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Kurz gefasst

„Pride“ wichtig wie eh und je

Vor 50 Jahren wurde bei der Documenta in Kassel Rosa von Praunheims Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ aufgeführt. Der Streifen wurde zum Auslöser der deutschen Lesben- und Schwulenbewegung. Sein Tenor: Homosexuelle sollen ihre Angst und Ohnmacht überwinden und aus ihren „Verstecken“ herauskommen, um sich zu organisieren und für Gleichberechtigung sowie eine bessere Gesellschaft zu kämpfen. Obwohl in vielen westlichen Demokratien, u.a. in Luxemburg etwa mit der Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen seit 2014, große Errungenschaften erzielt wurden, gibt es vielerorts Homophobie und sind LGBTQ+-Menschen Anfeindungen ausgesetzt. Der Anschlag auf einen queeren Club in Oslo zeigte dies einmal mehr. Umso wichtiger ist es, dass Sensibilisierungswochen wie der „Luxembourg Pride 2022“ in Esch vergangene Woche auf Belange der queeren Community aufmerksam machen und zeigen, dass ein Leben außerhalb der Heteronormen schwierig ist und schwer gemacht wird. Mit einem großen „Equality March“ und einem Straßenfest fand die Veranstaltung einen Höhepunkt. Dabei war neben Premierminister Xavier Bettel weitere Politikprominenz vertreten. Und auf der Bühne stand u.a. die 80er-Jahre-Band Culture Club und ihr Sänger Boy George (Foto).

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Der große Atom- und Gas-Schwindel

Es sei die „schlimmste Abstimmung“ gewesen, die sie je erlebt habe, sagte die grüne Europaabgeordnete Tilly Metz später. Gemeint war die Entscheidung des Europäischen Parlaments, den Vorschlag der EU-Kommission zur Taxonomie anzunehmen. Damit gelten bestimmte Investitionen in die Kernkraft oder in fossiles Gas als nachhaltig. „Bittere Entscheidung“ schrieb die woxx. Das Vertrauen in die Politik sei erheblich ramponiert worden, meinte der Tageblatt-Journalist Guy Kemp. Der Beschluss wurde von liberalen, konservativen und rechtspopulistischen bis rechtsextremen EU-Parlamentariern mitgetragen. Ein bedeutender Antreiber war Frankreich, das nach wie vor auf Atomstrom setzt. Deutschland wollte im Gegenzug, dass Investitionen in Gasinfrastrukturen als Übergangstechnologien das Ökolabel erhalten. Ein „Etikettenschwindel“, so Kemp. Immerhin wollen Luxemburg und Österreich gegen die Rechtsakte klagen. Die beiden Grünen-Minister Claude Turmes und Joëlle Welfring kündigten dies an.

Friedensglocken

Mit einer Kinderparade feierten am Samstag ukrainische Kinder und ihre Eltern den Abschluss des Schuljahres. Nicht zuletzt wurde mit dem Umzug vom „Royal Hamilius“ zur Place Clairefontaine den Kindern in der Ukraine gedacht, die in den vom Krieg zerstörten Städten und Dörfern aufwachsen und von denen einige gestorben sind. Zum Gedenken an sie wurden kleine mit blau-gelben Bändchen versehene Glöckchen geläutet.

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Krieg und Frieden

„Fassungslos verfolgen die friedliebenden Europäer, wie die russischen Aggressoren die Ukraine in Schutt und Asche legen“, schrieb die Süddeutsche Zeitung vor einigen Tagen und erinnerte dabei an den Urvater der Strategiekunde, Sun Tzu. Dieser nennt unter den Faktoren, die einen Kriegserfolg ausmachen, unter anderem die moralische Überlegenheit. Dies missachtet Russlands Machthaber Wladimir Putin. Sein Angriffskrieg hat nicht zuletzt die Frage aufgeworfen, ob dem Aggressor überhaupt mit friedlichen Mitteln beizukommen ist. Der Westen liefert der Ukraine Waffen, und in Talkshows wird über Kriegstaktiken diskutiert. „Frieden schaffen ohne Waffen“, dieser Slogan der Friedensbewegung scheint ausgedient zu haben, oder? Über die Grenzen des Pazifismus diskutieren Friedensaktivisten u.a. mit dem Tageblatt-Journalisten Armand Back und dem CSV-Politiker Paul Galles am 13. Juli um 19 Uhr in der Debattenreihe „public forum“ der Zeitschrift Forum in den Rotondes diskutiert, live mitzuverfolgen auch im Youtube-Kanal der Zeitschrift.

Wenig nachhaltiger Pensionsfonds

Der Fonds de compensation (FDC) verwaltet die luxemburgischen Pensionsgelder. Zurzeit überarbeitet er seine Investitionsstrategie für die nächsten fünf Jahre. Gerade die richtige Gelegenheit, um eine Neugestaltung dieser zu fordern, wie es vergangene Woche die Arbeitnehmerkammer (CSL) tat. Denn einige der Anlagen, um die es geht, sind alles andere als nachhaltig. Beispielsweise wurden 2021 etwa 1,3 Prozent des Fonds in Kohle-Aktien investiert worden. Stellt man den FDC-Einnahmen von 1,13 Milliarden Euro (2020) die Klimaschäden entgegen, ergibt das laut Rechnungshof von 2016 bis 2021 Schäden in Höhe von rund 522 Millionen Euro. Die CSL will daher strengere Kriterien für die Investitionen – und dass sich der FDC mehr an der lokalen Wirtschaft orientiert.

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CFL überholt Post

Unternehmen in staatlicher Hand dominieren hierzulande nach wie vor. Die CFL hat die Post als größten Arbeitgeber des Landes abgelöst. Sie beschäftigte zu Beginn des Jahres 4.710 Personen, 130 mehr als am 1. Januar 2021. Es folgt die Post mit 4.540 Beschäftigten, 80 weniger als im Vorjahr. Dritter bleibt Cactus (4.440 Mitarbeiter, minus 20), vor Dussmann, Amazon (vom 8. auf den 5. Platz vorgerückt), BGL BNP Paribas und Goodyear. ArcelorMittal, jahrelang die unangefochtene Nummer eins, ist nur noch Achter. Danach folgen PwC und Luxair.

Fotos: Claude Lenert(2), Julien Garroy, Herve Montaigu (alle Editpress)

Stefan Kunzmann

Chefredakteur

Ressorts: Politik & Wirtschaft

Author: Dario Herold