Manchmal mutet es vielleicht nach Haarspalterei an, wenn jemand versucht, unterschiedliche Sachen in ein und denselben Kontext zu bringen. Aber es gibt zum Beispiel durchaus seriöse Analysen, die sich mit dem Gebrauch von Emojis beschäftigen. In Deutschland etwa hat das spendenfinanzierte Recherchezentrum „Correctiv“ bei einer mehrmonatigen Analyse von 4.500 Social-Media-Accounts herausgefunden, dass verschiedene Emojis besonders gerne von Usern aus dem rechtsextremen Lager genutzt werden. So wird der Vampir-Emoji etwa gezielt als Code eingesetzt. „Dieser gilt als antisemitischer Stereotyp und wird dementsprechend auch auf Instagram von Rechten und Rechtsextremen genutzt“, schreibt „Correctiv“ auf seiner Internetseite.
Man muss kein Sherlock Holmes sein, um herauszufinden, dass es hierzulande unter vielen (rechtsextremen) Internettrollen quasi eine Art Zeitvertreib ist, Artikel oder Reportagen von Medien mit einem Lachsmiley (soll die Verachtung gegenüber des Inhaltes ausdrücken) zu kommentieren. Wie immer sind es in Luxemburg nur eine Handvoll Tastaturhelden, und diese sind somit auch schnell entlarvt. In der Pandemie hat sich allerdings gezeigt, dass diese Art der simplistischen Kommunikation (denn auch Emojis sind nichts anderes) durchaus auf fruchtbaren Boden fällt. Donald Trump hat zum Beispiel mit seiner – betiteln wir sie einfach mal als eigenwillig – Art über das Coronavirus zu informieren, nachhaltig bei einigen seiner Anhänger für Impfskepsis gesorgt.
Politiker sollten sich bewusster werden, welchen Schaden sie mit Worten anrichten können.
Auch, wenn es vielleicht im ersten Augenblick hanebüchen klingen mag, so gibt es scheinbar einen Zusammenhang zwischen der politischen Gesinnung und der Bereitschaft, sich gegen Corona impfen zu lassen. Landesweit ist etwa in den USA einer von zwei Amerikanern mittlerweile geimpft, doch die Südstaaten, wo Trump bei den letzten Wahlen mehrheitlich gewählt wurde, hinken den Staaten der Ostküste in Sachen Durchimpfung meilenweit hinterher. So sind zum Beispiel im Bundesstaat Louisiana nur 37 Prozent der Menschen geimpft, während es im Vermont bereits 72 Prozent der Bevölkerung sind.
Dieses Beispiel zeigt, dass Politiker sich bewusster werden sollten, welchen Schaden sie mit Worten anrichten können, wenn sie Politik als Spiel interpretieren. Vereinfachte Kommunikation (in Form von undifferenzierten Diskussionsrunden, wo eher der Mann als der Ball gespielt wurde) hat nämlich sicherlich auch dazu geführt, dass die Franzosen beim ersten und zweiten Durchgang der Regionalwahlen den Wahlurnen massiv fernblieben. Dass dies aus demokratischer Sicht nicht unproblematisch ist, dürfte hinlänglich bekannt sein.
Und auch wenn dieses Risiko hierzulande durch die Wahlpflicht sehr stark minimiert ist, so sollte sich jeder der politischen Akteure bewusst sein, welche Verantwortung er mit seinem Mandat trägt. Leider hat in den letzten Monaten die eine oder andere Diskussion im Parlament gezeigt, dass dass man sich auch im beschaulichen Großherzogtum lieber mit markanten Sprüchen selbst inszeniert als zu einer sachlichen Diskussion beizutragen. Das Gegenteil wäre zu simpel.



