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Fesselnde Bautechnik

Claude Muller ist ein Spätzünder. Vor sechs Jahren hat es den 49-Jährigen in den Bann der kleinen farbigen Bausteine gezogen. Seither dreht sich bei ihm alles um „Lego Technic“.

„136.638 Bauteile“, hat Claude Muller auf seinem Notizblock ausgerechnet. „Ohne die Ersatzteile!“ Stolz präsentiert er mir seine „Lego Technic“-Kollektion, die er im zweiten Stockwerk seines Hauses sorgfältig aufgestellt hat. Ein ganzes Zimmer voller Baumaschinen, Kräne, Autos und Lastwagen. Das ist schon beeindruckend. So langsam wird der Platz eng, obwohl sein Reich sich nicht auf einer kleinen Ebene befindet. Ungefähr 120 verschiedene Modelle hat er innerhalb von nur knapp sechs Jahren ergattert und zusammengebaut. „Das entspricht dem Preis eines Gebrauchtwagens“, vermutet er. Er macht mich auf einen blauen Kran aufmerksam. Mit dieser Baumaschine habe alles begonnen, erklärt der begeisterte „Lego Technic“-Fan. „Ich hatte in den Niederlanden ein solches Modell in einem Schaufenster gesehen. Ich war sofort fasziniert“, erinnert sich Claude. „Dieser Kran hat mich dermaßen beeindruckt, dass ich ihn mir einige Tage später gekauft habe. So hat alles angefangen.“ Es war das erste Mal, dass er mit den weltweit bekannten Bausteinen hantierte. Als Kind habe er natürlich mit den klassischen Lego-Bausteinen gespielt, wie Millionen andere Kinder auch, doch seine Leidenschaft für die Bauteile aus Dänemark habe er erst 2015 entdeckt. „Dieser blaue Kran besteht aus mehr als 2.000 Bauelementen. Trotzdem ist der Aufbau relativ gut verlaufen“, meint er amüsiert. „Innerhalb von ungefähr 24 Stunden stand der Kran. Da war es um mich geschehen.“

Was mich begeistert, sind die Technik und die Mechanik, die dahinter stecken. Claude Muller – „Lego Technic“-Fan

Claude Muller ist ein Afol, ein „Adult Fan of Lego“. Doch aufgepasst, sein Hauptinteresse gilt nur der „Lego Technic“-Kollektion und ausschließlich den Sets mit Modellen aus dem Bausektor. „Ich komme ursprünglich aus diesem Bereich. Das hat mich mit Sicherheit beeinflusst. Größtenteils sammle ich Baumaschinen, Lastwagen, Bergbaumaschinen, Bagger, Krane, aber auch einige Sportwagen. Die kommen der Realität schon sehr nahe. Das finde ich sehr interessant.“

PR1_8463-Kopie1977 wurde das erste Spielzeugbauset mit dem Label „Lego Technic“ zum Kauf angeboten. Der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen. Vielleicht weil es sich um ein Bauerlebnis der besonderen Art handelt, das sich an alle Mechanik-Begeisterte richtet. Laut der Internetseite Stonewars.de gibt es insgesamt 441 „Lego Technic“-Sets. Doch diese Zahl ist schwer nachzuprüfen, weil immer wieder neues Material auf den Markt kommt.

PR1_8443-Kopie„Was mich begeistert, sind die Technik und die Mechanik, die dahinter stecken. Wie die detailtreuen Modelle funktionieren. Sie werden per Batterie angetrieben. Sie fahren, drehen sich, senken sich, heben Gegenstände. Für mich handelt es sich nicht um ein Spielzeug. Das Aufbauen bereitet mir Freude, das Testen auch. Wenn dann alles richtig funktioniert, stelle ich das Modell in mein Regal und das war es.“

Es ist bereits viel Geld draufgegangen. Claude Muller – „Lego Technic“-Fan

Es handelt sich eher um Ausstellungsmodelle und eine finanzielle Investition. Denn der Wert der Lego-Sets steigt im Laufe der Jahre. Eine gute Geldanlage für begeisterte Sammler. „Es ist bereits viel Geld draufgegangen“, meint Claude lachend. „Im Durchschnitt kostet ein Set um die 150 Euro. Es gibt natürlich auch ältere Modelle, die nicht mehr im Handel angeboten werden. Die finde ich dann meistens im Internet und die können manchmal sehr schön teuer sein. Doch mehr als 200 Euro möchte ich dafür nicht ausgeben. Das ist mein Limit. Im Durchschnitt gönne ich mir alle zwei Monate ein neues Teil für meine Sammlung.“

PR1_8568-KopieWas ihn interessiert sind das Bauen und das Sammeln, allerdings immer streng nach dem originalen Bauplan. Nicht, dass er keine Inspiration hat, aber für eigene Kreationen habe er einfach keine Zeit. Sehr stolz ist er auf seine B-Modelle, denn die, so behauptet er, sind meistens nur den eingefleischten Fans bekannt. „In jeder Kiste befindet sich eine Bauanleitung“, erklärt der „Lego Technic“-Experte. „Doch es gibt auch eine ganz offizielle Alternativanleitung. Die wird auf der Internetseite des Herstellers gratis angeboten.“ Aus einem Modell werden sozusagen zwei. Laut Claude gibt es aber für die aktuellen Kreationen fast keine B-Modelle mehr. Sehr viele Baumaschinen fehlen ihm allerdings nicht mehr. Er vermutet, dass es noch ungefähr zehn Modelle aus dem Bausektor gibt, die er noch nicht in seinen Regalen stehen hat. Doch die seien längst nicht mehr im Handel zu finden und sehr schwierig aufzuspüren. Doch er will die Hoffnung nicht aufgeben. Oben, im zweiten Stockwerk seines Hauses, sieht es ein bisschen aus wie in einer Mini-Werkstatt. In kleinen Sortimentskästen verstaut der Baustein-Experte mit viel Sorgfalt Ersatzeile, wie zum Beispiel Zahnräder, Elektromotoren, Achsen, Liftarme und unzählige andere Elemente. Man weiß ja nie, falls mal eine Reparatur notwendig ist. Doch diese kleinen Teile sollen auch zur Erfüllung eines Traums dienen.

„Ich plane, einen zwei Meter hohen Schwenkkran mit einer Spannweite von anderthalb Metern zu bauen. Momentan bin ich noch am Ausrechnen, wie viele und welche Teile ich dafür benötige.“

Text: Jérôme Beck //  Fotos: Philippe Reuter

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Gut zu wissen
Claude Muller ist ebenfalls ein aktives Mitglied bei der „Luxembourg Lego User Group“ (LuxLug). Der Verein ist die von „Lego“ offiziell anerkannte Anlaufstelle hier im Land. Jedes Jahr laden die Legofreunde alle, die sich für Legobausteine und die Vielfalt von beeindruckenden Kreationen, die man damit herstellen kann, begeistern, auf eine Veranstaltung mit nationalen und internationalen Ausstellern ein.

Dieses Jahr sind zwei Events geplant:

– Am 23. und 24. Oktober in Sassenheim (Hall Polyvalent)
– Am 20. und 21. November in Medernach

Weitere Informationen über die „Luxembourg Lego User Group“ (LuxLug) finden Sie unter www.luxlug.lu

Author: Philippe Reuter

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