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Le tout nouveau testament

In den Hauptwettbewerb hat es Jaco Van Dormaels neuer Film bei den Festspielen in Cannes zwar nicht geschafft, aber stattdessen kämpft die Luxemburger Koproduktion in der Kategorie „Quinzaine des Réalisateurs“ um die Gunst der Jury.

Foto: Ricardo Vaz Palma

Es gibt ihn also tatsächlich: Gott. Er lebt in Belgien und ist ziemlich gemein zu seiner Frau und seiner Familie. Das behauptet jedenfalls die 12-jährige Tochter Ea, der es nicht gefällt, dass immer nur von ihrem Bruder die Rede ist, und die sich nun an ihrem Vater rächen will, indem sie die Todesdaten sämtlicher Menschen auf Internet veröffentlicht. Soviel zum Inhalt des Films „Le tout nouveau testament“, der zum größten Teil in Luxemburg gedreht und von Juliette Films (David Grumbach) koproduziert wurde. Und wer könnte einen kaltschnäuzigen, unsympathischen und durchgeknallten Gott besser darstellen als Benoît Poelvoorde. Er hat bereits u.a. einen Serienkiller, einen Rekordjäger, einen Psychopathen, einen Romantiker und den Sänger Claude François gespielt und schreckt – trotz wiederholter Drohung, mit der Schauspielerei aufzuhören – vor keiner neuen Herausforderung zurück. An seiner Seite sind in weiteren Hauptrollen Yolande Moreau, Catherine Deneuve und François Damiens zu sehen, während der Luxemburger Marco Lorenzini eine Nebenrolle als Clochard übernimmt. Aufmerksame Zuschauer werden zudem Hervé Sogne, Luc Schiltz, Gabriel Boisanté und andere Darsteller aus dem Großherzogtum erkennen. Regie führt der Belgier Jaco Van Dormael, der in Cannes kein Unbekannter ist. 1991 gewann er mit seinem wahrhaft magischen Debüt „Toto le héros“ die „Goldene Kamera“ und 1996 wurde die Tragikomödie „Le huitième jour“ für die beiden Schauspieler Daniel Auteuil und Pascal Duquenne, ein junger Mann mit Down-Syndrom, ausgezeichnet. Anschließend zog er sich in die Theaterwelt zurück. Ob er mit seinem surrealistischen Märchen erneut Glück auf der Croisette haben wird, bleibt abzuwarten. Der Auswahljury der „Quinzaine des réalisateurs“ scheint der Streifen jedenfalls gefallen zu haben.

www.festival-cannes.com

Gabrielle Seil

Journalistin

Ressort: Kultur

Author: Martine Decker

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