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Gefährliches Halbwissen

„Multikultiwahn“, „Das wird man doch mal sagen dürfen“, „Meinungsdiktatur“, „grün-rot-links-versiffte Politik“ und natürlich fehlt die Hohlphrase „Ich hab‘ nichts gegen Ausländer, aber…“ auch nicht im „Rechtspopulisten-Bullshit-Bingo“, welche von „extra3“ erstellt wurde. Die Macher der Sendung des NDR setzen auf Realsatire, wenn es darum geht, dem Phänomen „Pegida“ zu begegnen. Die 20 Phrasen zeigen auf beeindruckende Art und Weise, wie die Gedankengänge eines Großteils der Demonstranten sind und vor allem auf welche abgedroschenen Schlagwörter sie ihre Argumentation stützen.

Die Demonstrationen der „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ sind im Dezember in Deutschland und vor allem in Dresden von einer Randerscheinung zu einem regelrechten Massenphänomen geworden. In der Landeshauptstadt Sachsens gingen bei ersten Demonstrationen Ende Oktober rund 300 Menschen auf die Straße, am 22. Dezember waren es 17.500. Die Erklärung, weshalb so viele Menschen das Bedürfnis haben, ihrer Angst vor einer vermeidlichen Islamisierung kundzutun, ist schwer zu finden? In Sachsen leben nur 0,1 Prozent Moslems…

Der Nährboden, auf den die Ursprungsaussage fiel, schien – und genau dies dürften die Pegida-Organisatoren von Anfang an einkalkuliert haben – fruchtbar gewesen zu sein. Gefährliches Halbwissen wird genutzt, um gegen Fremde(s) zu mobilisieren. Auch wenn Pegida auf den ersten Blick wie eine Protestbewegung ohne klare Ziele erscheinen mag, so braucht man keine große Detektivarbeit zu leisten, um die ganze Aktion als schlecht getarnten Rassismus zu entlarven.

Die Anzahl an ausländerfeindlichen Pöbeleien ist erschreckend. Auch in Luxemburg.

Wer glaubt, etwas Ähnliches könnte in Luxemburg nicht passieren, der braucht nur einen Blick auf verschiedene einschlägige Facebookseiten zu riskieren. Die Anzahl an ausländerfeindlichen Pöbeleien ist erschreckend. Immer mit an Bord: ein gefährlicher Mix aus Rassismus, Europahass, Islamophobie, Politikverdrossenheit, Halbwahrheiten, Homophobie und dubiosem Geschichtsverständnis.

Erstaunlicherweise ähnelt sich die Art der Denkweise immer wieder. Unter dem fadenscheinigen Deckmantel des Patriotismus wird gegen alles und jeden gewettert und die Angst geschürt, Luxemburg würde am Rande des Abgrunds stehen, weil „zu viele Asylanten ins Land kommen“, weil „die Luxemburger Sprache ausstirbt“, weil „die Regierung und die Politiker nur nach sich schauen“ oder weil „Europa zu viel (mit-) bestimmt“. Mit Argumenten werden diese Aussagen indes nie wirklich untermauert und wenn, dann ist die Argumentationsweise so löcherig wie ein Stück Emmentaler-Käse.

In Deutschland ist die Politik sich mittlerweile bewusst geworden, welche Sprengkraft für die deutsche Gesellschaft eine Ausweitung der Pegida-Demonstrationen haben könnte. Und auch hierzulande kann ein wachsames Auge gegenüber aufflackernden Hetzparolen nicht schaden. Denn Luxemburg hat bisher lediglich das Glück gehabt, dass das Lager von Rechtspopulisten und -extremisten sich immer selbst zerlegt hat. Pierre Peters und seine Nationalbewegung sind und bleiben eines der besten Beispiele dafür…

Hubert Morang

Stellvertretender Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft, Multimedia

Author: Philippe Reuter