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Kurz mal weg!

Eine Auszeit nur zwei Stunden von Luxemburg entfernt. Das bietet die Provinz Limburg in den Niederlanden. Ein erholsamer Kurztrip, für alle, die einen raschen Tapetenwechsel benötigen.

Die Sonne steht hoch am Himmel, die sommerlichen Temperaturen laden auf Dolcefarniente ein, weit entfernt vom alltäglichen Arbeitsstress. Sie träumen von Abwechslung und Erholung, von der Entdeckung neuer Gegenden und tollen Erlebnissen? Das alles ist möglich, in unmittelbarer Nähe und ohne das finanzielle Budget zu sprengen. Die Flucht aus der gewohnten Umgebung ist nur knappe 190 Kilometer mit dem Auto von der Heimat entfernt, in der niederländischen Provinz Limburg. Die Region ist bekannt für ihre abwechslungsreiche Landschaft, die einzige in den Niederlanden, in der Wein angebaut wird. Sie ist auch bekannt für ihr „weißes Gold“, genannt Spargel, den Sie in zahlreichen Restaurants genießen können. Allerdings nur von April bis Juni. Doch Limburg wird Sie mit seiner gastronomischen Vielfalt mit Sicherheit positiv überraschen.

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Im idyllischen Dörfchen Eijsden ist das „Eetcafé Aon ’t Bat“ mit seiner erholsamen Sommerterrasse am Ufer der Maas das angesagteste Lokal in der ganzen Gegend.

Sie haben sich einen totalen Szenenwechsel fürs Wochenende gewünscht? Na, dann mal los. Endstation Maastricht, die Hauptstadt der südlichsten Provinz der Niederlande. Vergessen Sie jetzt schnell alle Klischees, die sie mit der Stadt in Verbindung bringen, in der 1992 der Vertrag von Maastricht unterschrieben wurde. Nehmen Sie die Scheuklappen ab, denn Maastricht ist nicht nur bekannt für seine beliebte Einkaufsmeile. Doch bevor es schnurstracks in die Stadt mit ihren zirka 125.000 Einwohner geht, machen Sie unbedingt Halt in Eijsden, einem idyllischen Dörfchen entlang der Maas, nur einige Kilometer von der belgischen Grenze entfernt. Das Restaurant „Eetcafé aon’t Bat“ ist hier das angesagte Lokal für alle Feinschmecker, die sich einen atemberaubenden und erholsamen Sonnenuntergang am Ufer der Maas nicht entgehen lassen wollen.

Bereits 1905 wurden hier Zollbeamte und Touristen bekocht, die meist mit dem Boot von Belgien nach Frankreich unterwegs waren. Das Highlight ist mit Sicherheit die Sommerterrasse, die sich am Rand des Flusses neben einer kleinen Fähre befindet, die nur für Fußgänger und Radfahrer zugänglich ist und Eijsden mit dem belgischen Ort Lanaye verbindet. Von der Speisekarte zu empfehlen sind die Garnelenkroketten, natürlich hausgemacht, gefolgt von drei feinen Sole Meunière. Zum Nachtisch wäre es zu schade, wenn Sie auf die Schokoladenmousse aus schwarzer Schokolade verzichten würden.

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Auf dem Dach einer ehemaligen Keramikfabrik befindet sich die einzige Rooftopbar in Maastricht.

Etwa 20 Kilometer entfernt sollten Sie sich einen kleinen Spaziergang durch Valkenburg aan de Geul nicht entgehen lassen. Die Geul ist ein kleiner Fluss, der sich durch den Ort Valkenburg zieht. Erstaunlicherweise geht es in dieser Gegend ziemlich steil bergauf. Eher untypisch für die Niederlande. Kein Wunder, dass sich hier die einzige Höhenburg des Landes befindet. Bis dorthin haben wir es nicht gewagt. Das war uns viel zu anstrengend. In den Höhen von Valkenburg hat uns eine andere Touristenattraktion eher angezogen. Die gern besuchte Badeanlage „Thermae 2000“. In dem 32 Grad warmen Wasser, das aus 381 Metern Tiefe aus einem unterirdischen See an die Oberfläche gepumpt wird und angeblich 40.000 Jahre alt ist, können Sie so richtig die Seele baumeln lassen. Der Außenbereich mit seinem unnachahmlichen Panorama-Ausblick lädt wirklich zum Verweilen ein. Achten Sie jedoch darauf, ihren Tagesaufenthalt bereits im Vorfeld zu reservieren. Das Thermalbad ist fast immer komplett ausgebucht.

Die Aussicht über Maastricht hat revue-Redakteur Jérôme Beck (Mitte) regelrecht verblüfft.

Die Aussicht über Maastricht hat revue-Redakteur Jérôme Beck (Mitte) regelrecht verblüfft.

Um das Wochenende so richtig ausklingen zu lassen, beenden Sie Ihre kleine Eskapade mit einem kleinen Trip nach Maastricht. Die Stadt ist bekannt für ihr kulturreiches Erbe, das lässt sich nicht von der Hand weisen, doch sie ist auch eine Kleinmetropole, die mitten im Wandel steht. Seit ungefähr 20 Jahren bemüht sich die Hauptstadt der Provinz Limburg, ehemalige Industrieviertel mitsamt ihrer Identität in moderne Stadtviertel zu verwandeln und ihnen eine neue Dynamik zu verpassen, angetrieben von neuen Bewohnern und Besuchern. So auch das Viertel „Sphinxkwartier“, bekannt für seine Keramikproduktion, die unter der Marke „De Sphinx” weltweit angesehen und erfolgreich war. Gründer war 1834 der Unternehmer Petrus Ragout. Er gehörte zu jenen Geschäftsleuten, die aus Maastricht eine der wichtigsten Industriestädte der Niederlande machten. 2009 wurde die monumentale Fabrik nach etlichen Jahrzehnten geschlossen. Doch weder das Viertel noch seine Industriegeschichte sollten in Vergessenheit geraten. Nur einige Meter von der „Sint-Servassbrug”, der ältesten Fußgängerbrücke der Niederlande, wurde aus der ehemaligen Sphinx-Fabrik eine Art Studentenwohnheim, in dessen oberster Etage sich, im achten Stock, die einzige Rooftopbar in Maastricht befindet. Doch bevor Sie in den Aufzug steigen, lassen Sie sich im Erdgeschoss die „Sphinx-Passage” nicht entgehen. Hier wird auf 120 Meter Länge und zirka 30.000 Kacheln die ganze Geschichte des Maastrichter Keramikunternehmens erzählt. Eine Premiere, denn es handelt sich angeblich um das längste Fliesentableau der Niederlande.

Maastricht ist eine Kleinmetropole die Mitten im Wandel steht.

Maastricht ist eine Kleinmetropole die Mitten im Wandel steht.

Acht Etagen höher können Sie nun Maastricht aus einer ganz neuen Perspektive entdecken. Eine bis dahin für viele Besucher unbekannte Aussicht, denn, wie schon erwähnt, handelt es sich hier um die einzige Rooftopbar der Stadt. Hier können Sie ganz entspannt einen Longdrink genießen oder sich für ein köstliches Lunch oder Abendessen entscheiden. Im Innern herrscht dieser Mix aus Industriedeko und modernem Touch. Ein Stil, der nicht unbedingt für große Überraschung sorgt, weil er mittlerweile viel zu verbreitet ist. Trotzdem möchte man auch im Innenraum Zeit verbringen, denn der herrlich schöne und weite Ausblick über die Altstadt, die Maas und ihre zahlreichen Brücken, der dank der riesigen Glasfenster gleich aus mehreren Blickwinkeln möglich ist, ist der alles entscheidende Punkt, der die Gäste mit großer Wahrscheinlichkeit anzieht. Das ist unbestreitbar.

Fotos: Wendy Vluggen (Eetcafé Aon ’t Bat, 2), Bert Kaufmann, Jorge Franganillo, Guy Houben, privat

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Jérôme Beck

Journalist

Ressorts: Wissen, Lifestyle

Author: Dario Herold