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Picked Out

Jazz im Blut

Späteinsteigerin, wie die Mutter so die Tochter oder Durchstarterin? Vermutlich treffen all diese Beschreibungen auf Lisa Simone zu. Eigentlich wollte sie nie in die Fußstapfen ihrer Mutter, der Jazzmusikerin Nina Simone, treten, nicht zuletzt, weil diese ihr mit ihren Psychosen und dauernder Abwesenheit keine leichte Kindheit beschert hat. Dazu beschwerte sie der alltägliche Rassismus, der sie in den USA umgab. Mit 20 ging Simone also zum Militär und sie sollte über 50 werden, bevor 2014 ihr erstes Soloalbum erschien. Inzwischen sind es derer drei, das neueste, „In Need of Love“, erschien im Oktober 2019. In zwölf Songs changiert sie von Soul zu Gospel und Blues, mischt afrikanische Klangelemente unter ihre zärtlich-rauchige Stimme und sucht – nach viel Ablehnung in vorherigen Songtexten – Versöhnung mit ihrer Mutter. Lisa Simone tritt am Sonntag, den 28. Februar, im Trifolion Echternach auf. Der Themenabend „Women in Jazz“ bietet auch dem Duo Claire Parsons & Eran Har Even eine Bühne. Das Konzert am Sonntag ist zwar ausverkauft, doch wird es im Livestream online übertragen – wie auch die anderen beiden Konzerte des Echter’Jazz Festivals. Das Festival findet vom 26. bis 28. Februar statt, mit Auftritten jeweils um 19 Uhr. Am Freitag heißt das Motto Bigband, wenn das Projekt „Zappa for ever“ von Thierry Maillard Bigband & David Linx sowie die Bigband Musique Militaire auf der Bühne stehen. Der Samstag ist dem Trio gewidmet. Mit dem Yonathan Avishai Trio schafft es einer der gefragtesten Pianisten der Szene auf das Programm. Ergänzt wird der Abend vom Luxemburger Reis-Demuth-Wiltgen Trio. Infos und Tickets unter www.trifolion.lu.

Social Distance 1934

Bald ein Jahrhundert liegt Joseph Funcks Erzählung „Kleines Schicksal“ nun zurück, und doch wird die Stimme von Schauspieler und Theaterregisseur Steve Karier einige wohl direkt zurückkatapultieren in die schiefen Gassen der Unterstadt, die das Stadtbild prägten, als Stahl noch Hoffnungsträger und der Finanzstandort Zukunftsmelodie war. Das Literaturarchiv hat Funcks Klassiker in Zusammenarbeit mit dem CNA als Hörbuch aufgelegt. Jeden Tag begibt sich Jim Steller in die Oberstadt der bürgerlichen Gesellschaft, zu der er selbst nicht gehört. Steller ist von Beruf Hundekotsammler, haust zwischen Lumpen und Kotkarren im hauptstädtischen Elendsquartier, ist Trinker und hat sein Lebensende in Sicht. Zwischen ihm und den Wertvorstellungen derer über dem Graben liegen Welten. Beide sind nur einige Höhenmeter voneinander entfernt und absolut unvereinbar. Dass oben auch nicht alles glänzt, wird bald klar, als Arzt Karl Emmel seine eigentlichen Motive offenbart, wenn er aus Steller einen anständigen Bürger zu machen versucht. Finck zeichnet ein Abbild der sozialen Gefüge in der Hauptstadt und ideologischen Auseinandersetzungen der Zwischenkriegszeit. Mehre Neuauflagen wurden von Kritikern immer wieder gelobt. Das Hörbuch dauert gut drei Stunden und ist im Online-Shop des Literaturarchivs als CD und MP3-Download erhältlich.

20 Euro,
shop.literaturarchiv.lu

Zusammengestellt von: Franziska Pesche, Fotos: Edilson Boz, CNA/CNL

Author: Dario Herold

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