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Glasperlen vertreiben Kummer und Sorgen
Glasperlen vertreiben Kummer und Sorgen
Modeschmuck von der Stange kaufen kann jeder. Im Wohnzimmer von Susanne Herminghaus entsteht Glasschmuck, der die Konkurrenz ganz schön alt aussehen lässt.
Text: Jil Baustert (revue@revue.lu) / Fotos: Philippe Reuter
Wenn ich an dem Schmuck arbeite, bin ich ganz entspannt und ohne Sorgen. Daher auch der Name „Susi Sorglos““, erzählt Susanne Herminghaus. Sie ist das Gesicht hinter den lustigen Glasfiguren. Was heute sehr professionell aussieht, hat 2011 zufällig und ganz klein angefangen. Nämlich mit einem Bunsenbrenner.
Die Studentin und ihr Mann, Laurent Bemtgen, sind durch ihre Leidenschaft für historische Darstellungen auf die Idee gekommen, historischen Glasschmuck selbst zu machen. Dass daraus einmal ein kleines Geschäft wird, hätte keiner von beiden gedacht. Es war eigentlich Bemtgens Idee einfache Glasperlen herzustellen, um ihr gemeinsames Hobby ganzheitlicher zu machen.
Nach kurzer Zeit hat seine Frau es ihm nachgemacht. Die beiden haben sich das meiste selbst beigebracht, aber auch einige Workshops besucht. „Bevor man eine bestimmte Figur gut kann, brauch ich mittlerweile zwei bis drei Versuche. Ganz am Anfang ist viel zerbrochen“, erinnert sich die Pharmazie-Studentin.

Auch heute zerbricht noch hin und wieder was. Dadurch geht auch regelmäßig Rohmaterial verloren. Was später zu trendigen Anhängern und Ohrsteckern wird, sind zunächst bunte Stäbchen aus Muranoglas. In einer Flamme werden die Stäbchen erhitzt bis sie schmelzen. Aus dem flüssigen Glas kann man dann allerlei Sachen formen. Die Arbeit mit diesem besonderen Material erfordert nicht nur Kreativität, sondern auch etwas chemisches Geschick. Manche Farben und Glasarten reagieren anders miteinander als gedacht.
Im Moment sind die kleinen Figuren der absolute Renner. Generell kann das junge Paar sich nicht über mangelnde Nachfrage beklagen. „Es gibt Zeiten, da verkaufen wir sehr viel, andere Zeiten eher weniger. Das ist aber auch saisonal bedingt“, erklärt Bemtgen. Er kümmert sich um das Marketing seiner Frau. Obwohl das Geld für Herminghaus nicht im Vordergrund steht, zieht sie manchmal einen kleinen Gewinn daraus.
Die Arbeit mit diesem besonderen Material erfordert nicht nur Kreativität, sondern auch etwas chemisches Geschick.
Dann kann sie sich neues Material kaufen. Der anfängliche Bunsenbrenner wurde mittlerweile durch eine Zweigasflasche ersetzt. So ist die Flamme sauberer und die Schmuckstücke werden noch schöner. Für eine kleine Figur braucht die gebürtige Deutsche mittlerweile nur noch eine gute Viertelstunde. Größere Anhänger sind in einer Stunde geformt. Zum Trocknen werden die Figuren entweder in ein hitzeabsorbierendes Granulat gelegt oder in einem kleinen Ofen gebacken.

Die Nachfrage an kleinen Figuren ist mittlerweile groß, aber die ursprüngliche Idee des historischen Glasschmucks ist nicht in Vergessenheit geraten. Die beiden sind regelmäßig auf Mittelalterfesten und historischen Events unterwegs, um den anderen Teil der Arbeit zu präsentieren. Von historischem Vikingerschmuck bis zu antik-römischen Ketten ist alles dabei. Als nächstes Projekt in dieser Sparte stehen römische Parfümphiolen auf dem Plan.
Dennoch ist die Nachfrage an Eulen, Pinguine, Angry Birds, Minions oder Chewbacca gewaltig. Und Herminghaus probiert gerne neues aus. „Auf der Luxcon hatten wir einen Stand und ich wusste nicht wirklich was ich machen sollte. Da der Droide BB-8 aus dem neuen Star Wars Film so beliebt war, habe ich versucht einige der süßen Roboter als Anhänger herzustellen. Die verkauften sich wie warme Brötchen.“
Prinzipiell sind alle Figuren bis zu einer gewissen Größe möglich. Für richtig große Figuren fehlt es dem Paar an dem richtigen Material. Die Leidenschaft ist und bleibt die Schmuckgestaltung. Hier steht „Susi Sorglos“ nicht nur für kleine, bunte Figuren sondern auch für etwas abstraktere Anhänger. „Die sind vor allem bei der älteren Kundschaft beliebt. Bei der Nachfrage halten beide Arten der Anhänger halten sich die Waage.“, so die Künstlerin.
Das „Everkie Arts“ in Redingen ist ein dauerhafter Partner von „Susi Sorglos“. In dem kleinen Geschäft werden die Schmuckstücke verkauft. Der Preis liegt hier zwischen 30 und 50 Euro pro Anhänger. Im Vergleich zu internationalen Profis ist das ein Schnäppchen. Für einfache Glasperlen von namhaften Künstlern bezahlt man locker 250 Euro für eine einfache Perle. Der Gewinn ist für Herminghaus eher unwichtig. „Es freut mich einfach, dass Menschen an meinen Werken interessiert sind. Das Geschäft ist nur ein netter Nebeneffekt meines Hobbys.“

In den Semesterferien ist das Herstellen des Glasschmucks die beste Gelegenheit die Seele baumeln zu lassen. Die Pharmazie-Studentin gönnt sich in ihrem Wohnzimmeratelier eine Pause vom anstrengenden Studium. Um ihr Hobby abwechslungsreich zu gestalten, experimentiert sie auch gerne herum. Mit Silber, Metall, Sand, Pferdehaaren und Goldummantelungen kann Herminghaus auf die konkreten Wünsche ihrer Kunden eingehen. Bis jetzt gab es noch keine Reklamationen über mangelnde Kreativität.
„Es freut mich einfach, dass Menschen an meinen Werken interessiert sind. Das Geschäft ist nur ein netter Nebeneffekt meines Hobbys.“
Stille Helfer sind die drei grauen Katzen, die in der Wohnung herumlaufen. Die Stubentiger beobachten ihre Chefin gerne beide der Arbeit. Keine Sekunde lassen sie Herminghaus aus den Augen. „Außer wenn ich mit Silber arbeite. Da das Edelmetall nicht eingeatmet werden soll, müssen die Katzen mit meinem Mann im Schlafzimmer warten, bis ich fertig bin“, erklärt die Schmuckherstellerin.
Ihr liebstes Motiv ist übrigens das kleine Schweinchen. Es war die erste konkrete Figur, die Susanne Herminghaus gemacht hat. Deshalb ist das Logo von „Susi Sorglos“ ein kleines, sorgenloses Schweinchen.
Weitere Infos: www.susi-sorglos.com oder www.facebook.com/SusiSorglosGlasperlen
Author: Philippe Reuter