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Edito: Es gibt viel zu tun

Als vor rund einem Jahr die CoronaPandemie über die Welt hereinbrach, die weltweite Wirtschaft plötzlich ausgebremst wurde und der Alltag in vielen Ländern dank Lockdowns fast zum vollständigen Stillstand kam, fanden viele Menschen die Zeit (wenn auch notgedrungen), sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren. Unter anderem Kochen, Backen, Gärtnern, Fahrradfahren und Wandern standen für viele auf der Tagesordnung. Die wohltuende Entschleunigung inbegriffen.

Hartgesottene Optimisten glaubten tatsächlich daran, dass aus dieser Krise wichtige Schlüsse gezogen werden könnten, wie etwa umweltfreundlicher Konsum und ein gesteigertes Bewusstsein für einen nachhaltigen Lebenswandel. Doch die Hoffnung, dass ein „Weiter so“ nach dem ersten Lockdown immer noch passé sei, schmolz wie Schnee in der Sonne. Spätestens als hierzulande Fastfood-Jünger Staus vor den Driveins der Systemgastronomieketten provozierten, dürfte jedem klar geworden sein, dass ein Mentalitätswechsel ein bisschen mehr braucht als eine globale
Pandemie. Leider.

Nichtsdestotrotz war der „Earth Overshoot Day“ letztes Jahr „erst“ am 22. August, mehr als drei Wochen später als 2019. Ein denkbar geringer Trost, der aber eindeutig zeigt, dass es möglich ist, den Ressourcenverbrauch kurzfristig zu drosseln. Aber das reicht beileibe nicht aus. Man braucht sich nur vor Augen zu führen, dass im Jahr 2006, als „Global Footprint Network“ erstmals auf die Problematik aufmerksam machte, der „Overshoot Day“ noch im Oktober lag.

Hartgesottenen Optimisten glaubten tatsächlich daran, dass aus dieser Krise wichtige Schlüsse gezogen werden könnten.

Ein generelles Umdenken muss her, vor allem auch in Luxemburg. Hierzulande lag der „Overshoot Day“ in den letzten Jahren immer Mitte Februar. Dieses Jahr stellt keine Ausnahme dar. Die Organistation „Global Footprint Network“ rechnete vor, dass man acht Planeten bräuchte, würde die ganze Menschheit denselben Lebensstyl frönen, wie die Menschen hierzulande. In diese Berechnung fließen der CO2-Ausstoß, sowie auch der Verbrauch von Holz, Boden und tierischen Produkten ein.

Nach Angaben der OvershootOrganisation sind vor allem die CO2-Emissionen der Menschheit das größte Problem. Rund 60 Prozent des ökologischen Fußabdruckes der Menschheit sind darauf zurückzuführen. Würde die Menschheit es schaffen, den CO2-Ausstoß um die Hälfte zu reduzieren, könnte der Erdüberlastungstag wieder nach hinten verlegt werden, und zwar um rund drei Monate.

Damit wäre die Welt nicht gerettet, allerdings ein Schritt in die richtige Richtung getan. Und wahrscheinlich bringt es der Microsoft-Mitgründer Bill Gates mit seiner Analyse auf den Punkt. Gates hat letzte Woche erklärt, dass im Vergleich zur Überwindung des Klimawandels das Bewältigen der Coronavirus-Pandemie eine eher leichte Aufgabe sei. Um den Klimawandel abzuwehren, bedürfe es mehr als nur Elektroautos, grüner Treibstoff fürs Fliegen und künstliches Fleisch. Es gibt also noch jede Menge zu tun und mutige politische Entscheidungen sind wichtiger
denn je.

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

Author: Philippe Reuter

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