Donald Trump for President! Keine Sorge, an dieser Stelle soll nicht in den Wahlkampf um die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten eingegriffen und schon gar nicht die im Großherzogtum lebenden US-Amerikaner zur Wahl des republikanischen Kandidaten Donald Trump aufgerufen werden. Es besteht auch kein Grund zur Sorge, dass der Immobilientycoon ins Weiße Haus einzieht, glaubt man zumindest den Medien. Demnach hat der egomanische Maulheld, der Rassismus, Frauen- und Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus verkörpert, im Duell mit Hillary Clinton keine echte Chance. In den Umfragen liegt er hinter der Demokratin. Seine mit Ressentiments aufgeladene Kampagne ist chaotisch, seine Vorschläge sind zusammenhanglos und widersprüchlich, seine Reden unterirdisch, der Nominierungsparteitag der Republikaner war ein Desaster für die Partei. Seine letzten Äußerungen warfen Trump noch weiter zurück.
Trotzdem wäre ein Abgesang auf Trump verfrüht. Denn im Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten ist eben vieles möglich: Dass zum Beispiel ein Kandidat mit deutlich weniger Wählerstimmen als der Gegner am Ende der Sieger sein kann, weil es nicht darauf ankommt, wer die meisten Stimmen auf sich vereinigt, sondern jener Kandidat, der in den entscheidenden Staaten die Nase vorn hat. Es kann beim amerikanischen Urnengang am 8. November also enger werden als erwartet. Allein beim Gedanken daran kann es jemandem, der alle Sinne beisammen hat, Angst und Bange werden.
Trump hat es immerhin geschafft, seine bisherigen Rivalen in den Vorwahlen auszuschalten, indem er Leute mobilisierte, die sich vorher nie für Politik interessierten oder die zu träge waren, zur Wahlurne zu gehen. Von seinen Anhängern, mehrheitlich weiß, männlich, wenig gebildet und von Abstiegsängsten getrieben, behauptet mehr als die Hälfte, wütend auf Washington zu sein. Viele fühlen sich von den demographischen und gesellschaftlichen Veränderungen in den USA bedroht und vom Establishment im Stich gelassen. Es sind die „angry white men“, denen Trump eine Stimme gibt. Seine Message: Präsident Barack Obama und Hillary Clinton seien für alle Übel des Landes verantwortlich, und allein er, Trump, mache Amerika sicher und die Armen reich.
Die autoritäre Versuchung hat zugenommen. Das ist die eigentliche Gefahr.
Der neokonservative Vordenker Robert Kagan, einst Berater der früheren republikanischen Präsidentschaftskandidaten McCain und Romney, hält Trump nicht nur für gefährlich, sondern für einen Wegbereiter des Faschismus. Trump biete seinen Anhängern keine Mittel gegen die Krise, sondern eine Haltung: „die Aura von grobschlächtiger Stärke und Machismo, die prahlerische Missachtung der Feinheiten der demokratischen Kultur, die nur Inkompetenz und Schwäche hervorgebracht hätten“. Trump spielt mit Angst, Hass und Wut. Seine einfachen Botschaften und sein destruktiver Politikstil kamen gut an, nicht zuletzt weil sie auf einen entsprechenden Nährboden fallen. Seine tabubrechende, gewaltverherrlichende Rhetorik korrespondiert mit der Gewalt in der US-Gesellschaft. Er hetzt gegen Minderheiten und fordert ein Einreiseverbot für Muslime, tritt für das Recht auf Waffenbesitz ein. Es gibt viele Gründe, vor Trump zu warnen. Dabei ist er kein Einzelfall: Erinnert seine Großsprecherei, sein Machogehabe und der Mythos vom Selfmade-Aufstieg zum Milliardär am ehesten an den italienischen Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi, zeigen seine offen geäußerte Bewunderung für den russischen Staatschef Putin eine Sympathie für dessen Führungsstil. Das britische Wochenmagazin „The Economist“ stellte Parallelen zu rechtsgerichteten Politikern wie Marine Le Pen und Viktor Orban her.
Erdogan, Putin und Trump: Die autoritäre Versuchung, die Sehnsucht nach einem starken Mann, hat in vielen Ländern zugenommen. Auch in Westeuropa. Die Rede ist von einer allmählichen Auflösung des demokratischen Grundverständnisses. Aus der „World Values Survey“ geht hervor, dass die Zustimmung zur Aussage, dass die Demokratie die beste Regierungsform sei, gesunken ist. Dagegen ist die Akzeptanz autoritärer Lösungen gestiegen: In den USA fand es 1995 einer von 16 Befragten gut oder sehr gut, wenn die Armee das Land regieren würde, mittlerweile ist es einer von sechs. Die eigentliche Gefahr ist also nicht einmal Donald Trump selbst, sondern die Geisteshaltung, für die er steht, die Ideologie, die er vertritt, und die Welt, die er repräsentiert. Eine Welt, die zu fürchten ist und die es zu verhindern gilt. Letzteres gelingt nur, indem die Demokratie gestärkt wird; was Aufgabe nicht nur der Politiker, sondern von allen vernunftbegabten Menschen ist.



