sich allerdings -– hoffentlich nicht wohlweislich -– über die genaue Zahl der gemessenen Überschreitungen pro Fixgerät aus.
Die Orte, an denen die fixen Geräte aufgestellt sind, sind kein Staatsgeheimnis.
Fakt ist, dass im Durchschnitt über 810 Fahrer am Tag erfasst wurden. Eigentlich ziemlich erstaunlich, denn die Orte, wo die fixen Geräte aufgestellt sind, sind kein Staatsgeheimnis. Bei der Größe Luxemburgs dürften selbst Geografie-Dyslexiker die 20 Orte kennen, wo die unnachgiebigen Tempowächter stoisch ihren Dienst verrichten.
Es ist also bei der Mehrheit der Temposünder ziemlich sicher kein Unwissen über die Präsenz eines Radars. Dafür spricht auch, dass, wie Bausch in seiner Antwort schreibt, die große Mehrheit der Vergehen weniger als 20 km/h über dem Limit liegen. Leider verpasst es der Transportminister auch hier, die genaue Zahl anzugeben.
Die Vermutung, dass es sich bei einer Mehrheit der Geblitzten nicht um richtige Raser handelt, drängt sich umso mehr auf, wenn man Bauschs Radar-Hitliste in Betracht zieht. Die Geräte am Ende der A4 in Merl und der auf der Ettelbrücker Umgehungsstraße bei Schieren führen die Liste nach sechs Monaten an. Beide Geräte messen knapp nach dem Beginn einer 70er-Zone, und dementsprechend schlägt hier die geringste Unachtsamkeit auch auf Grund der eng bemessenen Toleranzgrenze ins Portemonnaie.
Am 12. April – also rund einen Monat nach Inbetriebnahme – hatte das „Spitzengerät“ in Merl bereits 10.453 Mal zugeschlagen. Selbst wenn man davon ausgeht, dass sich die Zahl in den fünf Folgemonaten verringert hat, dürften wahrscheinlich weit über 35.000, wahrscheinlich aber eher mehr als 40.000 Vergehen in Merl erfasst worden sein. Ein Grund für Bauschs karge Antwort? Schließlich ist es an besagter Stelle nicht wirklich gefährlich, und in den Spitzenstunden herrscht in der Regel Stau, oder die Blechlawine schiebt sich nicht annähernd mit 70 km/h vorwärts.
Es mag durchaus sein, dass sich, wie François Bausch sagt, durch die Einführung der Radare der Verkehr insgesamt beruhigt hat. Ob sie auch helfen, die Zahl der Verletzten und Verkehrstoten zu senken, wird sich zeigen. Angesichts mancher Radarstandorte beschleicht einen doch hin und wieder das Gefühl, dass es nicht exklusiv darum geht.



