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Ein Pionier

Der Cactus-Gründer Paul Leesch ist im Alter von 91 Jahren verstorben. Er prägte den luxemburgischen Einzelhandel.

Als im Oktober 1967 der erste Cactus seine Türen öffnete, konnte Paul Leesch bereits auf einige Jahre als Einzelhändler zurückblicken. Am 3. Juli 1929 in der Hauptstadt geboren, hatte er den Spürsinn für das Geschäft wohl schon in die Wiege gelegt bekommen. Schließlich waren seine Eltern Joseph Leesch und Marie Wiltgen bereits seit der Jahrhundertwende im Besitz eines Tante-Emma-Ladens im hauptstädtischen Bahnhofsviertel. Kein Wunder, dass Paul Leesch nach seinem Abitur im Lycée des Garçons einige Praktika bei Großhändlern in Brüssel machte, um die ersten Erfahrungen zu sammeln. Zurück im Großherzogtum, half er ab 1951 zusammen mit seinem Bruder seinem Vater im Großhandelszentrum „Leesch Frères“. Sechs Jahre später rief er das Geschäft „Picnic“ in Esch ins Leben, den ersten Selbstbedienungsladen in Luxemburg nach amerikanischem Vorbild. Zu jener Zeit soll es rund 2.200 Epicerien, Bäckereien und Metzgereien hierzulande gegeben haben.

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Leesch gründete 1957 mit dem Geschäft „Picnic“ den ersten Selbstbedienungsladen hierzulande.

Auf diesem basierte auch die Unternehmesphilosophie „Pile it high, sell it low“ – also große Mengen einkaufen und zu niedrigeren Preisen verkaufen. Ein weiterer Leitspruch lautete „no parking, no business“ (kein Parkplatz, kein Geschäft). Nach diesem Prinzip entstand auch die Cactus-Kette, deren Namensgebung einen einfachen Grund hatte: Das Wort war einfach auszusprechen und einprägsam. Das Unternehmen wuchs im Laufe der 70er Jahre weiter: zum Beispiel 1972 mit dem Supermarkt in Esch-Lallingen und 1974 mit dem Einkaufszentrum „Belle Etoile“, bis heute eines der erfolgreichsten seiner Art in Luxemburg. Der bei der Gruppe Verantwortliche für Gastronomie, Fritz Hotschnig, gründete 1978 das Feinkostunternehmen „De Schnékert“. Paul Leesch war nicht nur Pionier, sondern er setzte auch laufend neue Maßstäbe im hiesigen Einzelhandel. Die Cactus-Kette expandierte weiter mit einer eigenen Konditorei und Metzgerei. Schließlich wurde 1981 in der „Belle Etoile“ ein Markt mit Garten- und Heimwerkerprodukten eröffnet und 1987 das Maskottchen Yuppie ins Leben gerufen. Verwaltung, Marketing, Vertrieb und Einkaufszentrale sowie weitere Unternehmensteile zogen nach und nach an den Standort Windhof. Bis zum Jahr 2000 verfügte die Gruppe über 20 Filialen und beschäftigte rund 3.300 Mitarbeiter. Heute sind es 60 Verkaufsstellen und etwa 4.400 Beschäftigte. Damit gehört Cactus zu den größten Arbeitgebern des Landes. Die Gruppe beteiligte sich übrigens Mitte der 80er Jahre an einer Auffanggesellschaft, mittels derer die Revue gerettet wurde.

Zur Erfolgsgeschichte von Paul Leeschs Unternehmen gehört nicht zuletzt, dass die Gruppe sich immer weiter entwickelte und immer wieder neue Arten von Verkaufsstellen ins Leben rief: von den heutigen Cactus-Hypermärkten, -Supermärkten und kleineren Marché-Citymärkten „um die Ecke“ bis zum Cactus Shoppi – Letztere seit 2008.

Paul Leesch, der 1954 die 1984 verstorbenen Schweizerin Uschi Studer geheiratet hatte (aus der Ehe gingen die fünf Kinder Danièle, Max, Jeff, Denise und Doris hervor), beschloss im Jahr 2001, in den Ruhestand zu gehen. Die Geschäftsführung übertrug er seinem Sohn Max Leesch als Vorstandsvorsitzendem sowie Laurent Schonckert als geschäftsführendem Direktor, die die Pläne des Unternehmensgründers weiter umsetzten.

Fotos: Cactus

Stefan Kunzmann

Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft

Author: Dario Herold

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