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Rio 2016: Ein Traum zerplatzt (11.08.)

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Es gibt einen grundlegenden Unterschied zwischen den Sportarten bei Olympischen Spielen: Jene, die im Rhythmus der Olympiaden ticken, denen ein großer Teil der Förderung und Struktur ohne Olympische Spiele wegbrechen würde, und jenen, für die Olympiasieger ein sehr nettes Extra sind – und manchmal nicht mal das. Man braucht sich dafür nur die lange Liste von Absagen der Stars im neu aufgenommenen Golf oder dem Fussball anzuschauen. Hier haben (ungleich besser entlöhnte Majors oder Weltmeisterschaften) ein ganz anderes Prestige. Nachdem ich im Kajakfinale der K1-Männer kurz am Bildschirm sah, wie der schnellste Jiri PRSKAVEC knapp eine Stange streifte, mit zwei Strafsekunden Dritter wurde und nun wieder vier Jahre auf den einzig wirklich beachteten Auftritt wartet, war ich gestern selbst vor Ort. Hier versenkten sich bei den Männern im C2 dessen tschechische Landsleute und zweitbestes Boot des Jahres beim Weg zu Gold am drittletzten Tor. Bei den Frauen erfüllte sich hingegen die Baskin Maialen Chourraut gleich zwei Träume in einer Olympiade: Erst wurde sie – geplant – unmittelbar nach ihrer Bronzemedaille in Rio schwanger, paddelte noch zwei Tage vor und schon wieder einen Monat nach der Niederkunft und verfolgte neben ihrer Tocher Ana – die nach dem Trainer und gleichzeitig Ehemann – auch als Zweite gratulierte, weiter ihren olympischen Traum.

ev-11cDer Tennissport hat dagegen so einen Zwischenstatus: Schon bei der Einweihungsfeier trugen einige Stars der Szene stolz ihre Landesfahne vorweg, doch als manche im Wettbewerb die Fahne und Segel schnell strichen, wurde z.B. den Franzosen böse unterstellt, ihnen wäre im Vergleich zum üblichen Tenniszirkus im olympischen Dorf die Unterkunft zu spartanisch, sie hätten zu wenig Ruhe und auch Anreiz für dieses Turnier. Nachdem Novak Djokovic früh ausschied, und er selber den Neunten der Welt Jo-Wilfried Tsonga eliminiert hatte, begann auch Mulles – und das gesamte Team Lëtzebuerg – zu träumen. „Ich weiss, dass ich in so einem Feld Grosses vollbringen kann“, diktierte er uns nach dem Spiel enttäuscht ins Mikrofon. Er hatte nicht schlecht gespielt, wollte sich auch nichts vorwerfen, doch gegen Roberto Bautista Agut hatte es trotz einem eigenen Satzball knapp nicht gereicht. Nur dieses Achtelfinale und ein durchaus zu schaffendes Viertelfinale war er vom Kampf der letzten Vier um olympisches Edelmetall entfernt. Im Gegensatz zu den Paddlern, die sich so langsam schon ihre Gedanke über die sportliche Karriere bis Tokyo 2020 machen, schaute ein Gilles Muller beim abendlichen Empfand der luxemburgischen Delegation schon wieder gut gelaunt auf den nächsten Saisonhöhepunkt US Open Ende August voraus. Da hier die besten Spieler nicht nach einer Nationenquote beschränkt sind, dürfte dies der schwierigere Wettkampf sein. Als Junior hatte Mulles sie ja bereits 2001 gewonnen. Welcher Erfolg der größere Traum für ihn sei, hatte ich dann aber zu fragen vergessen.11c

Author: Philippe Reuter