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Edito: Druck nimmt zu

Seit dem Ausbruch der Pandemie im vergangenen März waren die PCR-Tests zu einer Allzweckwaffe der Regierung geworden, wenn es darum ging, das Infektionsgeschehen hierzulande einschätzen zu können. Zwar wurden unter anderem auch noch Abwasseranalysen durchgeführt und sich auf die Intensivbettenbelegung konzentriert, doch jeder Einwohner hatte in den letzten rund 15 Monaten wohl regelmäßig die Gelegenheit, sich gratis testen zu lassen.

Wie aussagekräftig diese Tests in Wirklichkeit sind, darüber streiten sich Forscher nach wie vor. Anfang des Sommers hat ein Artikel eines Forschungsteams der Universität Duisburg Essen, der sich mit einer Studie von 160.000 PCR-Getesteten aus dem vergangenen Jahr befasst, für Aufsehen gesorgt. Die Hauptschlussfolgerung: Ein positiver PCR-Test allein reicht als Beweis nicht aus, dass Getestete das Corona-Virus auf Mitmenschen auch übertragen können, denn asymptomatische Personen, die positiv getestet wurden, seien mit hoher Wahrscheinlichkeit weniger infektiös. Der Autor des Artikels Andreas Stang, Direktor des Instituts für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie des Universitätsklinikums Essen, warnt die Politik auch deshalb vor dem alleinigen Faktor PCR-Test: „Die errechnete Zahl von Sars-CoV-2-positiv Getesteten sollte nicht als Grundlage für Pandemiebekämpfungsmaßnahmen wie Quarantäne, Isolation oder Lockdown benutzt werden.“ Verlässlicher sei eben die Zahl der Belegung der Intensivbetten und die Mortalität, so der Autor.

Die Regierung will den Druck auf nicht geimpfte Personen erhöhen.

Diese kritische Begutachtung der Tests wird aber sicherlich nicht dazu geführt haben, dass die Regierung hierzulande mit dem neuen Covid-Gesetz jetzt den gratis PCR-Tests den Stecker gezogen hat, die Motivation ist nämlich eine ganz andere und daraus macht Premierminister Xavier Bettel keinen Hehl. Die Regierung will den Druck auf nicht geimpfte Personen erhöhen. Schließlich wird ein kostenpflichtiger PCR-Test jeweils mit rund 60 Euro zu Buche schlagen. Ob dies der richtige Weg ist, überzeugte Impfskeptiker zu motivieren, sich doch impfen zu lassen, wird sich zeigen. Zu befürchten ist viel eher eine Art Trotzreaktion und dies ganz unabhängig der Tatsachen, dass das Impfen heute einfacher ist als je zuvor und dass mittlerweile jeder die freie Wahl des Impfstoffes hat.

Dass mittlerweile die Personen, die aufgrund einer Covid-Infektion auf der Intensivstation landen, in der Regel nicht geimpft sind, müsste eigentlich als Argument ausreichen, um selbst den größten Skeptiker zu überzeugen. Denn auch wenn mittlerweile rund Dreiviertel der Bevölkerung mindestens einmal geimpft sind, stagniert die Impfbereitschaft. Was dies für den Herbst und eine sich anbahnende vierte Welle bedeutet, bleibt abzuwarten. Fakt ist, der Riss, der durch die Gesellschaft geht, wird nicht dadurch gekittet, dass man die Impfverweigerer jetzt unter Druck setzt.

Text: Hubert Morang

Author: Philippe Reuter

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