Architektur bestimmt das Leben in Städten und von Menschen. Doch wer steckt hinter den oft gar nicht mehr wahrgenommenen historischen oder modernen Bauwerken? Im Bildband „Vertical Luxembourg“ sind die markantesten Gebäude (und ihre Schöpfer) vereint.
Es gibt in Luxemburg-Stadt zwar weder gigantische Wolkenkratzer, die schier unendlich in den Himmel ragen, noch Schlossruinen, in denen der Geist des Mittelalters wohnt, aber trotzdem warten nahezu überall Bauwerke mit ganz eigenen Formen und Farben darauf, entdeckt zu werden. „Et ginn net vill Fotosbicher, déi sech mat der Architektur vun der Stad Lëtzebuerg beschäftegen“, so Christof Weber, von dem der Großteil der Aufnahmen in dem neuen Bildband „Vertical Luxembourg“ stammen. Dass ihm freistand, für welche Motive und welche Sichtweise er sich bei diesem Projekt entscheiden würde, hat dem seit 1992 in Luxemburg lebenden und arbeitenden Fotografen genauso gut gefallen wie die Tatsache, dass der Grafiker des Verlags im Nachhinein Doppelseiten mit visuell zueinander passenden Bildern konzipiert hat. So findet sich das Schloss von Septfontaines in Rollingergrund neben dem Hauptbahnhof, das Café Santos in der hauptstädtischen Grand-Rue neben dem Gerichtshof der Europäischen Union auf Kirchberg, der Vauban-Turm unter der Roten Brücke neben einer grauen Betonwand, aus welcher zwei Videokameras ragen.
Da Christof Weber oft am frühen Morgen oder späten Abend mit seiner Kamera unterwegs gewesen ist, verirren sich nur sehr selten Menschen vor seine Linse. Was aber auch Teil des Konzepts ist. „Vertical Luxembourg“ ist keine Sammlung von Momentaufnahmen, sondern ein sich aus bekannten und architektonisch interessanten Gebäuden zusammensetzendes Mosaik, das zeigt, dass Architektur weit mehr ist als bloß funktionell. Gleichzeitig scheinen die Fotografien die Aussage der russisch-amerikanischen Bestsellerautorin Ayn Rand zu bestätigen, dass jeder Mensch sich die Welt nach seinem eigenen Bild baut: leidenschaftlich, wagemutig und zielstrebig. Und so verkörpert der fiktionale Held in ihrem Roman „Der ewige Quell“ die gängige Vorstellung von einem Avantgarde-Architekten als getriebenes Genie, das danach strebt, die Schranken der Konvention zu durchbrechen. Da die Figur des Howard Roark zum Teil an Frank Lloyd Wright angelehnt ist, gelingt es der Schriftstellerin nicht wirklich, die Komplexität der Baukunst zu erfassen. Architektur ist nämlich Teamwork und verlangt eine enge Zusammenarbeit vieler Köpfe. Und Hände.
Christof Weber nimmt Räume anders wahr, spielt mit Formen und Linien sowie mit Spiegelungen und dem Kontrast zum Himmel.
Ein Bauwerk des Architekten des Soloman R. Guggenheim Museums in New York gibt es in Luxemburg nicht zu bestaunen, stattdessen lernt man die Arbeit von Luxemburger Bauherren und Projektbüros zu schätzen: der Wasserturm von Jim Clemes Architectes in Gasperich, das Flughafengebäude von Paczowski & Fritsch Architectes, die Philharmonie von Christian de Portzamparc.






Christof Weber



