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Kurz gefasst

Frontmann Delles
Mit einer neuen Parteispitze gehen die Liberalen ins Superwahljahr 2023. Auf dem Parteikongress im Bartringer Centre Atert wurde Tourismus- und Mittelstandsminister Lex Delles zum Nachfolger von Corinne Cahen als neuer DP-Präsident gewählt. Generalsekretärin ist Carole Hartmann, die drei Vizepräsidenten sind Marc Hansen, Max Hahn und Claude Lamberty, Schatzmeisterin ist Myriam Feyder. Mit politischen Inhalten befasste sich vor allem der Vorsitzende der Jungdemokraten Michael Agostini, der von der Regierung forderte, zur Bewältigung der Wohnungskrise die Grundsteuer zu reformieren, eine Spekulationssteuer auf brach liegendes Bauland sowie eine nationale Leerstandssteuer einzuführen. Zudem verlangte er ein künftiges Superministerium, in dem Wohnungsbau, Inneres und Umwelt angesiedelt sind. Und was wird aus Ex-Parteichefin Cahen, die nach 2023 auch nicht mehr Familienministerin sein will? Dass sie sich als „Stater Meedchen“ für das Amt der hauptstädtischen Bürgermeisterin interessiert, sprach sie im Interview mit dem Lëtzebuerger Land zwar nicht offen aus, leugnete es aber auch nicht.

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Private Patrouille

Vergangene Woche hat die revue noch berichtet, dass eine Ausschreibung für eine private Sicherheitsfirma, die durch die Hauptstadt patrouillieren soll, nicht mehr vorgesehen sei. Nach einem Zwischenfall mit einem Wachhund der privaten Ordnungshüter im Bahnhofsviertel war es zu Diskussionen gekommen. Nun soll es eine neue Ausschreibung geben, wie Bürgermeisterin Lydie Polfer bei RTL Radio erklärte, allerdings in der Oberstadt. Schließlich gebe es eine gewisse Verlagerung des Drogenhandels aus der Bahnhofsgegend dorthin (in der Nähe des Piratenschiffs). Gemeinderat Guy Foetz (déi Lénk) monierte, dass die Gemeinderäte nicht informiert worden seien.

Alles so schön bunt

Bei so viel Buntheit mag manch einer den Durchblick verlieren. Vierfarbig statt nur Orange erstrahlt das neue Logo der CSV, was die Vielfalt der Gesellschaft ausdrücken soll – und auch die der Partei. Der vierte Kongress in nur 14 Monaten stand unter dem Motto „Eppes Neies entsteet“. Auf der Tagesordnung im hauptstädtischen Geesseknäppchen standen außerdem die Positionierung, Werte und das Zukunftsbild der christsozialen Partei. Insgesamt hatten sich hundert Mitglieder in zehn Arbeitsgruppen damit beschäftigt, für was die CSV steht. Parteichef Claude Wiseler erhob zum einen einmal mehr den Anspruch der Partei, eine Volkspartei zu sein, und zugleich eine der demokratischen Mitte, zudem eine Wertepartei. Zu den Werten gehört unter anderem die Europäische Union. Ein wichtiges Thema des Kongresses war aber auch die Gemeindewahlen. Hierfür wurde ein parteiinterner Fahrplan vorgestellt. Laut Parteisatzung sind künftig auch offene Listen für Kandidaten möglich, die nicht Parteimitglied sind.

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Kopf an Kopf

Nachdem es Emmanuel Macron im April bei seiner Wiederwahl zum Präsidenten vor allem mit Marine Le Pen vom rechtsextremen Rassemblement National (RN) zu tun hatte, kam die härteste Konkurrenz bei den französischen Parlamentswahlen von links. Jean-Luc Mélenchon (Foto) hatte es im Vorfeld geschafft, das zersplitterte linke Lager aus La France insoumise, Sozialisten, Grünen und Kommunisten hinter sich zu vereinen. Der gewiefte Redner und erfahrene Stratege zog seinen Nutzen aus einem Wahlkampf, aus dem sich Macron weitgehend heraushielt. Die Hochrechnungen am Sonntagabend sahen das Linksbündnis zwar gleichauf mit Macrons Mitte-Lager. Prognosen sehen Letzteres jedoch im zweiten Wahlgang deutlich vorn. Die Wahlbeteiligung lag bei etwa 47,5 Prozent. Ein neuer Tiefststand.

Ohne Maske

In den öffentlichen Verkehrsmitteln soll die Maskenpflicht entfallen. Dies beschloss das Parlament vergangene Woche. In den Krankenhäusern sowie Alten- und Pflegeheimen gilt sie vorerst noch ebenso wie in den Haftanstalten. Ausschlaggebend für die Entscheidung sind die niedrigen Infektionszahlen und die entspannte Situation in den Kliniken. Das entsprechende neue Gesetz wird voraussichtlich diese Woche in Kraft treten. Sollte im Herbst eine neue Infektionswelle ausbrechen, sei man „auf das Schlimmste“ vorbereitet, sagte Paulette Lenert (LSAP). Die Gesundheitsministerin appellierte zudem an die Ungeimpften, sich impfen zu lassen.

Starkes Stück

Wie die revue bereits kürzlich erwähnte: Theater ist politisch, und die Politik ist manchmal richtiges Theater. Nun auch wieder im Théâtre National (TNL), wo die italienische Compagnie ErosAntEros von Agata Tomšiˇc und Davide Sacco zusammen mit dem Luxemburger Autor Ian De Toffoli mit ihrem Stück „Confini“ nicht nur die Geschichte der italienischen Einwanderer in Luxemburg in Gestalt dreier Männer, gespielt von drei People of Color, sondern auch die parallele Entwicklung der Europäischen Union aus der Montanunion heraus erzählt. Daraus ist ein überzeugendes Theaterstück in einer multimedial gelungenen Inszenierung geworden, bei dem unter anderem auch Marco Lorenzini, der in die Rolle von Churchill und Schuman bis Juncker und von der Leyen schlüpft und die luxemburgische Erfolgsgeschichte von der luxemburgischen Kohle über den Stahl bis hin zum Space Mining erzählt, vor Größenwahn kichernd und schier überschnappend, einige Lacher auf seiner Seite hat. Dem starken Stück Theater seien noch mehr Zuschauer und eine Wiederaufnahme in der nächsten Spielzeit gegönnt.

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Fotos: Fabrizio Pizzolante, Julien Garroy (2) (beide Editpress), Quentin Bruno (Flickr), ErosAntEros/Donato Aquaro

Stefan Kunzmann

Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft

Author: Dario Herold