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edito: Kommunikative Kakofonie

Die Affäre rund um die „Hôpitaux Robert Schuman“ (HRS) hat eindrucksvoll untermauert, dass es in Krisenzeiten ein gewagtes Unterfangen ist, in einer überstürzt einberufenen Pressekonferenz zu versuchen, den aufflackernden Skandal zu minimieren, ohne dabei wirklich klar Schiff zu machen. Der Versuch bei der besagten Konferenz die Kuh vom Eis zu holen, ohne dabei alle Fakten auf den Tisch zu legen, wirkte nämlich reichlich ungelenk.

Das Bild, das die HRS in den vergangenen Wochen in der Öffentlichkeit abgegeben haben, ist dementsprechend desaströs. Das Hin und Her zwischen dem Verwaltungsrat und dem mittlerweile beurlaubten Direktor Claude Schummer um die Impfung, den vermeintlichen Versuch, eine Privatimpfkampagne aus dem Boden zu stampfen und Briefe mit Vorwürfen gegen die Verantwortlichen der HRS tun ihr übriges zum Imageschaden dazu. Auf jeden Fall bietet die Causa HRS genug Fakten, damit ein mittelmäßig begabter Hollywood-Drehbuchautor daraus einen halbwegs unterhaltsamen 90-Minuten-Film zusammenzimmern könnte.

Hollywood-reifen Stoff aus der Rubrik Schmierentheater bietet seit geraumer Zeit auch die größte Oppositions-partei CSV.

Hollywoodreifen Stoff aus der Rubrik Schmierentheater bietet seit geraumer Zeit auch die größte Oppositionspartei CSV. Letzte Woche kam ein weiteres Kapitel dazu. Der aktuelle Parteipräsident Frank Engel wurde von dreizehn Parteimitgliedern (darunter sechs CSV-Abgeordneten) bei der Staatsanwaltschaft gemeldet. Die Vorwürfe von „faux“, „usage de faux“ und eines „emploi fictif“ im Zusammenhang mit einem Arbeitsvertrag, den Frank Engel bei der asbl „CSV Frëndeskrees“ hatte, stehen im Raum. Fraktionspräsidentin Martine Hansen sagte RTL Radio gegenüber, Engel habe die Partei in eine unmögliche Situation gebracht. Der Parteipräsident konterte an gleicher Stelle und untermauerte, er habe sich nichts vorzuwerfen, hing dennoch sein Amt frühzeitig an den Nagel.

Dieser auf öffentlicher Bühne ausgetragene Konflikt zeigte eindeutig, dass die Partei tief gespalten ist und dass es konkrete Bestrebungen gab, den für seine markigen Worte bekannten Engel frühzeitig auszubooten und ihn für eine zweite Mandatszeit auszuschalten. Das Problem der CSV: Bisher hat noch keiner den Mut gehabt, das Strippenziehen im Hintergrund ad acta zu legen und sich selbst als Kandidat und damit als möglichen zukünftigen Präsidenten ins Rennen zu begeben. Die Liste der potenziellen halbwegs prominenten Kandidaten scheint nicht riesig zu sein und man darf durchaus gespannt sein, wer in den nächsten Wochen den Finger hebt, wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen. Eines sollte die CSV dabei nicht aus den Augen verlieren: Der Startschuss ins „Superwahljahr 2023“ fällt in rund 21 Monaten. Es bleibt zwar noch etwas Zeit sich selbst zu finden, aber ewig langes Rumeiern ist nicht mehr angesagt.

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

Author: Dario Herold

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