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Kurz gefasst

Working Poor

Dass Luxemburg, eines der wohlhabendsten Länder der Welt, unter den Staaten der Europäischen Union der mit dem zweithöchsten Risiko für sogenannte Erwerbsarmut ist, verwundert nur auf den ersten Blick. Schließlich gibt es hierzulande den höchsten Mindestlohn Europas. Zieht man aber die hohen Lebenshaltungs- und Wohnkosten in Betracht, wird schon einiges klarer. Nach Angaben des europäischen Statistikamtes Eurostat lebte im Jahr 2020 fast jeder achte Einwohner des Großherzogtums unterhalb der Armutsgrenze, genauer gesagt 11,9 Prozent. Vor Luxemburg liegt nur noch Rumänien. Nach Angaben des LISER-Forschungsinstituts gab 2019 mehr als ein Drittel der Mieter mehr als 40 Prozent des Einkommens für Miete und Heizung aus. Bei den jüngst so stark angestiegenen Energiepreisen und der hohen Inflationsrate dürfte dieser Anteil noch weiter angewachsen sein. Auf dem Foto ist eine „Buttek“ des Roten Kreuzes zu sehen.

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Weniger Tote, mehr Delikte

Was die Zahl der Drogentoten angeht, ist in Luxemburg eine positive Entwicklung festzustellen. Gab es im Jahr 2000, als der erste Aktionsplan „Drogen“ in Kraft getreten war, noch 26 Opfer, waren es im vergangenen Jahr nach Angaben des Gesundheitsministeriums nur noch fünf. Auch die Zahl der Schwerstabhängigen ist gesunken. Heute sind es nach Schätzungen 2.160 Drogenkonsumenten „à haut risque“. Die am meisten konsumierte Droge unter diesen „Hochrisikokonsumenten“ ist nach wie vor Heroin. Allerdings beobachten Experten schon seit Jahren einen Anstieg bei Kokain. Außerdem hat sich das Konsumverhalten verändert: Es wird weniger gespritzt und dafür mehr geraucht. Von allen illegalen Drogen sind Cannabis-Produkte, nach Umfragen sowie nach Beschlagnahmungen zu urteilen, die mit Abstand beliebtesten Drogen. Laut nationalem Drogenbericht ist die Zahl der Drogendelikte gestiegen.

„Last-Minute-Gesetz“

Vom OGBL abgelehnt, von der CGFP „nicht als der große Wurf“ bezeichnet, häuft sich die Kritik am Tripartite-Gesetz. Jüngst kam ein Gutachten der Arbeitnehmerkammer (CSL) (auf dem Foto deren Präsidentin Nora Back, zugleich OGBL-Chefin), deren Vollversammlung den Gesetzentwurf mit 41 zu 19 Stimmen ablehnte. Auch der LCGB sprach von Nachbesserungen. Vergangene Woche. Zuletzt folgte die parlamentarische Tripartite-Kommission der Kritik des Staatsrates. So werden die Bestimmungen zum Wohnungsbau aus dem Tripartite-Gesetz entfernt. Sie kommen, wie schon vom Staatsrat vorgeschlagen, in ein separates Gesetz. Nun drängt die Zeit. Das zweite Gesetz könnte demnach später als das Tripartite-Gesetz in Kraft treten. Sozusagen als „Last-Minute-Gesetz“, wie Marc Goergen von der Piratenpartei sagte.

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Unter Palmen

Es ist der Gipfel ihrer bisherigen Karriere: Vicky Krieps hat den Preis als beste Darstellerin für ihre Rolle in dem Film „Corsage“ von der österreichischen Filmemacherin Marie Kreutzer bei den Filmfestspielen in Cannes erhalte. Der Film lief in der Sparte „Un Certain Regard“. Die 38-Jährige (auf dem Archivfoto bei der Verleihung des Luxemburger Filmpreises 2018) spielt darin die alternde Kaiserin von Österreich-Ungarn, Elisabeth (Sissi). Die Schauspielerin war mit zwei Filmen an der Croisette vertreten, beide von Samsa produziert. Neben „Corsage“ war dies „Plus que jamais“ von der deutsch-französischen Regisseurin Emily Atef über eine sterbenskranke Frau, die auf Sinnsuche nach Norwegen reist. Krieps spielt darin neben Gaspard Ulliel, der zu Beginn dieses Jahres tödlich verunglückte. Ihren Preis teilt sie sich übrigens mit dem Franzosen Adam Bessa, der in dem ebenfalls von einer luxemburgischen Firma (Tarantula) produzierten Film „Harka“ spielt.

Bei Anruf Hilfe

Die Zahl der Kinder, Jugendlichen und Familien, die sich an das Kanner-Jugendtelefon gewandt haben, ist 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 149 auf nunmehr 1.747 gestiegen. Die Zeit in der Quarantäne und das Wegfallen von Sport- und anderen Freizeitaktivitäten haben die jungen Menschen stark geprägt, geht aus dem Jahresbericht des Kanner-Jungendtelefons hervor.

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Bühne für Menschenrechte

Oft wird von der politischen Bühne gesprochen, ob sie nun jemand betritt oder verlässt. Das politische Theater hat derweil eine nicht ganz so lange Tradition, erlebte aber im 20. Jahrhundert einige Höhepunkte. Dass die Allgemeine Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen von 1948 einmal auf die Bühne kommt, ist nicht zuletzt dem Escher Theater und dem portugiesischen Kollektiv „mala voadora“ mit dem Regisseur Jorge Andrade zu verdanken. Letzterer hat „La déclaration universelle des droits de l’homme“ inszeniert. Dabei variiert die Darstellung der Menschenrechtserklärung je nach Auftritt. Hinterfragt wird ihre Bedeutung ebenso wie ihre Universalität. Die Schauspielerin Magaly Teixeira hat lusofone Schauspieler und Bürger mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen gefunden, die die Deklaration vortragen. Zu sehen ist die theatralische Version der Menschenrechtserklärung am 7. und 8. Juni.

Fotos: Wikipedia, Philippe Reuter, Freepik, Hervé Montaigu (Editpress), Alain Rischard (Editpress)

Stefan Kunzmann

Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft

Author: Dario Herold