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Prüfung bestanden

Anfang des Monats wurde Niels Toase zum „Meilleur Sommelier du Luxembourg 2014“ gewählt. Gute Vorbereitung und Gelassenheit gehören zum Rezept, das ihm zum verdienten Sieg verholfen hat.

„Wein wurde oder wird oft als elitär bezeichnet. Diese Sichtweise möchte ich gerne ändern, denn Wein ist für jeden zugänglich. Wenn man weiß, warum einem ein bestimmter Wein gefällt und ein anderer nicht, wenn man also seinen eigenen Geschmack besser verstehen lernt, kann der Code ganz leicht entschlüsselt werden und eine spannende Entdeckungsreise in die Welt des Weins kann beginnen.“ Wenn Niels Toase über Wein redet, weckt er Neugier, macht Lust darauf, tiefer in Wissensregionen vorzudringen, die man bisher lieber den Experten überlassen hat. Der 29-jährige Deutsch-Ire ist Haussommelier bei Bernard-Massard in Grevenmacher, berät andere Sommeliers in der Gastronomiebranche und gibt Kurse für Firmen und private Gruppen.

Seit dem 1. Dezember darf sich Niels Toase als „Meilleur Sommelier du Luxembourg“ bezeichnen. Jedes Jahr richtet die „Association Luxembourgeoise des Sommeliers“ diesen Wettbewerb aus. Teilnehmen dürfen ausschließlich Professionelle aus der Gastronomie- und Weinbranche. Sieben Konkurrenten waren am 28. November im Institut Viti-Vinicole in Remich zum Halbfinale angetreten. Die Aufgaben, die die sechs Männer und eine Frau erwarteten, waren alles andere als leicht.

Fünfzig Fragen waren bei einem schriftlichen Test zu beantworten, über Weinregionen in aller Welt, Weineigenschaften und viele weitere Themen. Darauf folgte eine Blindverkostung eines roten und eines weißen Weines sowie ein Überraschungstest, bei dem der richtige Wein zu einem Ziegenkäse gewählt werden musste. All diese Aufgaben erfordern von den Kandidaten höchste Konzentration und entsprechende Vorbereitung. „Ich habe viel sehr Theorie durchgelesen, Kartenmaterial angeschaut, Geschichte gelesen und die technischen Eckpunkte der verschiedenen Anbaugebiete und Weinherstellungstechniken verinnerlicht. Für die Verkostungen bereitet man sich mit mehreren Blindverkostungen vor“, beschreibt Niels Toase seine Vorbereitungen.

„Wir sind es den Leuten schuldig, dass wir als Experten auf der Höhe sind.“ – Niels Toase

Drei Tage später standen sich drei Finalisten im Restaurant Clairefontaine gegenüber, wo sie weitere fachspezifische Nüsse zu knacken hatten: Fehler auf einer Weinkarte entdecken, Gästeberatung und ein Tempo-Quiz, bei dem vierzig Fragen in nur drei Minuten zu beantworten waren. Hatte er Angst vor einem Black-out? Niels Toase lacht: „Nein, eigentlich nicht. Man soll nicht zwanghaft über das Gewinnen nachdenken, sondern diesen Moment einfach Spaß daran haben.“

Es sei natürlich schön zu gewinnen, aber das eigentlich Tolle an Wettbewerben sei der Austausch unter Sommeliers und dass man sich wieder an die Bücher setzt, betont Niels Toase. „Das ist meine persönliche Hauptmotivation, überhaupt teilzunehmen. Wir sind es den Leuten schuldig, dass wir als Weinexperten auf der Höhe sind. Es genügt nicht, irgendwann mal ein Diplom zu machen und dann zu sagen, das reicht. Denn Wein verändert sich ständig, die Jahrgänge unterscheiden sich… Wenn wir dem gerecht werden wollen, dann müssen wir dran bleiben.“

Aber nicht nur Wissen, sondern auch Leidenschaft ist wichtig. Ob das ein angeborenes Talent ist, kann Niels Toase nicht sagen. „In meiner Familie wird kaum Wein getrunken, höchstens zwei Flaschen im Jahr. Ich habe aber einen schottischen Onkel, der sich für Wein begeistert. Er ist es, der mein Interesse daran geweckt hat“, erinnert sich Niels Toase. Seinem Onkel sei es auch zu verdanken, dass er ein „ganz großer Riesling-Fan“ geworden sei. „Ich versuche jedoch, mich nicht auf eine bestimmte Region zu beschränken. Es gibt so viele tolle Weinregionen auf der ganzen Welt, dass es wirklich schade wäre, wenn man sich auf einige wenige beschränkt.

Nach der Ernennung zum besten Sommeliers des Landes geht für Niels Toase das Leben ganz normal weiter: „Ich werde nach wie vor meiner Arbeit nachgehen. Ich bin zufrieden mit dem, was ich mache. Doch ich will mich auf jeden Fall noch weiterbilden und weitere Diplome machen.“

Zur Person

Niels Toase kam vor 29 Jahren als Sohn einer deutschen Mutter und eines irischen Vaters in Hamburg zur Welt. Seine Kindheit verbrachte er in Nordirland. Nach Luxemburg kam er vor vier Jahren, war für das Hotel Albert Premier, später für Thierry Duhr im „Bouquet garni“ tätig. Seit zwei Jahren ist er Haussommelier und Berater für das Haus Bernard-Massard in Grevenmacher.

Philippe Reuter