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Picked out

Behescht

„Dem Mann, Koch von Beruf, Iñaki mit Vornamen, war nie kalt. Irgendwann wog er 267 Kilo. Da ließ er sich den Magen verkleinern. Innerhalb von sieben Monaten nahm er 135 Kilo ab. Endlich, zum ersten Mal seit Jahren, konnte er wieder lange Hose und Hemden tragen. Und Schuhe mit Schnürsenkeln. Und Socken.“ Dieser sehr kurze Roman mit dem Titel „Celebremos lo que somos“ ist eine von 97 weiteren Miniaturgeschichten, die in dem posthum erschienenen Buch „Behescht“ von Georges Hausemer vereint sind mit Bildern und Zeichnungen des Autors.

Bei capybarabooks, 25 Euro.

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Extrawurst

Früher habe ich mich oft lustig gemacht über meine Eltern, die ihr Abendessen ins Wohnzimmer verlegten, um keine Folge der SOKO-Reihe zu verpassen. Seit ich im Homeoffice arbeite, bin plötzlich auch ich ein Fan dieses TV-Dauerbrenners geworden und habe u.a. Hauptkommissar Arthur Bauer in mein Herz geschlossen. Dass ausgerechnet die „SOKO München“ Anfang des Jahres – trotz stabiler Einschaltquoten und großer Beliebtheit – mit der schwammigen Begründung einer „Modernisierung des Programms“ abgesetzt wurde, hat demnach nicht nur die Schauspieler hart getroffen, sondern auch mich. Doch es gibt Trost. Gerd Silberbauer gastiert in Marnach – dem Eifer von Leiterin Odile Simon sei Dank. „Präsidentensuite“ mit Andreas Hoppe (den ich übrigens auch liebend gern live auf der Bühne des Cube 521 gesehen hätte) fiel kurzfristig aus und wurde durch „Extrawurst“ ersetzt. In dieser Satire von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob spielt der Charakterdarsteller den Vorsitzenden eines Tennisvereins, dessen Mitglieder über die Anschaffung eines neuen Grills abstimmen sollen. Was eigentlich kein Problem wäre, gäbe es nicht einen Nutzungskonflikt: Erol darf als gläubiger Moslem nichts von einem Rost essen, auf dem Schweinefleisch zubereitet wird. So wird aus einer Kleinigkeit eine grundsätzliche Debatte, im Verlauf derer Vorurteile und Ängste hervorbrechen, die den ansonsten friedlichen Freizeitclub vor eine gefährliche Zerreißprobe stellen. Wie viele Rechte muss eine Mehrheit einer Minderheit einräumen? Sind Vegetarier eine Glaubensgemeinschaft? Muss man eine Religion tolerieren, wenn man sie ablehnt? „Wir wollten zeigen und spürbar machen, wie sich eine Gesellschaft zerlegen kann“, so die Autoren. Und tatsächlich haben sie bei einigen Vorstellungen erlebt, dass die Zuschauer sehr stark mitgegangen sind. Es geht in „Extrawurst“ nämlich um mehr als einen Grill. Es geht darum, wie wir zusammenleben. Zudem kommt deutlich zum Ausdruck, wie fließend die Grenzen zwischen Toleranz und Intoleranz, links und rechts, religiös und ungläubig sind. Ein satirisches Kabarettfeuerwerk, das sich herzhaft wenig um politische Korrektheit schert. Ein Theaterabend, an dem viel gelacht wird. Allerdings lacht nicht jeder über das gleiche. Regie führt Frank Matthus.

Am 28. Januar um 20 Uhr im Cube 521 in Marnach.

Gabrielle Seil

Journalistin

Ressort: Kultur

Author: Dario Herold

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