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Edito: Die Frage der Effizienz

Der Zyklus aus Öffnungen und Schließung von Kulturbetrieben, Fitnessstudios oder verschiedenen Geschäften ist im Zuge der Pandemie zu einem Bestandteil unseres Alltags geworden. Masken, Desinfektionsmittel und PCR-Tests „bereichern“ weiterhin unser Leben. Selbst die starken Eingriffe in das Privatleben der Einwohner mit Kontaktbeschränkungen und einer noch immer andauernden Ausgangssperre scheinen Zeichen der neuen „Normalität“ zu sein.

Im Interview mit dem Luxemburger Wort erklärte Premierminister Xavier Bettel letzte Woche, dass im Vergleich zu vielen anderen Ländern die Menschen in Luxemburg dennoch recht viele Freiheiten hätten und verteidigt erneut vehement die mehr als umstrittene Ausgangssperre. „Die Ausgangssperre trägt dazu bei, die Pandemie einzudämmen, es gibt Studien, die dies belegen“, wird Bettel vom Wort zitiert.

Die Regierung muss sich bewusst sein, dass sie nicht ewig an der Ausgangssperre festhalten kann.

Dass eine Ausgangssperre einen gewissen Effekt auf die Infektionszahlen hat, ist nicht zu leugnen. Wissenschaftler der Universität Oxford erforschten, dass eine Ausgangssperre zu einem Rückgang von rund 13 Prozent bei der Verbreitung führen könnte, effektiver seien allerdings strenge Kontaktbeschränkungen. Eine Studie der Pariser Universität Sorbonne kommt zu einem ähnlichen Resultat. Auch Mobilitätsforscher der Technischen Universität und des Zuse-Institutes in Berlin hauen mit einer Simulation von Ende Januar in die gleiche Kerbe und kommen zu dem Ergebnis, dass eine Ausgangssperre zu einer Halbierung der Infektionen im Freizeitbereich führen würde. Allerdings – denn auch im Kampf gegen die Pandemie ist karikaturartiges Schwarz-Weiß-Denken nicht angebracht – relativieren sie das Ergebnis, indem sie erklären, dass die Bevölkerung sich mittelfristig zu anderen Zeiten treffen und besuchen würden. Also eine Art Umschiffen des staatlichen Eingriffes in die eigenen Freiheiten. Das klingt durchaus plausibel.

Wenn Xavier Bettel also die Ausgangssperre als effizientes Mittel anpreist, dann muss die Regierung sich dennoch bewusst sein, dass man nicht ewig an dieser festhalten kann, ganz einfach, weil die Maßnahme droht, ineffizient zu werden und das Ganze eine Art Boomerang-Effekt nach sich zieht mit nicht gewollten Folgen. Denn die Gefahr, dass mittelfristig illegale Partys in Parks und Wäldern eher zunehmen werden, egal ob am helllichten Tag oder in der Nacht, scheint durchaus zu bestehen.

Die Regierung täte vielleicht gut daran – auch weil momentan die Corona-Zahlen hierzulande eine gewisse Stabilität aufzeigen – , bei den Diskussionen über die Maßnahmen, welche nach dem 15. Mai gelten sollen, sich Gedanken über die Ausgangssperre und zeitgleich über die Öffnungszeiten im Horeca-Bereich zu machen. Es scheint nämlich nicht ganz unrealistisch, dass, wie die Horesca behauptet, gerade in Restaurants und Cafés strengere Regeln in Sachen Kontaktbeschränkung befolgt werden, als beim nächtlichen Beerpong spielen auf der „Kinnekswiss“.

Foto: Tania Feller

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

Author: Philippe Reuter

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