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Musicals unter freiem Himmel

Es ist schon eine lange Tradition in Deutschland, Österreich und der Schweiz, Theaterbühnen im Sommer ins Freie zu verlegen. Dies gilt auch für Musicals. Revue stellt die Highlights der Open-Air-Saison vor.

Die Freiluftbühnen können auf eine über hundertjährige Geschichte zurückblicken. Bereits in den 1920er Jahren wurde in Deutschland unter freiem Himmel Theater gespielt. Eines der ältesten Beispiele ist die Waldbühne in Sohland an der Spree, die 1920 eröffnet wurde und dem Amateurtheater vorbehalten bleibt. Die meisten Freilichtstätten eröffneten jedoch in den 1950er Jahren. Anfangs wurden Theaterstücke, Opern und Operetten gespielt oder es traten bekannte Orchester, Sänger und Sängerinnen aut. Seit „Cats“ Mitte der 1980er Jahre die Bühnen Europas eroberte, ist das Genre des Musicals ein fester Bestandteil der Spielstätten geworden. Jährlich zieht es einige Hunderttausend Zuschauer in die Open-Air-Theater.
Etliche der Anlagen sind nicht mehr die jüngsten, so sollte man eine Sitzunterlage mitnehmen und die schnell Frierenden eine Decke, schließlich fallen zu später Stunde die Temperaturen. Bei den meisten Freilichttheatern ist zumindest der Zuschauerraum überdacht, so dass auch bei Regen gespielt wird, selbst wenn die Schauspieler nass werden. Die meisten Organisatoren bieten Regen-Capes an, sollten dunkle Wolken aufziehen. Die sanitären Anlagen sind oft knapp, so dass man sich am besten vor Beginn der Vorstellung umsehen soll, wo man in der Pause hinmuss. Lange Schlangen, besonders vor den Toiletten der weiblichen Besucherschaft, sind gang und gäbe.

In kleineren Städten gibt es nicht viele Restaurants oder Hotels, wenn überhaupt. Im Vorfeld eines Besuchs sollte man ebenfalls überprüfen, wo man etwas essen, übernachten und parken kann. Bei den meisten Open-Air-Theatern gibt es genügend Parkplätze, von denen einige ein paar Gehminuten vom Spielort entfernt sein können. Die Anfangszeiten variieren ebenfalls. Vormittags- oder Nachmittagsvorstellungen sind hauptsächlich für Kinder vorgesehen.

Tecklenburg ist die nördlichste Bergstadt Deutschlands. In der dortigen Burg befindet sich die seit 1924 bespielte Open-Air-Bühne mit rund 2.300 Sitzplätzen. Auf dem Programm stehen dieses Jahr die Musicals „Sister Act“ (24. Juni bis 11. September), „Der Besuch der alten Dame“ (22. Juli bis 9. September) und das neue Kindermusical „Der Zauberer von Oz“ (bis zum 24. August). Peti Van der Velde wird in „Sister Act“ Deloris Van Cartier spielen, Masha Karell die Mutter Oberin und ebenfalls – neben Thomas Borchert – die Hauptrolle in der Musical-Adaption von Friedrich Dürrenmatts Romanklassiker.

Mark Seibert in der Rolle des Robin Hood in Fulda

Mark Seibert in der Rolle des Robin Hood in Fulda

Ein neues Robin-Hood-Musical

In Fulda stehen zwar keine Open-Air-Aufführungen auf dem Programm, dennoch zählt das Schlosstheater zu den Spielstätten der Sommer-Musicals. Kein geringerer als der irische Sänger Chris de Burgh hat die Musik zum Musical „Robin Hood“ komponiert, zusammen mit Dennis Martin („Die Päpstin“). Die Geschichte dieser neuen Fassung wird überraschen und die Lieder begeistern. Mark Seibert spielt die Hauptrolle, Marle Martens seine Frau Marian und Christian Schöne den fiesen König John. In Fulda läuft dieses unbedingt sehenswerte Musical noch bis zum 16. Oktober. Dann vom 10. Dezember bis 7. Januar 2023 in Hameln. Informationen und Tickets unter: www.spotlight-musicals.de

In der Stiftsruine in Bad Hersfeld finden seit 1951 Festspiele statt. Vier Schauspiele und vier Konzerte stehen unter anderem auf dem Programm und die Reprise des Musicals „Goethe!“ (15. Juli bis 27. August), nach dem gleichnamigen Film von Philipp Stölzl. Martin Lingnau („Heiße Ecke“, „Das Wunder von Bern“) komponierte die Musik. Unter der Regie von Gil Mehmert spielen Philipp Büttner (Goethe) und Iréna Flury (Lotte).

Die Genovevaburg in der Stadt Mayen stammt aus dem 13. Jahrhundert. Sie beherbergt das Eifelmuseum mit dem Deutschen Schieferbergwerk. Seit 1987 finden in der Burg – mit Schauspielerlegende Mario Adorf als Pate – die Burgfestspiele statt. Die musikalische Adaption des Theaterstücks „Brigitte Bordeaux“ von Sergej Gössner wird in Uraufführung vom 2. Juli bis zum 21. August gezeigt. Die Musik komponierte Tom van Hasselt.

Die Gebrüder Grimm kamen in der hessischen Stadt Hanau auf die Welt. Traditionell beginnen die Brüder-Grimm-Festspiele mit einem Märchen, das auf die Welt der Erwachsenen zugeschnitten wurde. Dieses Jahr begeistert „Drosselbart“ (bis zum 30. Juli) im Amphitheater, gleich neben dem Schloss Philippsruhe. „Aladin und die Wunderlampe“ (bis 28. Juli) und „Brüderchen & Schwesterchen“ (bis 29. Juli) sind dagegen Musicals für Kinder.

In Bad Gandersheim finden seit 1952 die Domfestspiele statt. 1978 wurde das erste Musical, „Der Mann von La Mancha“, hier gespielt. Heute steht die Bühne vor der romanischen Stiftskirche. Auf dem Programm stehen die humorvollen Musicals „Monty Python’s Spamalot – Die Ritter der Kokosnuss“ (8. Juli bis 21. August) und „Der kleine Horrorladen“ (1. Juli bis 20. August), mit der Musik von Alan Menken, der auch „Sister Act“ komponierte.

Die Götzenburg, der Sitz des Götz von Berlichingen, ist das Wahrzeichen von Jagsthausen. Im Innenhof der Burg, die als Hotel eingerichtet ist, wird jedes Jahr Wolfgang von Goethes Schauspiel „Götz von Berlichingen“ aufgeführt, dieses Jahr mit Götz Otto in der Titelrolle. Auch hier steht das Monty-Python-Musical „Spamalot“ (bis 10. Juli) auf dem Spielplan.
Bis ins 13. Jahrhundert geht die Ge-schichte des Ettlinger Schlosses zurück. Seit 1979 wird im Schlosshof Theater gespielt. Das klassische Musical „The Pajama Game“ (23. Juni bis 6. August), mit der Musik und den Texten von Richard Adler und Jerry Ross, ist in Ettlingen programmiert.

Die Freilichtspiele Schwäbisch Hall fanden erstmals 1925 auf der Treppe vor der Kirche St. Michael statt. 1990 wurde mit „Jesus Christ Superstar“ das erste Musical hier aufgeführt. Ganz spektakulär sind die Aufführungen auf den Treppen, wo getanzt und gesungen wird. „Sister Act“ (20. bis 29. Juli) und „Der kleine Horrorladen“ (8. Juli bis 20. August) heißen die Musicals 2022. Auf der Kocherinsel wurde 2019 ein Theater-Neubau, das „Neue Globe“, eröffnet, in dem ebenfalls Stücke während der Festspielzeit gezeigt werden.

Der Bau des Magdeburger Doms begann im 13. Jahrhundert. Beim Domplatz-OpenAir wurde 2008 erstmals das Musical „Titanic“ gespielt. Das Musical „Rebecca“ von Michael Kunze und Sylvester Levay nach dem Roman von Daphne du Maurier wird dieses Jahr für volle Ränge sorgen. In den Hauptrollen sind Sybille Lambrich („Ich“), Patrick Stanke (Maxim de Winter) und Kerstin Ibald (Mrs. Danvers) zu sehen.

Das Rote Tor war ein Teil der Befestigungsanlage der Stadt Augsburg. Zusammen mit den Wallanlagen und dem Heilig-Geist-Spital bildet es den Hintergrund der über 2.100 Zuschauer fassenden Freilichtbühne, die erstmals 1928 bespielt wurde. Der Cole-Porter-Klassiker „Kiss Me, Kate“ (bis zum 9. Juli) und die Reprise des ausgezeichneten Fugger-Musicals „Herz aus Gold“ (17. bis 27. Juli) werden dieses Jahr die Zuschauer überzeugen.

Zwei der interessantesten Spielstätten befinden sich in der Schweiz, die eine im Thunersee, die andere direkt am Walensee. Auf der Seebühne in Thun steht „Io senza di te“ (13. Juli bis 27. August) auf dem Programm, ein Juke-Box-Musical mit den Liedern von Peter, Sue und Marc, einer 1968 gegründeten Schweizer Musikgruppe. Mit dem Bergmassiv des Churfirsten und dem See als Naturkulisse ist die Walensee-Bühne eine hinreißende Spielstätte. Bis zum 23. Juli werden die Hits aus „Flashdance“ die Zuschauer begeistern.

In Brüssel gibt es seit 1999 Open-Air-Musicals im Schloss Karreveld im Stadtteil Molenbeek. 2015 überraschte der Erfolg der französischen Fassung von „The Sound of Music“ die Organisatoren. Seitdem steht jedes Jahr ein Musical auf dem Programm. Dieses Jahr ist es die französische Fassung von Michael Kunzes und Sylvester Levays „Elisabeth“ (11. Juli bis 25. August).
Schließlich darf Wiltz als Open-Air-Theater nicht vergessen werden. Am 3. Juli um 15 Uhr wird das Kindermusical „Das Dschungelbuch“ von Timo Riegelsberger im Amphitheater des Wiltzer Schlosses Groß und Klein begeistern.

Text: Christian Spielmann, Fotos: Michael Mehle. Martin Mägli, Christian Tech

Die Bühne vor der romanischen Stiftskirche in Bad Gandersheim

Die Bühne vor der romanischen Stiftskirche in Bad Gandersheim

Weitere Musicals unter freiem Himmel

Wunsiedel: Luisenburg Festspiele
(www.luisenburg-aktuell.de)
Sister Act – bis zum 14. August
Zeitelmoos – Im Bann anderer Mächte (Uraufführung)
Musik: Eric Allaman; vom 8. Juli
bis 7. August

Cadolzburg
(www.cadolzburger-burgfestspiele.de)
Heiner, ein Musical (Uraufführung)
Musik: Matthias Lange; vom 23. Juni bis 30. Juli

Röttingen: Frankenfestspiele
(www.festspiele-roettingen.de)
Zorro
Musik: The Gipsy Kings; bis 21. August
Das Wirtshaus im Spessart
Musik: Franz Grothe ;
vom 30. Juni bis 19. August

Georgsmarienhütte:
Waldbühne Kloster Oesede
(www.waldbuehne-kloster-oesede.de)
Rock of Ages
Vom 8. Juli bis 2. September

Author: Dario Herold