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Mission Seeüberquerung

Peter Sichrowsky führt mit Leidenschaft ein Hotel am Millstätter See. Jede Woche lädt er Gäste dazu ein, mit ihm durch den See zu schwimmen.

Zwischen Planschen und Schwimmen liegen bekanntlich Welten. Mit der richtigen Technik, grundlegendem Basis wissen und einer soliden Selbsteinschätzung ließe sich der ein oder andere Badeunfall vermutlich vermeiden. Dabei sind es meist nur kleine Änderungen im Bewegungsablauf, die für mehr Sicherheit und Spaß im Wasser sorgen. Das weiß auch Peter Sichrowsky (39). Der Hotelier aus Millstatt motiviert Gäste zur gemeinsamen Seeüberquerung und bietet den ganzen Sommer über Schwimmkurse an – zur Vorbereitung, zur Verbesserung oder einfach nur so. Mit dabei: sein Vater Ulrich (73), die Wasserrettung und jede Menge Kärntner Charme.

„… drei, zwei, eins, los!“, ruft Peter vom Ruderboot aus und zwölf Menschen stürzen sich ins klare Wasser des Millstätter Sees. Die Augen sind fest auf das Ziel gerichtet, das genau 1042 Meter entfernt liegt. Vom Hotel Villa Postillion ging es eben noch gemütlich im Ruderboot ans andere Ufer, jetzt müssen die Teilnehmer aus eigener Kraft wieder zurück. Doch nur keine Hektik. Den eigenen Rhythmus finden, an lange Gleitphasen und ans Atmen denken. Das waren die Tipps von Profi Julia Maderthaner (31). Die mehrfache Kärntner Landesmeisterin leitet die örtliche Schwimmschule und gibt für die Gäste der Villa Postillion Kurse – sodass sich auch jeder gut auf die Seeüberquerung vorbereiten kann.

Neben der Wasserrettung begleiten drei Ruderboote die Schwimmer. Vorneweg Peter, in der Mitte seine Frau Inna (35) und hinten Papa Ulrich, der das gemeinsame Schwimmen vor mehr als 30 Jahren ins Programm des familiengeführten Hotels aufgenommen hat. Seitdem ist er jeden Samstag mit dabei: „Das gehört einfach schon dazu und es hält mich jung, weil das Wasser so gesund ist“, lacht er, holt ein Glas aus der Tasche, füllt es mit Seewasser und trinkt genüsslich. „Ihr schwimmt in Trinkwasser“, ruft er und hebt sein leeres Glas in die Luft.

Nicht nur Ulrich ist mit voller Hingabe dabei. Sein Sohn Peter – mittlerweile Hotelchef der Villa Postillion und des dazugehörigen Familienhotels Post – nimmt seine Gäste gerne mal mit auf Entdeckungstour. Der See spielt dabei immer eine große Rolle. Kein Wunder, denn die Fischgründe am Südufer hat die Familie vom Ururgroßvater geerbt – dem letzten K.u.K.-Hoffischer. Jeden Tag fährt Peter mit dem Ruderboot raus und holt die Reinanken für die Hotelküche aus dem Netz, zwei- bis dreimal wöchentlich begleiten ihn Besucher. Und die schönsten Aussichten auf den Millstätter See zeigt er am liebsten bei einer Mountainbike-Tour. Dabei passt er die Routen immer ans Niveau der Teilnehmer an und probiert spontan auch mal neue Wege aus. „Wir lassen unsere Gäste einfach gern an Dingen teilhaben, die uns selbst Freude machen“, sagt Peter.

 

Daher das Schwimmen, wofür der Millstätter See wie geschaffen ist. Hier fahren nur 15 motorisierte Boote und auch die Strecke stimmt: „Am Hotel ist der See nur etwa einen Kilometer breit. Das ist eigentlich für jeden zu schaffen, aber trotzdem eine Herausforderung.“ Für die meisten jedenfalls: Denn der Rekord liegt bei nur knapp 15 Minuten – aufgestellt von einer jungen Leistungsschwimmerin.

Im Durchschnitt brauchen Gäste eine halbe bis dreiviertel Stunde. Und Peter? „Mein Rekord liegt bei 22 Minuten“, erzählt er stolz und ergänzt schnell: „Das ist jetzt aber auch schon wieder ein paar Jahre her.“

Peter Sichrowsky nimmt die Startzeit bei der Seeueberquerung

Peter Sichrowsky nimmt die Startzeit bei der Seeueberquerung

„Los, das schaffst du!“, Peter steht mittlerweile am Steg seines Hotels und feuert die Gäste auf den letzten Metern an. Die meisten kennt er sogar mit Vornamen – gerade bei der Seeüberquerung machen oft Stammgäste mit. Besonders interessant ist es für die, die das zweite oder dritte Mal dabei sind, denn seit 1987 führt Familie Sichrowsky ein Buch, in dem alle Namen und Zeiten eingetragen werden. „Dann wollen sie immer wissen, ob sie vielleicht besser geworden sind“, erzählt Peter und hilft einem Teilnehmer aus dem Wasser.

Egal ob neuer Rekord oder nicht, am schönsten ist es für Peter und Ulrich, wenn die Schwimmer Spaß haben und stolz sind, wenn sie den Kilometer geschafft haben. Darum bekommt auch jeder eine Urkunde. „Und die Badehaube“, sagt Peter, zückt eine knallorangene Kappe und schreibt die erreichte Zeit darauf. „Beim nächsten Mal wieder mitbringen, dann kommt die neue Zeit dazu.“

Jeden Samstag um 11 Uhr haben Urlauber von Mitte Mai bis Ende September Gelegenheit, mit Peter und Ulrich über den See zu rudern und anschließend hinüber zu schwimmen. Wer nicht in der Villa Postillion am See oder im Familienhotel Post wohnt, kann zu bestimmten Terminen bei der Seeüberquerung mitmachen.

Text & Fotos: Markus Kirchgessner

Anreise:

Mit der Bahn: Stuttgart – Spittal; 6-7 Stunden mit Umstieg in München; von dort mit dem Taxi
oder Abholung durchs Hotel, ca. 20 min

Mit dem Pkw: Stuttgart – München – Salzburg – Millstatt; 515km; 5-6 Stunden

Unterkunft:

Villa Postillion am See, Kaiser-Franz-JosefStraße 106, 9872 Millstatt, Österreich, Tel.: +43 4766 25 52, info@villa-postillion.at, www.villa-postillion.at

Geschmackvoll eingerichtetes Hotel direkt am See gelegen. 34 Zimmer mit Eichenparkett und klarem Design. SPA-Bereich mit Kräutersauna, Dampfbad, etc. Der Hit: die finnische Seesauna direkt am Wasser. Das Doppelzimmer mit Frühstück, Süd-Balkon und Traumblick aufs Wasser ab 76 Euro pro Person.

Familienhotel Post, Mirnockstrasse 38, 9872 Millstatt, Österreich, Tel.: +43 4766 2108, www.familienhotelpost.com, Doppelzimmer mit Frühstück ab 126 Euro.

Liebevoll eingerichtetes Hotel, das sich an Familien mit Kindern richtet, etwa 200m vom See entfernt, die Gäste können den Badestrand der Villa Postillion benutzen. Bauernhofbesuche oder erste Angelerlebnisse für den Nachwuchs.

Hotel Villa Postillio

Author: Philippe Reuter

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