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Mister Consistency

Claude Strotz fischt seit mehr als 40 Jahren und seit über 20 Jahren mit der Fliege. Darin sammelte der Meister der Konstanz mittlerweile 16 Landesmeistertitel. Wir haben mit ihm über das Fliegenfischen, den Weg zum 17. Titel und die bevorstehende WM gesprochen.

Die Sonne ist erdrückend, als ich auf dem kleinen Parkplatz neben der Kirche im idyllischen Langsur ankomme. Den genauen Weg zur Kirche konnte mir Google Maps nicht beschreiben. Gut, dass das Dörfchen jenseits der deutschen Grenze und gegenüber von Wasserbillig überschaubar ist. Dort angekommen dauert es keine fünf Minuten, bis ein grauer Van neben mir Platz nimmt. Nur kurz blickt der Fahrer zu mir rüber. Unsicher fragt er: „Kann das sein, dass Sie meinetwegen hier sind?“ und steigt aus dem Wagen.

Knapp eine Stunde und ein Gespräch über seine Leidenschaft fürs Fliegenfischen später steht Claude Strotz im Wasser. Wir haben Glück. An dem frühen Mittwochnachmittag sind noch nicht viele Leute unterwegs entlang der Sauer in Langsur. Für den Laien hat das Handling der Angel etwas Bizarres. Fast schon in Lassomanier schwingt Strotz die Schnur über seinem Kopf, wartet auf den perfekten Moment und wirft dann seinen Köder aus.

Diese besondere Technik erfordert einiges an Erfahrung: „Es ist eine Frage der Übung und des Gefühls. Aber wenn man es einmal draufhat, funktioniert es auch immer wieder.“ Das Besondere am Fliegenfischen ist das Gewicht

„Das Timing ist alles. Man muss auf den Moment warten, in dem die Angelspitze so unter Spannung steht, dass die Schnur tatsächlich fliegt.“ 
Claude Strotz über die besondere Technik des Fliegenfischens

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des Köders. Das ist nämlich so gering, dass es sich nicht zum Wurf eignet. Das Auswerfen der Schnur erfolgt über ihr Eigengewicht und das Finden des perfekten Moments: „Timing ist alles. Man muss auf den Moment warten, in dem die Angelspitze so unter Spannung steht, dass die Schnur tatsächlich fliegt.“

Der Fisch reagiere dann auf den Reiz, der durch das Platschen des Köders im Wasser, die Kontur der Fliege oder deren Bewegung ausgelöst wird. Und dem Köder hat das Fliegenfischen auch ihren Namen zu verdanken: „Unsere Köder simulieren eine Fliege, eine Larve oder einen kleinen Fisch. Das hängt davon ab, mit welcher Art von Köder man arbeitet. Es gibt Nymphen, die eine über den Boden schwimmende Larve imitieren. Es gibt trockene Fliegen, die eine eierlegende Fliege darstellen und es gibt die sogenannten Streamer, die Larven oder Fische im Wasser darstellen sollen.“

Strotz selbst hat zigtausende Köder und den Großteil davon selbst gebunden: „Man kann sich die Köder auch kaufen. Das Problem ist, wenn man im Wettbewerbsfischen mithalten will, ist es absolut notwendig, dass man sie selbst binden kann. Dort kann es passieren, dass man einen Köder findet, der gut funktioniert und den dann verliert oder er kaputt geht. Dann muss man sich auf die Schnelle einen neuen binden können.“ Für einen Köder braucht Strotz heute je nach Komplexität drei bis zehn Minuten, am Anfang ging das nicht so schnell.

Und der Anfang ist eine interessante Geschichte. Strotz wuchs in Bech-Kleinmacher auf. In seiner Familie gab es damals keinen weiteren Verbindungspunkt zum Fischsport „Wir haben direkt an der Mosel gewohnt. Ich konnte also jeden Tag die Fischer beobachten und wollte das dann auch ausprobieren. Mit acht Jahren stand ich dann selbst an der Mosel mit meiner Bambusangel, vier Jahre später habe ich meine Lizenz beim Fischerverband gemacht.“ Sonderlich er-folgreich war Strotz damals nicht.

Die tatsächliche Erfolgsgeschichte von Strotz als Sportler beginnt erst fast 20 Jahre später. Um das Jahr 1995 erfüllten sich Strotz und seine Frau den Wunsch vom Eigenheim in Wecker, direkt an der Syr. „Damals kam einer meiner guten Freunde vorbei und meinte, dass ich über meinen Garten einen super Zugang zum Fliegenfischen in der Syr hätte. Also habe ich es ausprobiert und mich sofort in den Sport verliebt. Es verging nicht viel Zeit, bis ich mir eine Angel zugelegt hatte.“

„ Natürlich bin ich nicht mehr ganz so verbissen wie früher. Aber wenn ich nicht gewinnen wollen würde, dann würde ich nicht an einem Wettbewerb teilnehmen.“ 
Claude Strotz über die Jagd nach dem 17. Meistertitel

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Drei Jahre später stieg er im Fischerverband ein, als Sekretär für die Sektion Fliegenfischen. Seinen Stempel drückt er dem Fliegenfischen jedoch immer noch vor allem sportlich auf. Seit seiner ersten Meisterschaft (1998), in der er sich gleich den Titel sicherte, hat Strotz 16 Meistertitel und etliche weitere Podiumsplätze ergattert. Auch in diesem Jahr steht Strotz in der Halbzeit auf dem ersten Platz: „Natürlich bin ich nicht mehr ganz so verbissen wie früher. Aber wenn ich nicht gewinnen wollen würde, dann würde ich nicht an einem Wettbewerb teilnehmen.“

Die Luxemburger Meisterschaft findet in vier Etappen statt. Zweimal wird an Seen gefischt, zweimal in der Sauer. Die Plätze werden zufällig zugeordnet und während einer Etappe auch mindestens einmal (am Fluss) oder gleich mehrmals (am See) gewechselt. „Natürlich spielt das Glück auch eine gewisse Rolle. Ohne das nötige Glück wirst du nicht Landesmeister. Aber dieser Faktor ist dann doch relativ klein. Man muss nur bedenken, dass in den letzten Jahren immer die gleichen Fischer oben standen, um zu erkennen, dass es vor allem ums Können geht.“

Und dieses Können will Strotz nicht nur in nationalen Gewässern unter Beweis stellen. In rund einem Monat reist er als Kapitän der Masters-Nationalmannschaft nach Italien. „Die Masters sind die Kategorie der über 50-Jährigen. Wir fischen dort im Fünferteam. Normalerweise werden ungefähr 20-25 weitere Nationen dabei sein.“ Mit etwas Glück rechnet sich Strotz einen Platz unter den Ersten 20 aus, viel mehr wäre als Luxemburger nicht möglich. Bei seinem allerersten internationalen Turnier, der Europameisterschaft 2001, stand Stotz lange Zeit auf Rang vier, ehe er auf den 19. Platz abrutschte. Stolz erzählt er heute noch: „Aber ich habe damals den größten Fisch der EM gefangen.“

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Wie es in Luxemburg mit dem Fliegenfischen weitergeht, ist schwer zu sagen. „Ähnlich, aber wahrscheinlich noch schlimmer als in anderen Sportarten fehlt uns der Nachwuchs. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass der Einstieg mit hohem finanziellem und zeitlichem Aufwand verbunden ist“, fasst Strotz die Situation zusammen. Der „Nachwuchs“ der Fliegenfischer wäre mittlerweile auch schon Ende 20, eher sogar Anfang 30. Aber wenn Claude Strotz, der mittlerweile von der Flexibilität der Rente profitiert, so enthusiastisch und konstant weiterfischt wie bisher, braucht es zumindest für den Meister der Konstanz so schnell keinen Nachfolger.

Text: Daniel Baltes
Fotos: Georges Noesen

 

Author: Dario Herold