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Ein Hoch auf den Crémant

Der Luxemburger Crémant feiert am 15. November seinen 30. Geburtstag. Ja, so jung! Ein Grund, mit Crémant und auf ihn anzustoßen. Er ist gekommen, um zu bleiben.

Von einer „Success-Story“ spricht Claire Sertznig gern, wenn sie den Luxemburger Crémant im Ausland vertritt. „Erstens klingt das gut und zweitens ist es wirklich eine“, erklärt die Projektleiterin vom staatlichen Weinbauinstitut (IVV) in Remich. Die Geschichte ist jünger, als man meinen könnte, und begann mit einem unerwarteten Erfolg. Schaumweine stellen die Moselwinzer zwar seit etwa hundert Jahren her. So feiert in diesem Jahr Bernhard Massard sein Hundertjähriges (siehe revue 24/2021), vor zwei Jahren waren es die Caves Saint Martin. Doch die Geburtsstunde des Crémants ließ noch lang auf sich warten. Bis 1991 schlürfte man Luxemburger „Schampes“.

Doch wenn unsere französischen Nachbarn eines mit Nachdruck tun, ist es der Schutz ihrer Kulturgüter. 1991 brachten die Winzer der Champagne die „Appelation d’Origine Controllée“ (AOC) durch und alle Champagnerwinzer, die sich nicht rund um das Marne-Tal befinden, mussten sich etwas Neues ausdenken. Das bedeutete das Ende des Luxemburger Champagners – doch keine Tränen, bitte. „Wir fanden die Idee gut, weil das ein Schritt in Richtung Qualität ist. Diesen Schritt wollten wir auch für Luxemburg gehen“, erklärt Sertznig. Das Siegel schützt die Tradition, das kulturelle Erbe, würdigt das Knowhow und allen voran sichert es die Qualität. Denn wer sich das AOC-Siegel auf die Flasche kleben will, muss gewisse Standards erfüllen.

Luxemburg zog also nach und orientierte sich am Namen der anderen Schaumweinregionen Elsass, Loire und Bourgogne. Eine Handvoll Winzer schlossen sich dem IVV an, die brachten die AOC „Crémant de Luxembourg“ in Brüssel durch. Seitdem gibt es eine staatliche Qualitätskontrolle für Crémant. Wer seinen Schaumwein als Luxemburger Crémant bezeichnen und verkaufen will, muss gewisse Standards erfüllen. Die Standards orientieren sich an denen der Champagne.

PHR_3662-KopieSo müssen die Trauben von Hand geerntet werden. Nur ganze Trauben dürfen zu dem Most gekeltert werden, auf dessen Basis Wein und schließlich Crémant gemacht wird. Auch die Konzentration ist begrenzt. 150 Kilogramm Trauben ergeben höchstens 100 Liter Most. Zuckergehalt und die Menge des Konservierungsmittels Schwefeldioxid sind begrenzt. Und schließlich die Grundlage des Crémants: einheimische Trauben, die in den Weingebieten der luxemburgischen Mosel angebaut werden.

Mittlerweile steht jeder Moselwinzer hinter dem Crémant de Luxembourg. Claire Sertznig

Claire-Sertznig-(C)-Editpress-Tania-Feller-(2)-KopieAm 15. November 1991 ging der erste Crémant de Luxembourg in den Verkauf. „Es war so gedacht, dass es für die Feiertage Ende des Jahres Luxemburger Crémant gibt“, sagt Claire Sertznig. Die Nachfrage war immens, schon zu Silvester war kein Crémant mehr zu haben. Damit hatten auch die Winzer nicht gerechnet. „Für einige Monate gab es dann keinen Crémant mehr, weil die Produktion Zeit braucht.“ Mindestens neun Monate muss der Crémant lagern. Die große Nachfrage bestärkte die Moselwinzer, und viele weitere fingen an, Luxemburger Crémant herzustellen. Der Absatz steigt von Jahr zu Jahr ohne Unterlass. Angefangen hat man 1991 mit 227.000 Flaschen. Schon zehn Jahre später war die Million geknackt, 2010 verdoppelt und 2019 wurden 3,5 Millionen Flaschen Luxemburger Crémant hergestellt. „Die ganze Mosel hat sich dem Projekt angeschlossen. Wir sind mit fünf Winzern gestartet, aber mittlerweile steht jeder Winzer hinter dem Crémant de Luxembourg und ist stolz darauf, dass er sein Produkt als Crémant vermarkten darf.“ Mindestens ein Drittel der Produktion in den Winzerbetrieben mache der Crémant inzwischen aus.

Auch die Qualität zog mit, weiß Claire Sertznig. „Die Rebstruktur in Luxemburg hat sich dem Crémant angepasst.“ Traditionell wuchsen an den Moselhängen Elbling und Rivaner, in den besten Lagen auch Riesling. Doch inzwischen sind die Rebsorten vielfältiger. „Die Statistiken zeigen, dass die Burgundersorten in den 90er Jahren stark angestiegen sind.“ Pinot Noir und Pinot Gris, inzwischen wachsen auch 45 Hektar Chardonnay an der luxemburgischen Mosel. Zudem, so erklärt André Mehlen vom IVV, „experimentieren die Winzer hier mit den Sorten und das ist eine Stärke.“ Wer den cremigen Geschmack des Champagners vergöttert, findet einen Crémant nach seinem Geschmack, ebenso wie diejenigen, die ihn eher spritzig mögen. „Der Crémant wird dem Champagner leider untergestellt. Das ist sehr schade. Die Herstellungsweise ist genau die gleiche. Die Unterschiede liegen nur im Terroir und der Philosophie der Winzer. Ich sehe da qualitativ keinen Unterschied. International ist der Champagner bekannter und oft ist es eine Frage von Renommee.“ Sie selbst hat in der Champagne gelebt und erzählt, man finde auch in der Champagne Winzerchampagner für 15 Euro, die Preisklasse des Crémants. Doch renommierte Betriebe schlagen auf. „Es ist auch eine Frage des Preis-Leistungs-Verhältnisses. Da kommt man mit dem Luxemburger Crémant besser weg.“

PHR_3647-KopieInzwischen hat sich auch der Luxemburger Crémant unter Kennern international einen Namen gemacht. Der Concours National des Crémants in Frankreich lässt neben französischen nur luxemburgische Crémants zu. Im vergangenen Mai haben diese 20 Goldmedaillen und fünf Silbermedaillen erhalten. Die Beliebtheit spiegeln auch die Exportzahlen wieder.

Die Feststimmung am IVV wurde zu Jahresbeginn von der Pandemie ausgebremst. „Als wir am Anfang des Jahres unseren Haushaltsplan erstellt haben, wussten wir nicht, ob wir überhaupt Events veranstalten können. Deswegen haben wir uns mehr auf Werbekampagnen konzentriert als auf Veranstaltungen.“ Zwei Werbefilme sind dabei entstanden, die zum Geburtstag veröffentlicht werden. Außerdem gibt es eine große Gewinnspielaktion. Dafür hat das IVV an jeden der teilnehmenden Winzer 30 Geburtstagsagraffen verteilt – der Drahtverschluss auf dem Korken –, die die Winzer unter ihre Agraffen mischen. Wer eine der Gewinnerflaschen kauft, erhält von den Winzern Geschenke, zum Beispiel ein Restaurantbesuch oder einen Präsentkorb.

Doch für alle, die gebangt haben: Ja, eine große Veranstaltung findet doch statt. Nachdem der vergangene Herbst ohne Fête des Vins et Crémants auf dem Glacis vergangen ist, gibt es dieses Jahr ein extra großes Festzelt. 48 Winzer nehmen teil und 2.000 Gäste passen pro Tag ins Zelt. Und auch das Alternativevent des vergangenen Jahres wird wiederholt. Die Moselle Edition der Fête des Vins et Crémants fand letztes Jahr in kleinem Rahmen bei den Winzern in den Weinstuben statt. „Die Winzer haben sich sehr darüber gefreut, wie viele Leute in die Weinstuben kamen, um die Weine zu probieren. Das war so ein großer Erfolg, dass wir das in diesem Jahr am Wochenende nach der Edition auf dem Glacis noch mal in den Weinstuben machen“, sagt Claire Sertznig. „Man hat also die Möglichkeit, an einem Wochenende in Kontakt zum Winzer und zum Produkt zu treten, und das Wochenende drauf zu gucken, woher kommt das Produkt, wie machen die das eigentlich.“

Text: Franziska Peschel // Fotos: Tania Feller (Editpress), Philippe Reuter (4)

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Author: Philippe Reuter

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