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RIO 2016: Luxus Luxemburger (19.08.)

Natürlich wäre es schön, mit den Sportlern des eigenen Landes Medaillen zu feiern und vor allem das Ganze journalistisch zu begeliten. Eine kleine Delegation hat aber auch so seine Vorteile…

In London waren die ersten drei Tage riesiger Stress, da fast alle der neun Sportler ihre Einsätze hatten. Mitte der Woche dann noch Larry und Rapha und aus wars. Da die Übernachtungspakete an Journalisten i.d.R. jedoch für gutes Geld die ganzen Spiele geschnürt werden, kann man sich die Arbeit den Rest der Zeit aussuchen. In London konnte ich so unter anderem die Geschichte der fast-Medaillengewinnerin Marie Muller und ihres damaligen Lebenspartners, zukünftigen Ehemannes und Trainers Ralph Heiler, die noch die Tage im olympischen Dorf genossen, vertiefen. Hier in Rio stand die zweite Woche noch der vergeigte Lauf einer Charline Mathias an, die sich trotz langer Verletzungspause die miserable Zeit nicht erklären kann. Eigentlich war von Anfang an das ganze Rennen an ihr vorbei gelaufen. Am Sontag Morgen werde ich mir natürlich noch Yonas Kinde anschauen und habe ansonsten viele Freiheiten.

unspecified-5Heute morgen war ich bei der täglichen Pressekonferenz der Olympischen Spiele. Mit der absurden Räuberpistole des arroganten „Ugly Amercian“ (New York Post) Brian Lochte und der noch viel peinlicheren Verhaftung von Pat Hickey erhoffe ich mir einige neue Einblicke. Die erhaltenen Einblicke sind -leider- nicht wirklich neu und überraschen mich nicht. Substantielles könnte der britische IOC-Kommunikationschef Mark Adams sicher beitragen. Er will allerdings nicht, und schafft es in bestem Politiker- und Diplomatensprech, jede Nachfrage an sich und seinem IOC abperlen zu lassen, sie eloquent ins Leere zu führen, an Verbände oder andere Stellen zu verweisen. Also vor allem keine Position zu beziehen. Der Teflonfaktor ist ähnlich hoch wie bei seinem Chef Thomas Bach, der das Kunststück fertig brachte, seinen Buddy Putin nicht auflaufen zu lassen. Kurzfristig kann das opportun sein, mittelfristig aber lassen sich immer weniger Menschen vom bunten Schein der Olympiawelt blenden, wenn im krassen Gegensatz zu den ausgehöhlten hehren olympischen Werten der korrupte Kampf um Geld und Macht zu offensichtlich ist.

Viele Journalisten, und hier in Rio mehr als jemals zuvor, stecken im Zwiespalt zwischen Hurra-Berichterstattung vom sportlichen Geschehen und den zahlreichen außersportlichen Problemen um und mit diesen Spielen. Man gönnt sich ja sonst nichts, also entscheide ich mich am Nachmittag für die schöne Seite. Schliesslich gibt es bei den Spielen ja auch Geschichten wie die von der US-amerikanischen Leichtathletin Abbey D’Agostino, die über ihre neuseeländische Kontrahentin Nikki Hamblin stürzte. Ihr aber gleich anschließend die Hand auf die Schulter legte und meinte, sie müssten das Rennen zu Ende bringen. Trotz eines Kreuzbandrisses der Amerikanerin und unter dem Jubel der Zuschauer erreichten sie gemeinsam das Ziel der 5.000 Meter. Viel fürs Herz gab es auch, als die Brasilianerin Isadora Cerullo im Rubgy, später auch die chinesische Silbermedaillengewinnerin im Turmspringen Chinesin He Zi und jüngst die Deutsche Sabrina Hering vor Millionenpublikum ihre Heiratsanträge annahmen. Mut mach dann die Lebensfreude und Verbissenheit der Mauritanierin Fabienne St. Luis, die sich trotz zweier schweren Operationen in den letzten Monaten wegen einer Krebserkrankung nicht von ihrem olympischen Triathlon abhalten ließ.

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Meine Entscheidung ist allerdings weniger fürs Herz, sondern vor allem für die Nerven: Ich gönne mir das Halbfinale zwischen den dominierenden Handballern der letzten zehn Jahre, amtierende Weltmeister und Olympiasieger aus Frankreich und dem Europameister Deutschland. Sportlich gesehen nicht nur für die nahe beieinanderliegenden, gut gelaunte Fanblöcke ein nervenaufreibendes, großes Drama in der ziemlich vollen Halle. Schwer nachvollziehbar lassen sich die sonst so souveränen Franzosen einen sieben Tore Vorsprung nach vierzig Minuten noch entreissen. Eine Minute vor Schluss steht es plötzlich wieder 28:28. Unglaublich abgebrüht spielen die Franzosen die Uhr runter und zwei Sekunden vor Schluss wirft ein überragender Daniel Narcisse den Siegtreffer. Großer Sport, große Gewinner und große Verlierer.

Mit einer großen Delegation an Sportjournalisten ging es zum runden Abschluss des Tages dann noch ins Restaurant. Sportspress.lu Präsident Petz Lahure, anfangs der Spiele noch für seine insgesamt 18 Teilnahmen an Sommer- und Winterspiele geehrt, lud den mit 16 Teilnahmen ebenfalls ausgezeichneten Fotografen Arthur Thill (ATP), je drei Journalisten und zwei Fotografen der Editpress- und ISP-Gruppe, sowie drei Medienschaffende von RTL zu Speis und Trank.

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Author: Martine Decker