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Frogeye from Hell

Die Vorstellung des rezentesten Marketing-Gags von Jaguar Land Rover fand auf der Teststrecke von Fen End statt, ein Betonring auf der grünen Wiese im Warwickshire, nahe dem Werk in Solihull, wo u.a. die legendären Defender hergestellt wurden bis zu ihrem bitteren Ende im Jahr 2016.

Fotos: Jaguar Land Rover

Fen End ist so eine Art Spielwiese der hausinternen Pimp-Boutique der Special Vehicles Operations, die ihre oft akute „Bonditis“ hier in der Steilkurve auskuriert. Es handelt sich um ein ehemaliges Flugfeld der Royal Air Force (RAF Honiley, 1941-48), das nach dem Gemetzel des Zweiten Weltkriegs als Teststrecke für die Autoindustrie in Beschlag genommen wurde, zwischenzeitlich in Vergessenheit geriet, danach von der Firma Prodrive zur Abstimmung der Subaru WRC-Rallyeautos von Colin McRae und Richard Burns diente und 2014 schließlich von Ratan Tata aufgekauft und zum Hamsterrad für seine schnellen Raubkatzen umgebaut wurde. So weit, so gut.

Um die Asphaltstrecke herum gibt es zusätzlich einen nach Gusto variablen Off-road-Parcours mit viel Schlamm und Pfützen, der bei dem traditionellen englischen Wetter eher selten unnötig viel Staub aufwirbelt. Als wir vor nicht allzu langer Zeit dort eintrafen, hatte es gerade aufgehört zu regnen und die Pisten waren… eigensinnig. Worum ging es?

Eigentlich nur um einen Werbegag in Form von zwei Jaguar-Cabrios auf Basis des F-Type Checkered Flag. Wir reden hier nicht von zwei Modellen innerhalb einer Großserie, sondern von genau zwei einzelnen Autos – zwei Cabrios, die nach FIA-Reglement umgebaut in dem einen oder anderen Show-Rennen teilnehmen werden. Sie seien als eine Hommage an die legendären Jaguar XK 120 von 1948 zu verstehen, unter anderem das Exemplar mit dem Kennzeichen NUB 120, das Anfang der 1950er Jahre mit Ian Appleyard am Steuer drei Mal hintereinander die Rallye des Alpes ohne einzigen Strafpunkt absolvierte und sogar die RAC-Rallye sowie die Tulpen-Rallye gewann. Das ist natürlich mehr als an den Haaren herbeigezogen, aber sei’s drum: Wenn es heutzutage darum geht, das neue Gerät in den vermeintlich historischen Kontext zu setzen, sind alle Mittel recht und kein geistiger Spagat zu schmerzvoll.

Unter der Haube werkelt ein Zweiliter-Ingenium-Benziner mit 300 PS, das Fahrwerk wurde nach FIA-Vorschriften zwecks Reduzierung der ungefederten Massen mit verstärkten Bremsen aus Leichtmetall (vier Bremskolben auf 295er Scheiben) und einer speziellen Aufhängung versehen. Hier arbeiten jetzt dreifach mechanisch verstellbare Eibach-Federn mit 60 N/mm und spezielle Dämpfer mit externem Ölbehälter. Der aufgebrezelte F-Type hat darüber hinaus zwei Sechspunktgurte, einen 5 mm dicken Unterbodenschutz aus Aluminium, spezielle Schotterreifen (MaxSport 205/55/16), ein Sperrdifferenzial an der Hinterachse aus dem F-Type V6 mit 280 PS und last but not least thronen vier schmucke Rallye-Scheinwerfer auf der langen Motorhaube, die den Wagen aus der Distanz aussehen lassen, wie eine infernalische Wiedergeburt des Austin Healey „Frogeye“. Der F-Type CF Rally hat keinerlei Seitenfenster, dafür aber einen rallyetauglichen Überrollkäfig mit FIA-Zertifikat (anstatt den zwei traditionellen Bügeln hinter den Kopfstützen) sowie einen integrierten Feuerlöscher. Am bereits sehr steifen geklebten und genieteten Monocoque des Serienautos mussten keine fundamentalen Veränderungen vorgenommen werden, doch das Stoffdach wurde gänzlich entfernt, wie auch das meiste an – in diesem Falle unnützem – Zierrat im Interieur. Die Türen wurden  ausgeweidet und ihre Verkleidungen durch leichte Carbonpanele ersetzt. Die Stabilisatoren vorne wurden durch stärke Exemplare ersetzt. Hinten sind es die gleichen Stäbe geblieben. Die Federraten wurden verringert, eine hydraulische Handbremse à la Ken Block eingebaut. Der Zweilitermotor erhielt 20 zusätzliche PS, blieb ansonsten allerdings weitgehend unverändert, wie auch das Achtganggetriebe aus der Serienfertigung. Die sonst so penibel wachsamen Polizisten des Antiblockiersystems und der elektronischen Stabilitätskontrolle wurden im Rallye-Cabrio allerdings auf unbestimmte Zeit beurlaubt. Für sie ist hier definitiv kein Platz.

Die beiden Exemplare für die Rallye sind unverkäuflich, den „normalen“ F-Type Checkered Flag Limited Edition mit 280 PS hingegen kann man kaufen ab 72.221 €, als Coupé wie auch als Cabrio.

Eric Netgen

Chefredakteur autorevue

Author: Eric Netgen

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