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Edito: Dunkle Wolken

Sommer, Sonne, Urlaub… eigentlich der beste Augenblick des Jahres, um eine gute Zeit zu verbringen, die Füße hochzulegen, einfach abzuschalten und den stressigen Alltag zu vergessen. Doch auch wenn wir diesen Sommer unbeschwert genießen können, so dürfte jedem klar sein, dass im Herbst potenzielle dunkle Wolken dieses Sorglos-Gefühl allzu abrupt beenden könnten.

Als erstes – und da braucht man nur an den Herbst der jeweils zwei vergangenen Jahre zu denken – könnte natürlich die Pandemie dafür sorgen, dass wir in ein Stimmungstief driften. Zwar ist es im Moment sogar für Experten nicht möglich zu prognostizieren, wie sich das Virus und damit die pandemische Lage entwickeln wird. Vor allem hängt es davon ab, welche Variante am Anfang des Herbstes dominant sein wird und welche Krankheitsschwere diese mit sich bringt. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir im nächsten halben Jahr an manchen Orten wieder eine Maske tragen müssen, scheint nicht gering, aber an dieses Szenario haben sich nach über zwei Jahren die meisten Menschen gewöhnt. Die Regierung dürfte – vor allem aus wahlkampftechnischer Sicht – hoffen, dass man ohne das Einführen einer Impfpflicht durch die kühle Jahreszeit kommt.

Ungemütlicher könnte der Winter werden, wenn eine imminente Energieknappheit auftritt.

Ungemütlicher könnte der Winter werden, wenn eine imminente Energieknappheit auftritt. Zwar sagen sich viele europäische Länder von russischem Gas los, doch das Beispiel NordStream1 illustrierte musterhaft, wie groß die Abhängigkeit nach wie vor ist. In politischen Sonntagsreden klingt es sehr viel einfacher, auf russisches Gas zu verzichten, als es in der Realität tatsächlich ist. Und sollen massive Probleme für Industrie und Haushalte im Winter 22/23 ausbleiben, wird man in Westeuropa wohl kaum um Putins Gas herumkommen.

Diese Abhängigkeit drückt sich natürlich in den Energiepreisen aus, die unter anderem auch für das Anheizen der aktuell hohen Inflation mitverantwortlich ist. Die Frage, die im Raum steht: Wie lange bleibt diese noch hoch? Glaubt man dem Marktexperten Michael, der 2007 die amerikanische Immobilienkrise kommen sah und dessen Geschichte im Film „The Big Short“ erzählt wird, ist kurzfristig nicht mit einer Entspannung der Lage zu rechnen. Blurry zeigt sich nämlich ziemlich pessimistisch und befürchtet, dass im kommenden Jahr China einen Konflikt mit Taiwan in die Wege leiten und dass der Ukrainekrieg sich auf Litauen und damit auf die Europäische Union ausweiten könnte. Zwar sind dies nur Hypothesen, sollten diese allerdings eintreffen, dann braucht man kein Hellseher zu sein, um sich auszumalen, was dies für die Preise von Alltagsprodukten und Energien bedeuten würde.

Aber genug der Schwarzmalerei, denn wie sagt der Volksmund? „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt!”. Bleibt zu hoffen, dass die übelsten Prognosen nicht Realität werden.

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

Author: Dario Herold