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Kribbeln im Bauch

Aya Kitaoka

Aya Kitaoka

Seit vergangenem September haben sieben junge Musiker und Musikerinnen die Möglichkeit, sich in den Reihen des OPL zu beweisen. Eine tolle Erfahrung.

Schweißnasse Hände, glühende Wangen und Herzrasen. Selbst erfahrene Bühnenkünstler kennen Lampenfieber, und daher ist es keineswegs verwunderlich, dass die junge Perkussionistin Élise Rouchouse vor ihrem ersten Auftritt in der Philharmonie etwas aufgeregt war. Wegzulaufen sei allerdings keine Option gewesen. Stattdessen hat sich die Französin maximal fokussiert und darauf geachtet, beim Konzert mit dem OPL und der Sopranistin Diana Damrau hellwach zu sein. Obwohl sie bereits Mitglied der „Académie de l’Orchestre Philharmonique de Strasbourg“ war, sind die Erwartungen an die neu gegründete „Luxembourg Philharmonic Orchestra Academy“ (LPOA) andere. „Ich möchte so viele Leute wie nur möglich kennenlernen und gleichzeitig genug Zeit haben, um routinierter zu werden – im positiven Sinn, versteht sich – und mich als Instrumentalistin zu profilieren.“

Haruka Katayama

Haruka Katayama

Elise Rouchouse

Elise Rouchouse

Zudem hofft die 28-Jährige aus Puy-en-Velay, im Anschluss an ihre zweijährige Ausbildung eine feste Anstellung in einem Orchester zu finden. Was nicht die einfachste Sache der Welt ist. Es herrscht nämlich ein Überangebot. Während es in den 1960er Jahren einen eklatanten Nachwuchsmangel gab, bewerben sich heute im Schnitt 40 bis 60 Musiker um eine freie Stelle. Dazu kommt, dass die Qualitätsansprüche der Orchester sehr hoch sind. Zum Probespielen eingeladen zu werden, ist daher keine Selbstverständlichkeit. Aber eigentlich müssten Élise Rouchouse und ihre sechs Kollegen der LPOA keine Angst vor Stolpersteinen haben, denn erstens genießen das OPL und Chefdirigent Gustavo Gimeno weltweit einen ausgezeichneten Ruf und zweitens kann man in zwei Jahren eine Menge dazulernen. Vor allem Selbstbewusstsein. Trotzdem bleibt ein Quäntchen Vorbehalt. So großartig die Voraussetzungen im OPL auch sind, das Vorspielen bei einer Audition ist stets eine außerordentliche psychische Belastung. Weil man völlig allein vor anderen Musikern steht, die alle ihre Vorstellung haben, wie das ausgewählte Stück klingen soll. Vor Publikum zu spielen, gelingt viel leichter. Und genau dazu werden die Mitglieder der LPOA reichlich Gelegenheit haben.

Ziel der LPOA ist es, junge Orchestermusiker auf ihrem Weg zu begleiten, zu fördern und auf künftige Herausforderungen vorzubereiten.

Rund 20 Wochen pro Spielzeit sind für Konzerte im In- und Ausland sowie für Aufnahmen vorgesehen. Dabei stehen jedem Akademiemitglied ein Coach und ein Musiker derselben Musikgattung zur Seite. Eine bessere Unterstützung und Vorbereitung auf die Herausforderungen eines Musikerlebens kann man sich eigentlich nicht vorstellen. „Diese jungen Leute wissen alle sehr genau, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen“, so Gustavo Gimeno. Auf den Spiegel, den die LPOA dem OPL vorhalten würde, sei er genauso gespannt wie auf die Entwicklung der Zusammenarbeit. Wer nun annimmt, dass die Akademie gegründet wurde, um Nachwuchs für das eigene Orchester zu finden, liegt falsch. Es geht einzig und allein um eine bestmögliche Ausbildung. Damit die jungen Musiker später optimale Voraussetzungen für ihre Jobsuche haben – und gegebenenfalls Karriere machen.

Ryou Banno

Ryou Banno

Nazar Totovytskyi

Nazar Totovytskyi

Wie man mit Adrenalinschüben umzugehen hat und Handlungsalternativen zum Panikverhalten entwickeln kann, lernen die meisten Musiker be-reits auf Hochschulen. Im Rahmen der LPOA geht es eher um den letzten Schliff. Um die intensive Begleitung Richtung Zukunft. Wie begehrt Akademieplätze sind, beweist der Andrang. Von 288 Bewerbern wurden 150 zum Probespielen eingeladen. Ausgewählt wurden schließlich Élise Rouchouse, Martyna Kaszkowiak, Haruka Katayama, Aya Kitaoka, Nazar Totovytskyi, Ryou Banno und Lucas Henry, die für ihre Arbeit im Orchester auch ein kleines Gehalt erhalten. Ein weiterer Vorteil im Vergleich zu Privatkursen. Die Akademisten sind sich ihrer Chance übrigens durchaus bewusst. Dennoch überwiegt momentan noch die Vorfreude auf das nächste Konzert.

Text: Gabrielle Seil // Fotos: Sébastien Grébille

Martyna Kaszkowiak

Martyna Kaszkowiak

Lucas Henry

Lucas Henry

Author: Philippe Reuter

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