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Malen, Lesen, Lernen

Jeremy Pendle wollte eigentlich nur eine Gutenachtgeschichte für seine Kinder schreiben, nun ist die Geschichte um „Taz den Draach an den Här Smiff“ im Handel zu finden. Ein mehrsprachiges Kinderbuch, das zum Malen einlädt.

Ein Mann mit Brille und ein Drache stehen vor einer farbenfrohen Landschaft, sie sind mit Pinseln und Buntstiften ausgestattet. Die beiden freundlich dreinblickenden Gesellen sind in Schwarzweiß abgebildet, über ihnen der Schriftzug „Taz den Draach an den Här Smiff”, dazu eine Übersetzung in Englisch. Ein gewöhnliches Malbuch? Nicht ganz. Denn die Geschichte um den tollpatschigen Drachen, der ohne es zu wollen, ziemlich viel Chaos verbreitet und in Herrn Smiff dennoch einen guten Freund findet, stammt aus der Feder von Jeremy Pendle. Und der hatte eigentlich, als die Geschichte entstand, gar nicht vor, sie zu veröffentlichen.

„Als meine Kinder noch klein waren, habe ich ihnen vor dem Einschlafen Bücher vorgelesen. Irgendwann kam mir die Idee, eine ganz eigene Geschichte für sie zu erfinden”, so der vierfache Vater, der als Kind die Geschichten von Tom und Jerry mochte. Gesagt, getan. Er schrieb seine eigene kleine Geschichte nieder und bald unterhielten Taz und Herr Smiff seine Kinder. In Englisch, denn Jeremy Pendle ist Brite.
Das war vor 15 Jahren. Danach verschwand die Geschichte in einer Schublade – und tauchte erst 2019 wieder bei einem Umzug auf. „Als ich sie noch einmal las, dachte ich mir, dass die doch eigentlich gar nicht so schlecht ist und man sie veröffentlichen könnte”, erzählt der pensionierte Informatiker, der zu diesem Zeitpunkt bereits Erfahrung mit dem Verfassen von Büchern gesammelt hat. „Nature’s Final Secret”, ein populärwissenschaftliches Sachbuch für Erwachsene stammt ebenfalls aus seiner Feder.

Doch zurück zu Taz. Die Version, die im Herbst des vergangenen Jahres beim Verlag „Op der Lay“ erschien, ist noch etwas ausgefeilter als die, die er für seine Kinder entwarf. Neben dem englischen gibt es auch einen luxemburgischen Text. Der Grund: „Wir leben in einem mehrsprachigen Land, ich wollte ein Buch schreiben, das viele Menschen anspricht.”

Simone Biewer, Jeremy Pendles Ehefrau und Englischlehrerin, hat den Text ins Luxemburgische übersetzt. Denn obwohl er Luxemburgisch-Kurse besucht und die Sprache auch gut beherrscht, hat er sich das nicht zugetraut. Auch für die Bebilderung suchte er sich Unterstützung. Dabei malt der 61-Jährige in seiner Freizeit, besucht Zeichenkurse. Kunst, Porträts und Aktmalerei zählen zu seinen Hobbys. Doch im Comicstil malen, das könne er nicht, meint er. Dabei spielten genau die eine große Rolle im Buch, wie er sagt. Anders als in gewöhnlichen Kinderbüchern sind die Zeichnungen in Pendles Buch, die den Drachen mal in seiner Höhle, mal in Herrn Smiffs Haus zeigen, nicht bunt. „So haben auch schon die jüngeren Kinder etwas davon, denn sie können die Bilder ausmalen”, erzählt Jeremy Pendle.

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Nicht nur Kinder, auch ältere Menschen können sich mit dem Buch amüsieren.

Ein professioneller Illustrator setzte seine Vorstellungen um. „Das hat schon viel Arbeit bereitet”, sagt der 61-Jährige. Denn Bilder und Sprache sollen leicht verständlich sein, bei der Umsetzung komme es auf die kleinen Details an. „Die Geschichte soll man auch verstehen können, wenn man kein Luxemburgisch oder Englisch kann beziehungsweise diese Sprachen lernen will. Darum war es mir wichtig, bei den Bildern auf die Details zu achten und das, was im Text steht, vereinfacht darzustellen”, erklärt der Hobbyautor.

Das Buch, in einer ersten Auflage 750-mal bei „Op der Lay“ gedruckt, komme gut an. Nicht nur auf Veranstaltungen wie der Frankfurter Buchmesse oder den Walfer Bicherdeeg, wo ein kleines Mädchen ihm etwa sagte, dass sie sein Buch wunderschön fände, wie er grinsend erzählt. Eine Freundin seiner Frau, eine Grundschullehrerin, hat ihren Schülern eines Cycle 2 das Buch vorgestellt und ihnen die Bilder zum Ausmalen gegeben. Das Resultat lässt sich sehen. In den unterschiedlichsten Farben strahlt einem der Drache auf Kopien der entstandenen Meisterwerke nun entgegen. Doch nicht nur Kinder, auch ältere Menschen können sich mit dem Buch amüsieren. „Wir haben meiner Mutter das Buch geschenkt. Sie ist 90 Jahre alt. Und als ich ihr es gab, wollte sie gar nicht abwarten, sondern begann gleich damit, die Bilder auszumalen”, bestätigt Simone Biewer. „Und sie lernt so ja vielleicht auch noch etwas Englisch, ich finde das super“.

Weil Jeremy Pendle es wichtig ist, so viele Menschen wie nur möglich zu erreichen, weil man so ja auch neue Sprachen lernen könne, gibt es auch eine englisch-französische Version. Die ist im Sommer bei Editions Persée erschienen. Doch der Hobbykünstler hat noch nicht genug. Auch auf Spanisch soll es erscheinen und vielleicht auch auf Deutsch, eventuell im Eigenverlag, so der Autor, der bereits Ideen für eine Fortsetzung der ersten Geschichte sammelt.

„Taz wird vielleicht auf Reisen gehen”, erzählt er schmunzelnd. „Aber wie das genau aussehen soll, muss ich mir noch überlegen”. Noch will er erst mal abwarten, wie das aktuelle Buch ankommt. „Es ist ja auch nur ein Hobby”, sagt er bescheiden und greift zum Buch. „Et wor eemol een Draach, deen an enger riseger Hiel gelieft huet, wäit ewech an de Bierger. Säin Numm war Taz.” Als Jeremy Pendle dann daraus vorliest, mit sanfter Stimme aber mit Elan, und das RRRooooaaaarrr des Drachen zum Besten gibt, da glaubt man ihm auf Anhieb, dass dieses Buch ein Herzensprojekt ist.

Text: Cheryl Cadamuro, Fotos: Philippe Reuter, Iulian Thomas, Simone Biewer, Éditions Op der Lay

web_Cover_JDPendle_Taz_r1-KopieTaz den Draach an den Här Smiff
ISBN: 978-2-87967-249-6
Verlag: Op der Lay
Preis: 9,90 Euro

Author: Dario Herold

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