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Mobile (R)evolution

Im Web surfen, Emails schreiben, fotografieren, daddeln und telefonieren: Smartphones sind aus dem Alltag kaum mehr wegzudenken. Das Museum für Kommunikation in Frankfurt widmet dem Alleskönner eine virtuelle Ausstellung.

Vor 25 Jahren kam ein Gerät auf den Markt, das die Art zu kommunizieren für immer verändern sollte. Der Nokia 9000 Communicator. Mit aufklappbarer Tastatur sah das Ding aus wie ein kleiner Computer für die Hosentasche. Was er auch war – immerhin konnte man mit diesem zum allerersten Mal kabellos ins Internet.

Grund genug für das Museum der Kommunikation in Frankfurt, das zur Museumsstiftung Post und Telekommunikation gehört, eine virtuelle Ausstellung auf die Beine zu stellen, die Interessierte mitnimmt auf eine Reise durch die Zeit der mobilen Geräte. „Den Marktstart des Nokia 9000 Communicators im Jahr 1996 und damit die Geburtsstunde der multifunktionalen internetfähigen Handys, also Smartphones, nahmen wir zum Anlass, die Ausstellung zu starten. Hinzu kam, dass wir einen Teil unserer umfangreichen Sammlung der Öffentlichkeit präsentieren wollten.“ Das sagt Joel Fischer, Kurator der Ausstellung, die ausschließlich online zu bestaunen ist.

Zu sehen sind unter anderem Geräte, die die Geschichte des Smartphones prägten, aber auch ganze Gerätereihen von privaten Nutzern.

Der digitale „Expotizer“ umfasst mehrere Teile: Smart Storys, Smartphonegeschichte, Digitaler Alltag sowie der Aufruf „Smartphone.25 – Erzähl mal!“ Zu sehen sind auf der Seite des Museums unter anderem Geräte, die die Geschichte des Smartphones prägten, aber auch ganze Gerätereihen von privaten Nutzern, die dem Sammlungsaufruf des Museums gefolgt sind. „Die hauseigene Sammlung besteht aus circa 1.500 Geräten, die wir durch eine Auswahl der insgesamt 109 Einsendungen erweitern konnten“, erklärt Joel Fischer.

Team-Sammlung-Heusenstamm-Joel-Fischer_g-KopieDarunter befinden sich 13 geschlossene Handy- und Smartphonereihen, die sämtliche Geräte umfassen, die ein Nutzer im Lauf seines Leben verwendet hat. Drei davon sind bereits in dem Bereich „Smart Storys“ veröffentlicht. Vier weitere werden im kommenden Jahr noch folgen. Außerdem wurden elf Einzelstücke in die Sammlung aufgenommen, die eine besonders spannende Nutzungsgeschichte haben. Zum Beispiel die Geschichte von einem Samsung Galaxy Note, das von einer älteren Frau benutzt wurde, die taubstumm ist. Ohne das Gerät könnte sie nur eingeschränkt mit anderen kommunizieren. Vor kurzem hat sich ein Handy-Sammler gemeldet, er will dem Museum noch seine gesamte Sammlung – 1.500 Geräte – übergeben, wodurch Lücken in der Sammlung geschlossen werden können.

Die hauseigene Sammlung besteht aus circa 1.500 Geräten, die wir durch eine Auswahl der insgesamt 109 Einsendungen erweitern konnten. Joel Fischer

Aber zurück zum 25-jährigen Jubiläum. Der Bereich Smartphonegeschichte nimmt Besucher mit auf eine Zeitreise. Von Sonys Magic Link Pic-1000 über das Ericsson R 380 und das Blackberry 7230 bis zum ersten iPhone – mit kleinen Texten und den dazugehörigen Bildern erfährt der digitale Besucher mehr über die Entwicklung der Geräte im Laufe der Zeit und deren jeweilige technische Möglichkeiten.

Abb_6-KopieDoch es geht insgesamt um noch mehr: „Die Ausstellung soll auch dazu anregen, sich Gedanken zu machen über die Bedeutung des Smartphones im Alltag“, so Joel Fischer. Um so viele Objekte und Informationen wie nur möglich zu sammeln, ist es als partizipatives Projekt angelegt. Mit dem Ausstellungsteil „Überall und digital“ können Nutzer dem Museum Screenshots zusenden, die in die Sammlung aufgenommen werden sollen. „Dort gibt es auch eine Aktivität, die „Smartivity“, wo Nutzer dazu aufgerufen werden, das Smartphone für 24 Stunden auszuschalten, um das persönliche Verhältnis zu dem Gerät zu überprüfen“, so Joel Fischer weiter. Denn nicht zuletzt der kritische Umgang mit den mobilen Alleskönnern solle durch die Ausstellung vermittelt werden.

Bis Ende 2021 läuft der Sammlungsaufruf des Museums für Kommunikation in Frankfurt noch, auch Geschichten und Geräte aus Luxemburg sind in der Sammlung willkommen. Dazu reicht es, das Online-Formular auf der Seite smartphone25.museumsstiftung.de/sammlungsaufruf auszufüllen und die Geräte nach Absprache mit dem Museum einschicken.

Text: Cheryl Cadamuro // Fotos: Bildfolio, Museum für Kommunikation (Bert Bostelmann)

Abb_7-KopieSmartphone-Nutzung in Luxemburg

In Luxemburg besaßen 94 Prozent aller Einwohner im Jahr 2018 ein Smartphone, wie aus der Studie „Global Mobile Consumer Survey 2018“ von Deloitte hervorgeht. Die Luxemburger waren somit besser ausgerüstet als ihre deutschen (89 Prozent), französischen (85 Prozent) und belgischen (84 Prozent) Nachbarn. Die beliebteste Smartphone-Marke war zu diesem Zeitpunkt Apple, 40 Prozent nutzten ein Android-Gerät. Laut der KIM-Studie 2020, die 2021 von Bee Secure veröffentlicht wurde, erhalten Kinder ihr erstes Smartphone hierzulande bereits im Alter von neun Jahren. 69 Prozent der Kinder zwischen 6 und 13 Jahren nutzen es derweil ohne die Aufsicht der Eltern.

Kleine Zeitreise
Manche einer bezeichnet den Simon von IBM als erstes Smartphone. Doch da das Gerät, das 1994 in den USA auf den Markt kam, nur durch Kabelanschluss internetfähig war, handelte es sich dabei eher um ein PDA denn ein echtes Smartphone.

Erst mit dem Nokia 9000 Communicator war es möglich, ohne Kabel eine Internetverbindung herzustellen. Viele Unternehmen zogen nach, Blackberry und Motorola etwa. Die ersten Geräte eigneten sich vor allem für Geschäftsleute, da sie mit den haptischen Volltasturen, Touchscreens und mitgelieferten Eingabestiften ihre Büros allzeit dabeihatten. Besonders beliebt waren die Blackberrys, da sie hohe Datenschutzrichtlinien mit sich brachten.

Private Nutzer sollten aber auch auf ihre Kosten kommen, und zwar mit Designs, die Spaß machen. Zu den ausgefalleneren Modellen zählten etwa das Palm Treo 180 (2002), das N-Gage von Nokia (2003, Foto unten) sowie die Sidekick-Serie von T-Mobile (2004).

2007 dann kam das iPhone. Tastatur und Stylus verschwanden, dafür gab es mehr Platz für den Bildschirm. Laut dessen Erfinder Steve Jobs steht das „i“ im Namen iPhone für die neuen Möglichkeiten des Internets und für individual, instruct, inform und inspire.

Andere Hersteller, etwa LG und HTC, verschwanden schließlich vom Markt, andere etwa Samsung, vergrößerten ihre Marktanteile. Doch egal, welche Marke, mittlerweile kann man mit den Geräten alltägliche Aufgaben erledigen. Fotoassistent, Navigationssystem, Dolmetscher, aber auch Smart-Home-Funktionen bzw. die Fernbedienung von Haushaltsgeräten, vereinfachen Nutzern den Alltag dank ausgefeilter KI-Systeme.

Die beliebteste Smartphone-Marke in Europa ist derzeit Samsung. Kein anderer Hersteller hat im dritten Quartal 2021 in Europa mehr Handys verkauft, wie aus einer Analyse des Marktforschungsunternehmens Counterpoint Technology Market Research hervorgeht. Aber wer weiß: Manche Klassiker, das Nokia 3310 und das Nokia 6310, haben eine funktionelle Überarbeitung erhalten und sind wieder im gewohnten Look im Handel erhältlich.

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Author: Philippe Reuter