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Edito: Jetzt oder nie

Seit Ende März ist das Pandemie-Geschehen in Luxemburg rückläufig. Die Infektionszahlen sinken stetig, und die Zahl der Personen, welche sich aufgrund einer Corona-Infektion im Krankenhaus befinden, ist ebenfalls alles andere als besorgniserregend. Rund 400 positive Fälle gibt es aktuell durchschnittlich in Luxemburg pro Tag zu verzeichnen. Anfang des Jahres sah dies noch anders aus, und die Diskussion rund um eine Impfpflicht erhitzte die Gemüter.

Vor allem Corona-Skeptiker und andere Querdenker ließen im Internet ihren Gedanken zum Thema Impfung freien Lauf. Eine Fehlinformation jagte die nächste, und ein Hasskommentar übertraf den vorherigen. Klar ist auch, dass der ein oder andere Verfasser seine Wortwahl mittlerweile bereuen dürfte, schließlich mussten sich schon mehrere Kommentarschreiber in letzter Zeit vor Gericht verantworten. Dass mit dem Abflauen der Corona-Pandemie jetzt einige zu vermeintlichen Experten im Ukraine-Konflikt mutiert sind, zeigt eindeutig, dass diese Menschen vor allem von der eigenen Unzufriedenheit getrieben sind.

Die Corona-Pandemie ist aktuell kaum in den Köpfen der Menschen präsent.

Viel wichtiger allerdings als der nicht enden wollende Nörgel-Schwall des Internetmobs ist die Frage, wann und wie die Regierung mit der eigentlich angedachten Impfpflicht in die Offensive gehen wird. Bereits am 19. Januar hatte es im Parlament eine Diskussion über eine Impfpflicht für Menschen über 50 Jahren und Menschen, die in Pflegeberufen arbeiten, gegeben. Der Gesetzestext zur Impfpflicht ist allerdings noch immer nicht deponiert, auch weil das fünfköpfige Expertengremium ihre Stellungnahme bezüglich der angedachten Impfpflicht noch nicht fertiggestellt hat, wie Dr. Gérard Schockmel dem Tageblatt letzte Woche verriet. Anfang dieses Monats soll es so weit sein.

Es ist einleuchtend, dass – wenn die Regierung weiter an der Idee einer Impfpflicht festhalten will – die Zeit so langsam drängt. Schließlich ergibt die Idee einer Impfpflicht nur Sinn, wenn sie durchgesetzt ist, bevor eventuell eine nächste Corona-Welle ins Rollen kommt. Sowohl im Jahr 2020 als auch im letzten Jahr jeweils im Laufe des Monats Oktober hatte diese an Fahrt aufgenommen. Sollte es zum Einführen einer Pflicht kommen, wäre es demnach mehr als sinnvoll, das Gesetz bis Anfang September in Kraft zu setzen, vor allem wenn die Regierung will, dass diese ihre volle Kraft in Bezug auf den gesundheitlichen Schutz der Bevölkerung entfalten soll.

Die Krux liegt auf der Hand: Die Corona-Pandemie ist aktuell kaum in den Köpfen der Menschen präsent, und die Schwierigkeit der Regierung besteht darin, vorausschauend zu handeln und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Bleibt zu hoffen, dass hier die nötigen Schlüsse aus den zwei letzten Pandemie-Wintern gezogen wurden, ansonsten begeht die Regierung politischen Selbstmord und das schon vor dem Urnengang im Oktober kommenden Jahres.

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

Author: Dario Herold