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Eindrucksvolle Wildtiere

Seit seiner Kindheit hat David Wagener eine sehr emotionale Bindung zur Natur und Tierwelt. Als stiller Beobachter hält er faszinierende Wildtiere in ihrem natürlichen Umfeld bildlich fest. Eine eher erstaunliche Leidenschaft für einen 22-Jährigen.

Inmitten des Waldes ist die Stille flagrant. Ein Windhauch lässt die Blätter der Bäume rascheln, die Vögel zwitschern und ein kleiner Bach, der langsam unter einer Brücke hindurchfließt, rauscht. Keine Menschenseele weit und breit. Auf den ersten Blick zumindest. Ganz unauffällig, wie ein Chamäleon, hat sich Fotograf David Wagener in der Vegetation niedergelassen. Es ist schwer zu entdecken. Nur die Augen des jungen Mannes und die Linse seiner Kamera sind unter dem Tarnüberwurf zu erkennen. Die militärischen Musterungen passen sich der Umgebung perfekt an. Er ist mit der Natur im Einklang, ein bisschen, als wolle er mit ihr verschmelzen. „Du musst unentdeckt bleiben, wenn du Wildtiere in ihrem Lebensraum beobachten möchtest, ohne sie zu stören oder in die Flucht zu treiben“, erklärt David. „Du musst viel Geduld mitbringen. Es können Stunden und Tage vergehen, bis plötzlich die so lang erhoffte Begegnung stattfindet. Das ist ein unbeschreiblicher Augenblick.“ In seinen Bildern versucht er, die natürlichen Verhaltensweisen verschiedener Tierarten festzuhalten. Eine Momentaufnahme aus dem Alltag. Ein Einblick in ihr Privatleben, könnte man fast behaupten. „Wildtiere sind instinktiv und trotzdem sehr konkret in ihrem Verhalten. Das fasziniert mich immer wieder aufs Neue.“

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Bereits als Kind verbringt er mit dem Vater viel Zeit in der Natur. Er entdeckt den Wald und seine unzähligen Bewohner. Füchse, Rehe und Dachse sind bald keine Unbekannten mehr. „Es ist jedes Mal ein unbeschreiblich seltener Augenblick.“ Ein Zusammentreffen mit dem König der Wälder wird irreversible Folgen haben. „Diese Begegnung mit einem imponierenden Hirsch hat mich emotional sehr geprägt, und ich habe mir sehr früh gedacht, ich müsste solche einmaligen Augenblicke eigentlich bildlich festhalten. Allerdings waren meine ersten Fotos alle verschwommen“, meint er amüsiert. Um dem Hirsch auf die Spur zu kommen, interessiert er sich für seine Verhaltensweisen und seine Gewohnheiten. Verbringt nach der Schule unzählige Stunden ganz allein im Wald, ganz besonders im September, während der Brunftzeit. Das laute Röhren bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ist ein beeindruckendes Spektakel, von dem nur wenige behaupten können, dass sie es hautnah miterlebt haben. „Das Foto mit dem Hirsch im blauen Licht hat mich drei Monate Vorbereitung gekostet“, behauptet David Wagener. In seinen Bildern stellt er die Schönheit der puren Natur in den Vordergrund. Er habe sehr konkrete Vorstellungen, was seine Fotos angeht. Die Idee habe er bereits im Kopf, doch um sie umsetzen zu können, braucht er meist viel Geduld. Tage, Wochen und Monate können vergehen, um das gewünschte Resultat zu erreichen. Das hat den jungen Wildtierfotografen nie abgeschreckt. Im Gegenteil. „Du kannst so lange ansitzen wie du willst, aber ohne die richtigen Tierkenntnisse wird es wahrscheinlich nie zu einer Begegnung kommen. Meistens sind Wildtiere in der Nacht aktiv oder in den frühen Morgenstunden.“

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 Diese Begegnung mit einem imponierenden Hirsch hat mich emotional sehr geprägt, und ich habe mir sehr früh gedacht, ich müsste solche einmaligen Augenblicke eigentlich bildlich festhalten.

Wenn die Sonne am Horizont verschwindet und die Gesänge der Vögel verstummen, halten sich nur wenige Menschen gerne im Wald auf. Bei Nacht wirkt er irgendwie unheimlich. Ganz im Dunkeln, umzingelt von erschreckenden Geräuschen, lauert bestimmt das Böse. Eine echte Gruselvorstellung. Trotzdem wagte sich David bereits als 14-Jähriger ganz allein in den schwarzen Wald.

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„Natürlich hatte ich Angst vor der Dunkelheit“, gibt er zu. „Und vor Wildschweinen. Doch wer seine Angst überwinden will, muss sich ihr stellen.“ Es hört sich an, als wolle er sich mit der Natur messen. So wie es sein Idol, der Extremabenteurer Mike Horn, auf seinen Reisen tut. Die Ausdauer des talentierten Wildtierfotografen aus Useldingen lässt sich nur schwer erklären. Es ist eine Mischung zwischen Fügen und Standhalten, egal zu welcher Jahreszeit und unter welchen Wetterkonditionen. Es ist auch der Reiz der Ungewissheit, der zu unvergesslichen Erlebnissen führt. Für David Wagener ist es zu einer Gewohnheit geworden, die er nicht mehr missen möchte und die Anwesenheit der Wildtiere ist für den Fotografen mittlerweile eine Art Lebensphilosophie. David sucht nicht nur ihre Nähe, es ist, als sei diese emotionale Verbindung zur Notwendigkeit geworden.

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„Ich habe wahrscheinlich eine andere Vision, was unsere Welt, die Natur und die gesamte Gesellschaft angeht“, meint er mit ernster Stimme. Auf menschlicher Ebene habe er inmitten der Natur sehr viel dazugelernt und sich dementsprechend weiterentwickelt. „Ich würde jetzt nicht von mir behaupten, dass ich asozial bin, sondern ich bezeichne mich eher als einen Individualisten auf der Suche nach Abenteuer.“

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In nächster Zukunft möchte er bei unseren belgischen Nachbarn einen Luchs in seinem Lebensbereich fotografieren. „Ich habe bereits Spuren entdeckt und mit Hilfe einer Wildkamera die Bestätigung bekommen, dass sich das Tier tatsächlich in der Umgebung aufhält.“ Zu einer Begegnung ist es noch nicht gekommen, doch David Wagener ist ein zäher Fotojäger, denn er weiß: Geduld ist der Schlüssel zum Erfolg.

Text: Jérôme Beck, Fotos: Georges Noesen(3), David Wagener (4)

Weitere Informationen finden Sie auf Instagram: @davidwagener___photography

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Author: Dario Herold