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Klub der Hunderter

Bis dato zählte das Luxemburger Tennis nur zwei Vereine, die ihren 100. Geburtstag bereits feiern durften. In diesem Jahr gesellt sich mit TC Arquebusiers ein weiterer dazu. Wir haben mit einer Klublegende über Vergangenheit und Zukunft des Geburtstagskindes gesprochen. 

Es war vor ziemlich genau fünf Jahren – am 8. Juli 2017 –, als TC Arquebusiers das nationale Tennis-Mekka eroberte. In der Woche, in der die revue über den Start der Tour de France in Luxemburg titelte und die Gesellschaft über die Rückkehr des Wolfs spekulierte, fanden die Finalspiele der Interclub Tennismeisterschaften im Wohnzimmer der Arquebusiers statt, quasi direkt gegenüber des Stade Josy Barthels. An dem Tag machten Molinaro, Tholl und Co das Quadrupel perfekt und sicherten neben den beiden Pokalerfolgen (bei Frauen und Männern) auch die Interclub Meisterschaften. In dem Jahr gingen also alle vier von der FLT organisierten Wettbewerbe an den Verein aus der Hauptstadt.

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Auch heute noch prahlt der Klub mit diesem Erfolg. Zurecht, ist das Quadrupel doch das höchste der nationalen Erfolgsgefühle. Wahrlich schmücken kann sich der Verein allerdings nicht nur mit Kollektivleistungen. Auch ihr damaliger Diamant und das mit Sicherheit aktuell heißeste Luxemburger Tenniseisen kommt von den Arquebusiers: Eleonora Molinaro. Die mittlerweile 21-jährige Tennisspielerin begann ihre Karriere dort und erinnert sich gerne an ihre Zeit in dunkelblau und weiß: „Ich habe die letzten 15 Jahre meiner Laufbahn dort verbracht, das verbindet natürlich. Aber er ist nicht nur mein Verein, er ist auch ein absoluter Traditionsklub.“

Zum Hundertjährigen der Arquebusiers stehen ganze 68 Titel, verteilt auf 12 Pokal- und 56 Meisterschaftserfolge.

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Bevor die Arquebusiers Tennis spielten, war es ein Verein für Büchsenschützen.

Seit August 2020 studiert und spielt Molinaro in den USA an der University of Tennessee. Sie vertritt ihren Klub also auch Übersee, wo sie in dieser Saison sogar einmal zur Spielerin der Woche gewählt wurde. Ihr Erfolg hat sicherlich viel mit ihrem bemerkenswerten Talent zu tun, aber auch die Umstände beim Jugendverein hätten schlechter sein können. Dort konnte sie unter anderem auf die geballte Tenniskompetenz in Form von Mandy Minella und Claudine Schaul zurückgreifen. Minella kam zwar erst 2020 zum Verein, dafür wechselt Schaul schon 2002 – zum Beginn ihrer Profikarriere – zu den Arquebusiers. Claudine Schaul ist dort auch heute noch aktiv und arbeitet mittlerweile seit 2014 als Sportdirektorin für den Klub.

„Es ist mein Verein“, erklärt Claudine Schaul beim Interview zum hundertjährigen Jubiläum des TC Arquebusiers. „Ich habe ja davor schon in mehreren Vereinen gespielt. Aber hier habe ich mich damals vor fast 20 Jahren sofort wohl gefühlt. Mittlerweile ist der Verein meine Familie.“ Aber der Verein hat nicht nur intern Eindruck hinterlassen, auch über die Wände des Vereinsheims hinaus ist er eine feste Größe im nationalen Tennis. Immerhin stehen zum Hundertjährigen ganze 68 Titel, verteilt auf 12 Pokal- und 56 Meisterschaftserfolge zwischen den Männern und Frauen.

Das ist ein mehr als ordentliches Pal-mares, selbst für einen Hundertjährigen. Dabei gibt es den Verein an sich bereits deutlich länger. Auf ihrer Webseite sprechen die Arquebusiers von einer Historie, die bis in das Jahr 1402 zurückreicht. Damals sprach allerdings noch keiner vom Tennis. Zu dieser Zeit soll es ein Verein für Bogen- und Armbrustschützen gewesen sein, angeblich sogar der erste Sportverein überhaupt in Luxemburg. Aus dem reinen Freizeitverein wurde im kriegsgeplagten Mittelalter eine militärische Organisation, später dann ein religiöser Zusammenschluss.

  „Ich glaube, die meisten Vereine hier in Luxemburg haben mittlerweile erkannt, dass es mehr Sinn macht, in die eigene Jugend zu investieren als viele Spieler aus dem Ausland zu verpflichten.”
Claudine Schaul

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Die Mechanisierung der Schusswaffen im frühen 19. Jahrhundert leitete den nächsten Generationenwechsel ein. Aus dieser Zeit entstammt auch der heutige Name der Arquebusiers, was sich ins Deutsche mit Büchsenschützen übersetzen lässt. Ausgeschossen in der Val Sainte-Croix – in der Straße, in der der Verein auch heute noch ansässig ist – hat es sich während des Zweiten Weltkriegs. Bereits einige Jahre früher, im Jahr 1922, hatten die Vereinsmitglieder die Geschosse schon gewechselt, zumindest teilweise. Seither wurde auch und heutzutage wird ausschließlich mit dem hellgrünen Filzknäul gesmasht.

„Wir sind natürlich stolz auf diese Historie, und dieser Geburtstag bedeutet dem ganzen Verein unglaublich viel“, erklärt Schaul in Anbetracht der Tatsache, dass mit den Tennisklubs aus Diekirch (1902 gegründet) und Düdelingen (1904 gegründet) bereits zwei Vereine vor den Arquebusiers ihren hundertsten Geburtstag gefeiert haben. Die eigene Feier wird am 17. September stattfinden und das mit möglichst vielen Menschen: „Ich denke, man kann schon sagen, dass gerade jetzt viele der Menschen, die den Verein heute, aber auch schon über die letzten Jahre mitgestaltet haben, sehr stolz auf das sind, was aus dem Verein geworden ist. In so einem Geburtstagsjahr fällt es einem leichter, sich vor Augen zu führen, dass man Teil von etwas ganz Großem ist. Ich hoffe, dass wir all diese Menschen am 17. September zusammenbekommen!”

Aber der Blick soll und darf nicht zu lange oder zu weit in die Vergangenheit gerichtet werden: „Es geht jetzt darum, die Motivation, die ein solcher Meilenstein ohne Frage mit sich bringt, auszunutzen. Unser Fokus liegt deswegen auch jetzt schon wieder auf der Zukunft. Wir haben einen Plan und wollen unsere Klubgeschichte weiterschreiben.” Und dieser Plan hat zwei zentrale Punkte: Auf der einen Seite will man den Trend, die eigene Jugendarbeit zu stärken, weiter fortsetzen und idealerweise intensivieren: „Ich glaube, die meisten Vereine hier in Luxemburg haben mittlerweile erkannt, dass es mehr Sinn macht, das Geld in die eigene Jugend zu investieren als viele Spieler aus dem Ausland zu verpflichten. Das wollen auch wir weiterführen.”

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Auf der anderen Seite, und das liegt Claudine Schaul besonders am Herzen, soll das altehrwürdige Vereinsleben wieder mehr zelebriert werden. „Man muss sich natürlich bewusst sein, dass sich die Welt verändert hat und dass es ein traditionelles Vereinsleben, in der Form wie ich es in meiner Kindheit kannte, nicht mehr geben wird. Aber wir wollen versuchen, diese familiäre, kollegiale Atmosphäre, dieses Zusammensein und das gemeinsame Arbeiten an einem Ziel wieder in den Vordergrund zu stellen. Sowohl auf dem Platz als auch daneben. Denn der Verein soll mehr sein als nur der Sport.”

Eine gute Chance, das neuentdeckte Vereinsleben zu feiern, bieten sich dem TC Arquebusiers in diesem Jahr auch noch. So finden kommendes Wochenende, am 9. Juli, die Finalendspiele der Interclub Meisterschaften – wie zuletzt 2017 – auf eigenem Platz statt. Hier steht sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen nur die Spora im Weg einer fast perfekten Saison. Anders als 2017 konnten in diesem Jahr nur die Frauen den Pokalerfolg feiern. Das Quadrupel wird es zum Geburtstag also nicht geben. Dafür aber möglicherweise ein Triple.

Text: Daniel Baltes  Fotos: Hervé Montaigu
(4, Editpress), TC Arquebusiers

Author: Dario Herold