In Frankreich wurde das Sommerloch mit einer Debatte rund um den Burkini und dessen Verbot gefüllt. Die Regierung, wie auch die Bevölkerung, ist in dieser Thematik tief gespalten, so dass man getrost davon ausgehen kann, dass selbst nachdem der Staatsrat am vergangenen Freitag mit seiner Entscheidung das Burkini-Verbot zu annullieren, einen juristischen Strich unter die Polemik gesetzt hat, der Ganzkörperbadeanzug weiterhin thematisiert werden wird.
Ein anderes religiöses Thema hielt in Luxemburg her, um in der sommerlichen Sauregurkenzeit die Aktualität wenigstens halbwegs interessant zu gestalten: die Kirchenfabriken. Wenn die Pläne der Regierung Realität werden, dann sind diese 2017 Geschichte. Alle Besitztümer der katholischen Kirche sollen ab nächstem Jahr in einen Fonds überführt und von der Kirche in Eigenregie verwaltet werden.
Nachdem Innenminister Dan Kersch den gesetzlichen Vorentwurf für den geplanten Kirchenfonds Anfang August präsentiert hat, blies die katholische Kavallerie zur Attacke. Allen voran das Syndikat der Kirchenfabriken. Das SYFEL wettert in markigen Pressemitteilungen gegen den Gesetzesentwurf, schoss scharf gegen Innenminister Kersch und schreckte sogar nicht vor Kritik gegenüber dem Erzbistum zurück.
Das SYFEL ist krampfhaft bemüht seine Position zu verteidigen.
Dass das Dekret aus dem Jahr 1809 über die Kirchenfabriken, welches aktuell noch immer gültig ist, überarbeitet und den aktuellen Begebenheiten angepasst werden muss, dürfte jedem einleuchten. Schließlich hat in den etwas mehr als zwei Jahrhunderten die Relevanz der katholischen Kirche ständig abgenommen, die von der Regierung angedachte Trennung von Kirche(n) und Staat ist längst hinfällig und näher an der gesellschaftlichen Realität dran, als ein Kirchenvertreter es wohl wahr haben will.
Doch das SYFEL sträubt sich vehement gegen Veränderungen und fühlt sich mehr als nur auf den Schlips getreten. Rückendeckung – die es für die SYFEL-Position nicht mal vom Erzbistum gab – bekommt das Kirchensyndikat von der CSV. Die größte Oppositionspartei wetterte ebenfalls gegen Kerschs Vorgehensweise und kritisierte den Vorschlag, dass zukünftig Gemeinden nicht länger Kirchengebäude kofinanzieren können.
Doch bei genauerem Hinsehen erwecken die Empörungschreie über die konsequente Vorgehensweise der Regierung, egal ob es die vom SYFEL oder die der CSV sind, vor allem eins: eine unbegründete Angst vor Modernisierung einer altertümlichen Begebenheit. Dabei hat sich die Regierung – als zu Beginn des Jahres 2015 die neuen Verhältnisse zu den Religionsgemeinschaften ausgearbeitet wurden – um einen fairen Umgang und eine faire Regelung bemüht.
Selbst wenn die Klagelieder und Publicityarbeit einiger Akteure aus dem Umfeld der katholischen Kirche den Anschein erwecken wollen, dass die Regierung radikal vorgehen würde, so ist dem beileibe nicht so. Das Abschaffen der Kirchenfabriken ist dabei ein logischer Schritt und kein überhasteter Aktionismus, wie einige meinen.



