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Kunst als Köder

Zum dritten Mal findet Ende des Monats die Biennale des Métiers d’Art statt. Luxemburger Kunsthandwerker sowie einige aus den Grenzregionen stellen ihre Arbeit vor.

Keramiken, Schmuck, Skulpturen aus Holz, Beton und Filz – 141 Kunsthandwerker und Kunsthandwerkerinnen präsentieren an zwei Wochenenden ihre Werke. Etwa die Hälfte von ihnen ist zum ersten Mal dabei, sie sind neu unter den luxemburgischen Kunsthandwerkern. „Das beweist die große Dynamik, die in dem Bereich besteht“, sagt Roland Kuhn, Präsident der Association De Mains De Maîtres Luxembourg, die die Biennale veranstaltet. Der Sektor ist im Wandel, Roland Kuhn und Jean-Marc Dimanche, Generalkommissar des Verbands, waren in letzter Zeit Zeugen einer Aufwertung der Sparte. Das Handwerk und seine Produkte genießen wieder mehr Anerkennung. Das liegt nicht zuletzt an einem gewachsenen Bewusstsein für qualitative Materialien und ihre Herkunft. Mehr denn je stehen diese im Fokus bei Herstellung und Kaufentscheidungen. „Einige Materialien werden wiederentdeckt“, freut sich Jean-Marc Dimanche. „Textilien zum Beispiel waren lange Zeit verschwunden, jetzt sind sie wieder in Mode.“ So steht die diesjährige Biennale unter dem Motto „Viv(r)e la matière“.

28.11.2018_Editpress_445019-KopieMehr als 10.000 Besucher hat die letzte Ausgabe der Biennale des Métiers d’Art 2018 angezogen, eine Bestätigung für den Veranstalter: Das Interesse ist groß. Und das braucht es auch, wissen sie. Die Association De Mains De Maîtres möchte diese Entwicklung weiter vorantreiben. Denn ein bisschen haftet das angestaubte Image der regionalen Traditionen noch immer am Kunsthandwerk. „Oft ist das erste Bild, das wir vom Handwerk haben, ein veraltetes. Wir wollen die Neuigkeiten zeigen“, betont Jean-Marc Dimanche. „Wir wollen zeigen, dass Handwerk nicht nur die Vergangenheit verkörpert, sondern ebenso die Zukunft.“

Die Biennale der Kunsthandwerker dient als Aushängeschild, denn das Kunsthandwerk ist nur eine Disziplin unter den vielen, die der Verband vertritt. Sie soll ein Portal sein, ein Zugang zum Handwerk insgesamt. Denn mehr noch als die Materialknappheit, die in letzter Zeit alle Branchen betrifft, besorgt das Handwerk der fehlende Nachwuchs. Dabei sei die Lust groß, betont Roland Kuhn: „Jeder handwerkliche Beruf ist sehr leidenschaftlich.

28.11.2018_Editpress_445010-KopieIch sehe oft Leute, die den ganzen Tag im Büro sitzen, und danach setzen sie sich zu Hause zum Basteln hin. Sie machen das gern und sollten wissen: Das kann man zum Beruf machen.“ Die Chambre des Métiers wird nicht müde, vorzustellen, was Handwerkerinnen und Kunsthandwerker tun – „die Maler, die Chocolatiers. Wir brauchen junge Leute, die Interesse am Handwerk haben, und müssen ihnen zeigen, was ein Schreiner oder ein Bäcker macht, wie er arbeitet.“ Regelmäßig veranstalten sie in Betrieben Tage der offenen Tür, bei denen Schüler die Berufe kennenlernen können. Auch die Biennale setzt einen Schwerpunkt auf die jungen Besucher. Am 29. November, der Journée des lycéens, öffnen die Tore exklusiv für Schüler.

28.11.2018_Editpress_445009-KopieEines der Kernstücke der Biennale ist die Zusammenarbeit mit viereuropäischen Hochschulen, die eine Sparte Kunsthandwerk haben. Jede der Schulen hat ein Projekt vorgestellt, ihre Schwerpunkte sind verschieden. Die Hochschule Trier lege eher den Fokus in der Ausstellung auf Textilien und Stickerei, erläutert Jean-Marc Dimanche. Die Hochschule für Kunst und Design ECAL in Lausanne ist spezialisiert auf Mechanik, sie basteln Musikboxen, kleine Automaten und Uhrwerke. Die ausgestellten Arbeiten haben die Schüler extra für die Biennale erstellt. Hingegen stellen die Cambre (Hochschule für visuelle Kunst) in Brüssels und die Kunsthochschule Hear in Straßburg die Abschlussprojekte ihrer Master-Studenten aus, Arbeiten aus Glas und Keramik, Accessoires.

Wer jetzt schon von der Lust gepackt ist und den Startschuss kaum abwarten kann, bekommt mit dem „Parcours hors les murs“ eine Preview. Wie 2018 schon stellen die Museen der Stadt einige Werke von Kunsthandwerkern und Kunsthandwerkerinnen. aus. Im Foyer des Grand Théâtre sind fünf Skulpturen zu entdecken.

Text: Franziska Peschel // Fotos: Hervé Montaigu (Editpress)

Biennale des Métiers d‘Art, vom 20. bis 28. November, 10 bis 18.30 Uhr, am Freitag, den 26. November, bis 21 Uhr. 19 Rue de la Liberté, Luxemburg. Eintritt frei. www.demainsdemaitres.lu

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Author: Philippe Reuter

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